Veröffentlicht am Autor , Birgit Krämer

Silvester am Comer See

Abendstimmung in Bellagio

Eigentlich hatten wir den Jahreswechsel ganz anders geplant, doch jetzt finde ich mich als Reiseleiterin in einem Hirsch-Bus wieder: Ein Kollege musste leider kurzfristig absagen. Also hieß es: Bücher wälzen über die Feiertage! Der Bus ist bis auf den letzten Platz besetzt, mein Mann Wolfgang Behrends am Steuer und unser Sohn Jan als „Assistent“ mit von der Partie. Como habe ich in bester Erinnerung, Jan freut sich vor allem auf die Edel-Schaufenster von Mailand, auf den Comer See – das Urlaubsparadies der Reichen und Schönen seit Jahrhunderten – sind wir alle sehr gespannt. Das Wetter soll schön werden, ganz anders als der trübe Tübinger Winter. Also nix wie los nach „Bella Italia“!

1. Tag: Durch die Schweiz an den „Lario“

Die Schweiz zeigt sich uns zuerst kaum im dichten Nebel. Eiseskälte in Chur, wo wir uns im zünftigen „Alten Zollhaus“ mit Röschti stärken. Dann, beim Schneegestöber in den Schweizer Alpen Richtung San Bernardino, können wir uns kaum sattsehen an der Landschaft!

Hier kehren wir ein: Zollhaus in Chur.
Unterwegs in Richtung San Bernardino

Nach dem Tunnel scheint auf Tessiner Seite wie bestellt die Sonne. Sie lässt den Nordzipfel des Lago Maggiore aufblitzen, die elegante Luganer Seepromenade ist dicht bevölkert mit Spaziergängern. Als wir den Comer See erreichen, ist es bereits dunkel. In den abenteuerlich engen Kurven, die in Menaggio hinunter zum See führen, machen wir erste Bekanntschaft mit den Verkehrsverhältnissen hier: Die Straße durch die steilen Ortschaften zwischen Bergen und See sind oft so eng, dass nicht mal Platz für Fußgänger ist, manchmal auch keiner für Gegenverkehr.

Unser Hotel mit Seeblick in Mezzegra

„Lario“ – so nennen die Einheimischen den Comer See – und so heißt auch unser Hotel, betrieben von einer jungen Familie in einem stilvollen alten Palazzo. Beim Parken auf dem winzigen Busparkplatz beweist Wolfgang allabentlich seine Rangierkünste. Das winzige Dorf Mezzegra, in dem sich unser Quartier befindet, ist vor allem dafür bekannt, dass hier am 28. April 1945 Mussolini und seine Partnerin von Partisanen erschossen wurden.    

2. Tag: Milano – von Verdi bis Celentano

Zum Frühstück ein Kaffeeautomat für alle – diese Unsitte greift in Hotels derzeit leider um sich. Wir üben uns in italienischer Gelassenheit. Und los geht’s nach Mailand! Die Fahrt am See entlang führt durch Dörfer an steilem Hang, die ein oder andere schicke Villa  blitzt zwischen Bäumen hervor. Bei Lenno bauten schon die Römer Wein an. Wir passieren die tiefste Stelle des Sees (unglaubliche 410 Meter!) und die sagenumwobene Isola Comacina, auf der seit dem Mittelalter ein Fluch lasten soll. Von der Küstenstraße oberhalb von Laglio halten wir Ausschau nach George Clooneys Villa: Ein barocker Bau mit grünen Fensterläden und Bootsanleger soll es sein – wer sieht`s zuerst?

Über die Autobahn kommen wir in die Hauptstadt der Lombardei. Es ist Sonntag und im feinstaubgeplagten Mailand herrscht wenig Verkehr. Dafür sind umso mehr Touristen da, wie wir bald feststellen müssen …   

Für Italiener anderer Regionen ist Mailand die Stadt, in die man kommt, um Geschäfte zu machen, nicht um zu leben. Wirtschaftsstarke Industriemetropole und Bankenzentrum seit den Geldwechslern des Mittelalters. „Konto“, „Saldo“, „Netto“ – kommt alles von hier. Die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen kommen zur Sprache: Die Regierung Conte/Salvini hat die EU mit ihren Haushaltsplänen gegen sich aufgebracht, italienische Banken kämpfen mit Existenzproblemen. Nun ist die Mailänder Skyline ist in Sicht mit der Torre Unicredit, dem höchsten Gebäude Italiens, und der zur Expo 2015 entstandenen futuristischen City-Life-Hochhäuser.  

Mailand ist natürlich auch die Stadt der Mode und des Designs. Hoppla: Eine überdimensionierte Nähnadel mit buntem Faden steckt im Pflaster der Piazza Cadorna!

Am Castello Sforzato beginnt der Stadtrundgang

Am mächtigen Castello prangt prangt das Wappen der Visconti: eine Schlange, die gerade Mann verschlingt. Mit diesen despotischen Herrschern war nicht zu spaßen! Ihre Burg errichteten sie am Stadtrand, mit Kanälen ins Umland, um jederzeit fluchtbereit zu sein. Ludovico Sforza machte einen Renaissancepalast daraus. Für die Ausstattung engagierte er Leonardo da Vinci, der außerdem Feste managte, als Ingenieur Entwässerungsprojekte entwickelte, sich als Bildhauer, Maler, Musiker und sogar als Designer für die fürstlichen Roben betätigte. Dem Multitalent Leonardo begegnen wir auf unserem Spaziergang vor der Scala wieder, wo er erhöht über seinen Schülern steht.

„Ein Liter für vier“– diesen Spitznamen verpassten die Mailänder dem flaschenartig schmalen Denkmal.
Galleria Vittorio Emanuele, die Mutter aller Shopping-Malls. Ihr Architekt stürzte kurz vor der Vollendung 1877 von einem Gerüst.

Wie ein Triumphbogen wirkt der monumentale Eingang zur berühmtesten Einkaufspasssage der Welt: Die Galleria Vittorio Emanuele, 1865 erbaut und nach dem ersten König des gerade vereinten Italiens benannt, ist vom Marmorboden bis zur Glaskuppel frisch restauriert. Die Mosaiken strahlen so prächtig, dass ein Mitreisender das Alter des Baus nicht glauben will. Heute liegt es in der oberen Etage das einzige Sieben-Sterne-Hotel Europas. Touristen strömen vorbei an den Schaufenstern der Nobelmarken Prada, Gucci, Versace. In der Mitte leuchtet und blitzt ein gewaltiger Christbaum mit Tausenden von Swarovski-Kristall-Anhängern – derzeit sicher die beliebteste Selfie-Kulisse der Stadt!

Als „weißes Zuckerbackwerk“ sah Hermann Hesse den Mailänder Dom.

Vorbei an der Bar, in der ein Signore Campari das gleichnamige Getränk erfand, kommen wir zum Domplatz. An diesem sonnigen Sonntag ist er schwarz von Menschen. Ich bin heilfroh, meine Gruppe ohne Verluste durch das Gewusel der Galleria gelotst zu haben – dank Hirsch-Funk. Leider sind die Schlangen vorm Dom ebenso abschreckend wie die auf dem Visconti-Wappen – das wird nichts mit einer Innenbesichtigung … Doch selbst von außen überwältigt uns dieses Gebirge aus weißem Marmor. Gian Galeazzo Visconti wollte 1396 nichts Geringeres als die größte Kirche der Welt bauen – die drittgrößte ist es bis heute! Vollendet wurde die Fassade unter Napoleon, der sich hier zum König Italiens krönen ließ.

Blick auf die Scala mit neuem Bühnenhaus. 2001-04 hat der Schweizer Architekt Mario Botta die Scala umgebaut und erweitert.

Der Tag des Stadtpatrons Ambrosius, der 7. Dezember, markiert alljährlich den Beginn der Opernsaison, ein gesellschaftliches Großereignis! Für uns steht noch ein Besuch im Museo della Scala an. Wir haben Glück: Das elegante Foyer und einige Logen sind zugänglich. Selbst Jan ist beeindruckt vom Blick auf die größte Bühne Europas. Ein bisschen fühlen wir uns wie VIPS!

Um den Bau zu finanzieren, wurden die Logen vorab an reiche Mailänder Familien verkauft.
Am echten Modell und virtuell kann man das Innenleben der Scala erkunden.

Unter Maria Theresia eröffnet, sah das legendäre Theater viele Triumphe; etliche Opern Giuseppe Verdis wurden hier uraufgeführt. Zur Zeit des Risorgimento wurde es zum Schauplatz politischer Statements: der Gefangenenchor aus „Nabucco“ zur Hymne gegen die österreichische Fremdherrschaft, „Viva Verdi!“ (die Abkürzung von „Vittorio Emmanuele Re d’Italia“) zum Schlachtruf des geeinten Italiens. Im Museum erinnert vieles an Verdi, vom Spinett, auf dem er als Kind spielte, bis zu seiner Totenmaske. Caruso, Toscanini, die Callas – alle Großen der Musikwelt sind hier als Porträts vertreten.

Im Verdi-Saal herrscht immer Betrieb.

Danach will unser modebewusster 11-Jähriger unbedingt in den Gucci-Laden in der Galleria: Im Schaufenster stehen 1000-Euro-Turnschuhe mit fetten Plastiksohlen, besetzt mit ebenso fetten, knallbunten Klunkern. Drinnen shoppen junge Asiaten auf mehreren Etagen. Die eleganten Verkäufer grüßen ausgesprochen freundlich, auch als wir schnell wieder gehen. Nun wird’s Zeit für eine Stärkung! Jan und ich erkunden die „Fress-Etage“ des Kaufhauses Rinascente und trinken in einem hübschen Café Trinkschokolade dick wie Pudding.

„Dolci“ im Kaufhaus Rinascente: Wer kann da widerstehen?

Nachklang: Auf der Rückfahrt schimmert die schneebedeckte Silhouette der Alpen in der Abendsonne, ich erzähle noch ein bisschen von Verdi, wir hören den berühmten Chor „Va pensiero“ und – weniger feierlich – „Azzurro“ von Adriano Celentano (aus Mailand!), zwei Ohrwürmer zum Mitsummen. Zum Abendessen gibt es heute Mailänder Risotto mit Safran – wie passend!

3. Tag: Das Goldene Dreieck des Comer Sees

Wie ein auf den Kopf gestelltes Y erscheint der Comer See auf der Landkarte. An diesem letzten Tag des Jahres erkunden wir das „Goldene Dreieck“ im Süden mit den Eckpunkten Como im Westen, Lecco im Osten und Bellagio oben, also genau dort, wo die drei Arme zusammentreffen.

Blick auf Como
Blick auf Como

Seit die Medici am Comer See die ersten Maulbeerbäume pflanzten, ist Como die Stadt der Seide. Auch wenn die Rohseide längst aus China kommt, spielt deren Verarbeitung hier bis heute eine wichtige Rolle. In den Auslagen der Geschäfte sieht man die zarten Stoffe und noch viel mehr „Beffanas“ – so heißt die Hexe, die den italienischen Kindern am 6. Januar Geschenke bringt.

Für den besonderen Geschmack: Krawattenkunst im Seide

Ein Weihnachtsmarkt mit regionalen Leckereien zieht sich vom Seeufer in die Fußgängerzone. Wir sind früh dran und erleben die schöne Altstadt betriebsam, aber nicht überlaufen. Welche Erholung nach unserem Mailand-Erlebnis!

Das gitterförmige Straßennetz verrät die römischen Ursprünge der Stadt, und auch der Dom tut das: An seiner prächtigen Fassade flankieren nicht etwa Apostel das Hauptportal, sondern zwei Stars der Antike: Plinius der Ältere und Plinius der Jüngere, die beide von hier stammten. Die Renaissance lässt grüßen! Drinnen ist gerade eine Andacht vorbei. Wir bewundern die Kassettengewölbe und die Luini-Madonna, dann überrascht uns eine Dame aus unserer Gruppe mit einer tollen Gesangseinlage.

Dom von Como
Geschützt hinter Glas grüßt uns Plinius der Ältere, Verfasser der Naturgeschichte, der beim Ausbruch des Vesuvs 70. n. Chr. ums Leben kam.
Direkt an den Dom ist das mittelalterliche Rathaus gebaut – Ausdruck einer selbstbewussten Stadtrepublik.

Fantasievolle Steinmetzarbeiten sind am romanischen „Drachenportal“ von San Fedele zu entdecken: Bildhauer aus Como waren schon im 11. Jh. berühmt – manche zogen von der Lombardei bis an den Rhein und wirkten an den Domen von Mainz und Speyer.

Fabelwesen an der Chorpforte von San Fedele

Nun locken Altstadt und Markt. Nach einem Bummel finden sich alle am Seeufer ein, wo dem bekanntesten Sohn Comos ein Tempel errichtet wurde: Alessandro Volta, dem Erfinder der Batterie, dessen Name für die elektrische Spannung Pate stand. Die Wellen kräuseln sich sanft; die moderne Batterie-Skulptur „The Life Electric“ leuchtet auf der Mole.

Tempel für den Pysiker Volta in Como

Über Land fahren weiter nach Lecco, Comos kleine, unbekannte Schwester am östlichen Zipfel des Sees. Von hier fließt die Adda gen Süden. Die bürgerliche Kleinstadt mit ihrer sonnigen Uferpromenade, einer schnurgeraden Fußgängerzone und netten Cafés bietet sich für ein Pause an. Ein Ausflugsboot, das wie der Rentierschlitten des Weihnachtsmanns gestaltet ist, zieht alle Blicke auf sich.

Denkmal für Alessandro Manzoni: Sein Roman „Die Brautleute“ spielt in dieser Gegend und ist an allen italienischen Schulen Pflichtlektüre.
Die zackigen Berge bei Lecco sollen Leonardo als Vorbild für den Hintergrund der Mona Lisa gedient haben.

Als unser Bus die schmale, kurvenreiche Uferstraße nach Bellagio bewältigt hat, atmen wir (ich glaube auch Wolfgang!) erstmal auf. Den reizvollen Ort im Zentrum des Sees suchte sich schon Plinius d.J. für seine Villa aus, später folgten Adelige und Prominente, Künstler und Politiker, von Liszt bis Churchill. Luxushotels und die Rockefeller-Stiftung sind in die edlen Anwesen eingezogen. Das Dorf selbst ist winzig und steil.

Bellagio vom See aus
Blick von der Punta Spartivento: An der Spitze der Landzunge teilen sich die Winde

Wer will, spaziert zur „Punta Spartivento“, um in alle drei Seearme zu schauen oder zur kleinen romanischen Kirche. Dann nehmen wir die Fähre zurück ans Westufer.

Der Hirsch-Bus fährt uns aus der Fähre voraus. Für ihn gibt es keinen Platz im Ort.

In Cadenabbia gehen wir an Land. Hier verbrachte Konrad Adenauer jahrelang seine Urlaube und lernte von einem italienischen Carabiniere das Bocciaspiel. Die Villa „La Collina“, die er und sein ganzer Regierungs-Tross bewohnten, soll damals alles andere als luxuriös gewesen sein. Umso schöner der Garten und die Umgebung. Sicher hatte auch er seinen Anteil am Italien-Fieber, das in den 1950er-Jahren viele Deutsche ansteckte.

Zum Silvester-Dinner haben sich alle fein gemacht: Neben einer zweiten deutschen Gruppe feiern auch viele Italiener im Hotel Lario. Das Restaurant ist proppenvoll, das festliche Essen hat viele Gänge und ist ausgezeichnet. Eine Band spielt, es wird getanzt und unter dem Applaus aller Gäste darf der jüngste Sohn des Hauses den Prosecco in eine beeindruckende Pyramide aus Gläsern gießen.

Vorbereitung auf den „Brindisi“ um 0 Uhr!

„Buon anno! Auguri!“ Alle stoßen an. Im Hotelgarten gibt es sogar ein kleines Feuerwerk für die Kinder – auch Jan darf seine Raketen-Batterie abfeuern und verteilt deutsche Riesen-Wunderkerzen, die die italienischen Buben bald wie Laserschwerter schwingen. Drinnen wird noch Panettone (aus Mailand!) serviert. Die traditionellen glückbringenden Linsen zum neuen Jahr schafft von uns dreien nur Wolfgang noch.  

4. Tag: Neujahrstag in Lugano

Zum Glück dürfen wir heute ausschlafen – Jan ist trotzdem kaum wachzukriegen – und wir drei frühstücken ausnahmsweise in der Dorfbar, in der mächtig was los ist. Die Cornetti sind lecker. Um 11 Uhr starten wir gemütlich zum Ausflug ins schweizerische Lugano. Im Vorbeifahren ein schneller Blick auf die berühmte Villa Carlotta, benannt nach der preußischen Prinzessin, die den Barockbau voller Kunstgegenstände von ihrer Mutter zur Hochzeit geschenkt bekam. Der Park muss im Sommer fantastisch sein!

Die Tessiner Sonne lacht, doch am Luganer See weht ein kalter Wind. Wir spazieren durch die Stadt mit ihren Palazzi und Nobel-Boutiquen – hier ist viel Geld zuhause! Vor allem reiche Italiener bunkern ihre Millionen an diesem Finanzplatz. Jan zählt Luxus-Autos und sucht die teuersten Uhren im Schaufenster bei Bucherer. Unser Ziel aber ist die kleine Kirche Santa Maria degli Angioli an der Seepromenade. Unscheinbar neben den glanzvollen Hotelfassaden, verbirgt sie im Inneren einen Schatz: das größte Renaissancefresko der Schweiz aus der Hand des Leonardo-Schülers Luini. Ein riesiges Wimmelbild, das die Geschichte von der Passion bis  zur Himmelfahrt Christi erzählt und das wir gemeinsam erschließen.

Für ich das Highlight von Lugano: Fresken von Bernardino Luini
Auf dem Rathausplatz von Lugano

Schließlich geht es hinauf zur Kathedrale. Wer nicht laufen will, kann die Standseilbahn benutzen – aber Achtung: unbedingt den Halteknopf drücken, sonst landet man am Bahnhof! (Leider ist das einigen Hirsch-Gästen passiert.) Kurios: Im 16. Jh. wurde die Kathedrale einfach umgedreht, um eine repräsentative Renaissance-Fassade zum See zu schaffen. Nach dem Blick über die Dächer der Stadt und zum Hausberg Monte Brè ist unser offizieller Teil beendet und Gelegenheit zum Einkehren oder für einen Spaziergang am See. Jan hat keine Lust zum Herumlaufen. Also unternehmen wir zwei eine Fahrt im Touristenbähnle, in dem wir laut mit italienischen Weihnachtsliedern in Endlosschleife beschallt werden.

Leicht verwackeltes Seeufer, aus dem Bähnle fotografiert

Auf der Heimfahrt legen wir mit dem Bus einen Überraschungs-Stopp am Luganer See ein: Wolfgang und Jan waren gestern einkaufen für einen Neujahrs-Umtrunk mit Prosecco und italienischen Keksen. Alle „Hirsche“ stoßen noch einmal an. Auf der Rückfahrt kleines Neujahrs-Konzert mit Verdi-Klängen und Italien-Schlagern der 1950er-Jahre, denn wir kommen ja wieder bei Adenauer in Cadenabbia vorbei. Und im selben Ort in einer anderen Villa komponierte Verdi „La Traviata“.

5. Tag, 2. Januar: Am Vierwaldstädter See

Heute geht es zurück in die Heimat. Wie nehmen Abschied vom Comer See und seinem schönen Panorama, die Strecke nach Lugano kennen wir nun schon gut. Diesmal fahren wir durch den Gotthard-Tunnel, den wir zum Glück früh hinter uns lassen – später sollte es sich dort gewaltig stauen. Während wir durch den Berg sausen, lese ich ein Kapitel aus der Novelle „Gotthard“ von Zora del Buono, die den Bau des 2016 eröffneten, 57 km langen Basistunnels aus der Sicht ganz unterschiedlicher Beteiligter schildert – ein prima Lesetipp für Schweiz-Reisende und Eisenbahnfans! Schneeregen am Vierwaldstädter See, Eiseskälte in Luzern, wo wir Mittagspause machen. Trotzdem kommen die tapferen „Hirsche“ alle mit zum kleinen Zwei-Brücken-Spaziergang hin und her über die Reuss: In der Jesuitenkirche wärmen wir uns kurz auf und bewundern die exotischen Fresken: Dromedar, Leopard und Kamel ziehen den Triumphwagen des Heiligen Franz Xaver in den Himmel – denn der missionierte in Indien.

Kapellbrücke und barocke Jesuitenkirche

Die Spreuerbrücke mit ihren makabren Totentanz-Malereien ist die original erhaltene der beiden überdachten Holzbrücken. Doch heute eilen wir schnell herüber – und sind zurück in der romantischen Altstadt mit ihrer Folge von farbenfrohen Plätzen. Zu den beliebtesten Städten der Welt soll Luzern gehören. Und zu denen mit den höchsten Immobilienpreisen, weiß ein Schweizer Mitreisender. Die Geschäfte am Schwanenplatz, der Busausstiegsstelle, sprechen jedenfalls für vermögende Touristen: Chinesische Verkäufer warten an den Ladentheken mit Luxusuhren auf Kundschaft aus Fernost. Uns gefällt die Konditorei Bachmann viel besser: Dort gibt es tatsächlich einen wandbreiten Wasserfall auf flüssiger Schokolade. Darüber schweben Riesentrüffel mit goldenen Flügeln! Diese süßen Impressionen nehmen wir mit auf die Heimreise.

Schon vom Duft wird man satt: „Schokofall“ in Luzerner Confiserie