Veröffentlicht am Autor , Jana Heundorf

Literarische Champagne

Eine Reise in die Champagne ist eine Reise für alle Sinne. Davon konnten wir uns im Advent überzeugen: auf einen literarischen Streifzug durch diese Region unter der Leitung von Literaturwissenschaftler Herrn Dr. Stefan Woltersdorff.

Durch die Argonnen fuhren wir zunächst nach Sainte-Menehould. Bekannt ist das Städtchen, weil König Ludwig XVI. und Königin Marie-Antionette hier 1792 auf ihrer Flucht ins Ausland erkannt und gefasst wurden. Hier verbrachten wir die Mittagpause. Einige Gäste trauten sich die lokale Spezialität, den Schweinefuß („pied de cochon“) zu probieren.

Frisch gestärkt fuhren wir in das Dorf Ante: Hier wurde der deutsch-französische Romantiker Adelbert von Chamisso geboren und getauft. Wir besuchten die Kirche inmitten des kleinen Friedhofs und lauschten unserem Reiseleiter beim Vortrag von Auszügen aus Chamissos Werk.

Weiter ging es nach Valmy, wo die Franzosen die Österreicher und Preußen besiegten. Goethe schrieb als einziger Augenzeuge über diese Schlacht. Einen Teil des Berichts las uns Herr Dr. Woltersdorff hier vor – aufgrund des Regens im warmen Bus sitzend.

Am Abend erreichten wir unser Standquartier für die kommenden drei Nächte: Reims, Krönungsstadt der französischen Könige. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns zum Abendessen. Die Brasserie Excelsior – weihnachtlich beleuchtet – empfing uns mit einem 3-Gänge-Menu.

Der zweite Reisetag begann mit einem vielseitigen Frühstücksbuffet: Warme und kalte Speisen, verschiedenes Gebäck, Käse, Wurst, eine Auswahl an Marmelade und Obst wurden ergänzt durch Säfte und Kaffeespezialitäten. Zudem bot das Restaurant in der oberen Etage des Hotels Holiday Inn einen schönen Blick auf die Kathedrale. Frisch gestärkt machten wir uns auf Reims auf einem Stadtrundgang zu entdecken. Wir erfuhren viel über die Stadtgeschichte, sahen den Brunnen Fontaine Subé, das Marsfeld, die moderne Markthalle Boulingrin und das Rathaus. Über die Place du Forum und die Place Royal kamen wir schließlich zum Herzstück der Stadt: Die Kathedrale Notre-Dame ist UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als eine der schönsten Bauten der Hochgotik. Wir ließen die imposante Fassade auf uns wirken und sahen den berühmten lächelnden Engel. Anschließend unternahmen wir einen ausführlichen Rundgang durch die Kathedrale. Wir bestaunten die verschieden gestalteten Fenster, unter anderem die berühmten, von Chagall gestalteten Fenster im Chorraum. Zur anschließenden Mittagspause bot sich ein Bummel über den Weihnachtsmarkt statt, der rund um die Kathedrale aufgebaut wurde.

Fontaine Subé
Rathaus
Place du Forum
Place Royal
Kathedrale Notre Dame

Am Nachmittag fuhren wir – begleitet von strahlendem Sonnenschein – nach Château-Thierry, wo wir uns auf die Spuren von Geschichten und Getränken begeben. Zunächst lernten wir im Musée La Fontaine den berühmten Fabeldichter Jean de La Fontaine und seine Werke kennen. Nach einer Einführung im Garten des Museum, in dem sich viele kleine Figuren aus den Geschichten La Fontaines befinden, erkundeten wir das kleine Museum.

C(h)ampagne
Château-Thierry
Miniatur: Musée La Fontaine

Unser nächster Stopp galt dem berühmtesten Produkt der Region, das auch ihren Namen trägt: die Champagner-Kellerei „Caves Pannier“. In den ansprechend gestalteten Räumen werden wir bereits erwartet. Zunächst ließen wir uns durch das beindruckende Kellergewölbe führen und vollzogen dort den Weg des Champagners nach. Wir erfuhren von den Unterschieden der einzelnen, hier hergestellten Champagner-Sorten und sahen anschließend einen kurzen Film. Zurück im Erdgeschoss ließen wir uns zwei Kostproben des wohltemperierten Champagners schmecken.

Les Caves Panniers
A votre santé!

Profi-Tipp: Um die Champagner-Flasche zu öffnen dreht man die Flasche, nicht den Korken!

Nach einem Stopp im Verkaufsraum der Kellerei (Weihnachtsgeschenke!) fuhren wir zurück nach Reims. An diesem Abend waren wir in der Brasserie Boulingrin eingeladen und genossen ein 3-gängiges Menu inklusive Wein.

Am folgenden Tag fuhren wir nach Charleville-Mézières, an vier Flussschleifen der Maas gelegen. Auf den Spuren des Dichters Arthur Rimbaud erkundeten wir die Altstadt; wir sahen unter anderem sein Geburtshaus und die Schule, die er besuchte. Nach einer individuellen Mittagspause besuchten wir das moderne Rimbaud-Museum, das uns weitere Einblicke in das Leben und Wirken des Künstlers gab. Das Leben von Rimbaud ist untrennbar mit dem von Paul Verlaine, einem weiteren französischen Dichter, verbunden. Daher machten wir uns auf den Weg zum Paul Verlaine-Museum in Juniville, wo dieser einige Jahre lebte. Wir hörten einen begeisterten Vortrag des ehrenamtlichen Museumsführers, den unser Reiseleiter ins Deutsche übersetzt. Als begeisterter Anhänger von Rimbaud und Verlaine gab er seinem eigenen Sohn den Namen Arthur.

Bahnhof Charleville-Mézieres

Fontaine Charles de Gonzague
Place Ducale
Musée Rimbaud & la Meuse

Unsere letzte Besichtigung in Reims galt der Basilika Saint-Remi, ein beeindruckendes Bauwerk mit romanischem Doppelturm und Buntglasfenstern aus dem 12. Jahrhundert!

Basilika Saint-Remi

Leider ist die Champagne – heute mit Lothringen und Elsass Teil der Region Grand Est – nicht nur für Architektur, Literatur und Genuss bekannt: Viele Schlachten und Kriege wurden in der Grenzregion ausgetragen. Daran erinnerte uns ein Besuch auf dem Soldatenfriedhof von Souain-Perthes-lès-Hurlus. Gräber von über 40.000 Deutschen und Franzosen erinnern an die Marne-Schlacht im Jahr 1914. Auch der Expressionist August Macke liegt dort begraben.

Soldatenfriedhof
Soldatenfriedhof

Unser nächster Weg führte uns nach Châlons-en-Champagne, wo wir unter anderem die schöne Stifts- und Wallfahrtskirche Notre-Dame-en-Vaux besuchten.

Rathaus Châlons-en-Champagne
Notre-Dame-en-Vaux Châlons-en-Champagne

Nach der Mittagspause fuhren wir zur spätgotischen Wallfahrtskirche Notre-Dame de l’Epine, und ließen die Flamboyantarchitektur auf uns wirken – krönender Abschluss einer lehrreichen und interessanten Reise!


Notre-Dame de l’Epine
Notre-Dame de l’Epine

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