Veröffentlicht am Autor , Stefan Simonis

Paris und die Bretagne

„C’est joli la Bretagne, et puis c’est pas loin de la France.“ (Coluche) Man muss unbestritten durch Frankreich reisen, um in die Bretagne zu kommen. Und Frankreich, das ist Paris. Fertig ist der Plan für den Sommerurlaub!

Kaum in Karlsruhe in den Zug gestiegen, sind wir schon am Gare de l´Est. Wir, das sind meine Frau, unsere Töchter (5 und 7 Jahre) und ich. Mit der Metro weiter nach Montparnasse, wo unser Hotel liegt, und ab zur Stadtbesichtigung. Leider regnet es in Strömen. Doch in Paris gibt es Museen, die man ohne Online-Buchung und Warteschlange besuchen kann. Von der Hirsch-Reise „Kunst der Weltreligionen“ weiß ich, dass das Musée du Quai Branly ein solches ist. Herausragend die Zeugnisse uns fremder Kulturen aus Ozeanien, Afrika, Asien und Amerika. Koloniale Raubkunst? Die Diskussion schlägt nicht nur in Frankreich Wellen. Die komplett unvoreingenommenen Kinder sind von den teils gruseligen Holzmasken und der Architektur des Museums fasziniert.

Die grüne Fassade des Musée du Quai Branly

Auf Wunsch eben dieser Kinder geht es am nächsten Morgen auf die Champs-Elyées.“Je ne parle pas francais“ heißt das bei der Jugend beliebte Pop-Liedchen von Namika, das den Anlass gibt. Fantasiefranzösisch singend flanieren sie, bis ein Sturzregen uns in den Flagship-Store einer Sport- und Modemarke schwemmt. Wäre ich nicht von alleine rein, ist aber eine Erfahrung. Die Kreditkarte bleibt in der Tasche. Anschließend Flucht auf die Insel, einen Blick auf Notre-Dame erhaschen. Weiträumig abgesperrt, nach dem verheerenden Brand. Der Pariser vermutet, das Unglück sei im Sinne Macrons gewesen, weil er an diesem Abend eine Regierungserklärung hätte abgeben müssen. Verschwörung! Wir spazieren auf den Spuren der Hirsch-Reise „Die Hauptstadt der Dichter“ durch das Literatenviertel St-Germain-des-Prés, zur Kirche St. Sulpice, berühmt durch Dan Browns Sakrileg und die Hirsch-Reise „Die Orgeln von Paris“.

Notre-Dame nach dem Brand, der Himmel in Trauer

Am dritten Tag vormittags soll es der Eiffelturm sein! Exakt eine Stunde benötigen wir von der Ankunft bis ganz nach oben – dazwischen drei Warteschlangen. Sonne und blauer Himmel! Massentourismus hin oder her: es ist eindrucksvoll und sehr sehr hoch. Zu allem Überfluss stellen die interessierten Kinder Fragen wie „Warum ist da überall so viel Rost?“. Immerhin entdecke ich endlich die Perspektive, aus der das letzte Katalogfoto der Hirsch-Städtereise Paris aufgenommen wurde. Der Nachmittag gehört Hirsch Reisen. Zwei Hotelbesichtigungen, anschließend ein Treffen mit Reiseleiterin Frau Mikcha. Auf der Suche nach einem günstigen Café passieren wir in Montparnasse legendäre Orte, wo Dali mit Hummer an der Leine spazieren ging, Hemingway soff und nackte Frauen in Cafés in Brunnen tanzten. Tempi passati. Der Brunnen ist noch da.

Da wollen wir rauf!
Der weite Blick über Paris
Auch abends ansehnlich.

Aber wir wollten in die Bretagne. Knappe drei Stunden braucht der TGV am nächsten Morgen bis Auray, von dort fährt ein Bus nach Carnac, ans Meer. Warum nur werden in Frankreich scheinbar sämtliche Nahverkehrsbusse von Frauen gelenkt? Strände und Buchten, Menhire und Dolmen, Austern und gegrillte Sardinen – hier bleiben wir. Und weil Hirsch Reisen weiß, was gut ist, folgt drei Tage später die Hirsch-Gruppe. Wir treffen sie und Reiseleiter Dr. Sexauer bei den Menhiren. Frau Mikcha hatte in Paris gesagt, einen guten Reiseleiter erkenne man daran, dass er hier nichts sagt. Wir lauschen Herrn Dr. Sexauer, und er sagt: „Wir wissen nichts.“ Probe bestanden.

„Hinkelsteine“ nannte sie Obelix
Reiseleiter Herr Dr. Sexauer weiß, warum wir nichts wissen.

Es folgt ein Ruhetag für die gesamte Gruppe im strandnahen Hotel, und wenn man sich den Hirsch-Fahrer Herrn Baumgärtner entspannt am Strand liegend anguckt, könnte man denken: alles richtig gemacht bei der Berufswahl. Tauschen möchte ich nicht mit ihm – zu groß ist der Respekt vor der Leistung und der Verantwortung der Busfahrer. Zum Abendessen besuche ich die Gruppe im Hotel. Die Stimmung scheint gut, die Gäste zufrieden. Dann bin ich es auch.

Freizeit!
Entspannung!
Sun and Beach

Leider schließt das Hotel in Carnac Ende der Saison für über ein Jahr wegen Umbau, so dass wir uns für 2020 nach Alternativen umschauen müssen. Zum Beispiel auf der Halbinsel Quiberon. Sehr schön ist der Blick auf den Atlantik und die „Belle-Ile“ unweit der Küste, aber der Fußmarsch zum fraglichen Hotel recht weit. Die Kinder fordern eine Bootsfahrt auf die Insel, aber das würde uns 90,- Euro kosten. Wir einigen uns auf eine Eiszahlung als Kompensation.

Auf der Halbinsel Quiberon
Frisch aus dem Meer in die Dose.

Der ruhige Gang des Lebens (ist das „Savoir-vivre“ oder „laissez-faire“?) und die herrliche Landschaft fordern höchste Disziplin, um ein Mindestmaß an Besichtigungen zu absolvieren. Die nahegelegenen Städte und Ortschaften (La Trinité, Auray, Vannes) sind es wert, erkundet zu werden, genau wie die kulinarischen Genüsse. Erstaunlich, was man alles mit einer „Galette“, also einem Pfannkuchen, kombinieren kann. Aus Innereien gefertigte Bretonische Wurst, zum Beispiel. Die Gattin bevorzugt frisches Baguette mit salziger Butter.

St. Cornely in Carnac
Der alte Hafen von Auray
Mittelalterliche Häuser in Vannes
Barocker Stadtgraben in Vannes
Diffuses Licht im Hafen von La Trinité
Warum denn nicht? Galette mit bretonischer Wurst. Nicht im Bild: ein Krug voll Cidre.

Die Hirsch-Reise Bretagne ist schon eine gute Woche zuhause, als auch wir unsere Rückreise antreten. Im zentralistischen Frankreich naturgemäß über Paris. Über das sehr preisgünstige Hotel hinter dem Nordbahnhof breiten wir den Mantel des Schweigens, schlendern morgens noch über den örtlichem Markt und kommen nach einer schönen Reise wohlbehalten zurück nach Karlsruhe!