Veröffentlicht am Autor , Birgit Krämer

In Bregenz badet ein Clown

Vorfreude auf Rigoletto: In wenigen Wochen beginnt die neue Festspielsaison am Bodensee – wir waren schon einmal da, und haben uns am langen Wochenende Ende Mai das sensationelle Bühnenbild für Giuseppe Verdis „Rigoletto“ angesehen. Es ist spektakulär, ganz wie es die Bregenzer Tradition verlangt …

Ein gigantischer Clownskopf, 14 Meter hoch und samt Unterkonstruktion 140 Tonnen schwer, erhebt sich aus dem Wasser des Bodensees, daneben zwei überdimensionale Hände, alles hochbeweglich. Anfang April war Richtfest, Ende April wurde der riesige, mit Helium gefüllte Ballon montiert. Ganz sicher wird er während der Vorstellung aufsteigen!

Am Kran schweben die Techniker über dem Geschehen.

Noch ist das alles nicht fertig. Wir machen es uns bei schönstem Sonnenschein im Zuschauerraum bequem und beobachten, wie auf der Seebühne gearbeitet wird. Ein großer Kran schwenkt sachte über allem, befördert Techniker durch luftige Höhe. Bühnenplattformen fahren im Wasser hin und her, Hydraulik wird getestet: Die Augen des Clowns öffnen und schließen sich, die Finger bewegen sich. Akrobaten klettern und turnen auf der Hand herum, bringen Schaukeln an den Fingern an.

Akrobaten üben an den beweglichen Hand.

„Diesmal muss es krachen!“

Eine bunte Zirkuswelt setzt Regisseur Philipp Stölzl auf dem See in Szene. In der Pressekonferenz vor einigen Tagen sagte er: „Das Energetische von Verdi soll überspringen ins Publikum. Diesmal muss es krachen.“ Daher versetzt er die ganze Bühne in Bewegung. Ich freue mich schon auf die Bühnenführung, bei der wir auf unseren Hirsch Reisen das komplexe Innenleben der Konstruktion erkunden.   

„Ein Gruselclown“, findet unser Sohn Jan, der unermüdlich verschiedene Perspektiven der 7.000 Plätze umfassenden Zuschauertribüne testet. So unrecht hat er nicht – gruselig ist ja das Schicksal des tragischen Hofnarren in der Tat. Verdis Oper hat alles, was eine große Oper braucht: eine Geschichte um Fluch und Rache und Tod. Und Liebe, natürlich, in ihren extremen Ausprägungen. Die eifersüchtige Vaterliebe Rigolettos als Gegenpol zum liebestollen Herzog von Mantua, einem nimmersatten Frauenverführer. Der wird dem armen Narren auf der Clownsnase herumtanzen! Es nützt wenig, dass Rigoletto seine Tochter Gilda einsperrt, um sie zu schützen. Auch sie wird Opfer des Herzogs, verführt und erobert. Nur ein Mord könnte diesem Treiben ein Ende machen … Doch der Lüstling kommt davon. „Oh wie so trügerisch“ – so die hitverdächtige Arie des Herzogs – sind hier nicht nur die Frauen, sondern im Grunde jeder in dieser Oper. Warum die eigentlich gar nichts mit Mantua zu tun hat und wie Verdi sich mit der Zensur herumschlagen musste, um das von Victor Hugo ersonnene Stück auf die Opernbühne zu bringen – davon wird auf unserer Reise die Rede sein … Aber etwas Verbindendes gibt es doch: Auch Mantua mit seinem berühmten Palazzo Ducale ist von allen Seiten von Wasser umgeben. Vom Mincio an den Bodensee ist’s gar nicht so weit.

Am 21. Juli komme ich mit der ersten Hirsch-Gruppe – ich freue mich schon!

Welterbe im Schweizer Hinterland: St. Gallen

Einst ein Hort des Wissens und Zentrum der Macht: Kloster St. Gallen

Wie auf den Hirsch Opernreisen fahren wir am nächsten Tag durch das Rheindelta ins Schweizer Appenzellerland nach St. Gallen. In den Altstadtgassen schmücken fantasievolle Erker die reichen Kaufmannshäuser. Reich wurde man hier durch das Textilgewerbe, den Handel mit Leinen und den berühmten Spitzen, die noch heute bei den Pariser Couturiers beliebt sind.

Im Stiftsbezirk mit der ehemaligen Klosterkirche und dem wunderbaren Bibliothekssaal dominiert barocke Herrlichkeit. Wer Lust hat, sich dieses UNESCO-Welterbe anzuschauen, sollte dies unbedingt tun und eine kleine Zeitreise in die große Epoche der Klöster im Bodenseeraum unternehmen.

Zur barocken Lust an bühnenreifer Drastik und großen Gefühlen passt die Kulisse für die hiesigen Sommerfestspiele, die gerade entsteht. Als „Memento mori“ erscheint hier der Tod persönlich und kündigt Verdis düsteren „Il Trovatore“ an. Ein Gruselclown und ein Knochenmann – wie gut, dass der herrliche Sonnenschein alle dunklen Gedanken gleich wegschmilzt …

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