Veröffentlicht am Autor , Stefan Simonis

Fuggerstadt Augsburg

 

Schwaben, Bayern oder freie Reichsstadt? Fuggerei oder Puppenkiste? Stadtführung oder Bummeln auf dem Weihnachtsmarkt? Es war ein entspanntes Adventswochenende in einer sehr schönen Stadt,  mit interessanten Führungen und freier Zeit zum Schlendern und Bummeln, fernab häuslicher Verpflichtungen.

Christkindlmarkt

Die Kurzreise beginnt neumodisch  – zur Frühstückspause im „ersten Feng Shui-Rasthaus Europas“, der Autobahnraststätte Gruibingen. Der Espresso schmeckt jedenfalls ganz normal.

Eine Vollsperrung der A8 lässt uns die Schwäbische Alb abseits der Autobahn erleben. Es sieht eisig aus, dichter Nebel, Bäume und Sträucher sind dick mit Raureif überzogen. Aus dem warmen Bus ist das gut erträglich. Bei Merklingen dürfen wir wieder auf die Autobahn, und gegen halb zwölf erreichen wir Augsburg.

Im Hotel wartet unsere Stadtführerin Frau Schiller. Während sich Fahrer Herr Pflugbeil um das Gepäck kümmert, nimmt sie uns mit auf einen Rundgang durch ihre Heimatstadt und deren Geschichte. An den Originalschauplätzen erzählt sie von Reichstagen und Martin Luther, von deutschen und römischen Kaisern, von Kaufleuten und Handwerkern, und immer wieder von Geschick und sagenhaften Reichtum der Fugger. Im Goldenen Saal des Rathauses bringt Sie Mozarts Schlaflied zu Gehör, in der Unterstadt gibt sie Bertold Brechts Gedicht zur Kindererziehung zum Besten, und in der Fuggerei beschreibt sie anschaulich den (Wohn)Alltag im 16. Jahrhundert. Ein besonderes Plus: Frau Schiller achtet sehr darauf, Ihre Vorträge an warmen, geschützten Orten zu halten.

Goldener Saal

Fuggerei

Dann locken Freizeit und Christkindlmärkte. Die Gruppe geht auseinander, einzeln flaniert man über den weihnachtlich geschmückten Rathausplatz und die anschließenden Fußgängerzonen, labt sich an Bratwurst, Schupfnudeln oder Glühwein, oder begibt sich ins nahe Hotel zu einer kleinen Siesta. Wer will, findet sich um 18 Uhr auf dem Rathausplatz zum „Engelesspiel“ ein. Zum Abschluss des Tages wartet im „Gasthaus zum Weißen Hasen“ ein bayerisch-schwäbisches 3-Gang-Menu.

Pyramide

Der nächste Tag beginnt zu angenehmer Uhrzeit – um 9.30 Uhr ist Abfahrt, so dass sich das Frühstücksbuffet im Hotel angemessen genießen lässt. Die erste Etappe ist überschaubar, es geht zur Augsburger Puppenkiste. Die Hausführerin ist zu Beginn etwas missmutig, taut aber auf, als sie die berühmten Marionetten in den Händen hält. Die Führung fasziniert, es geht von der Herstellung der Puppen (aus Lindenholz, mit Nägeln als Pupillen, ca. 1 kg schwer) über einzelne Theaterstücke bis zu den „Stars“ wie Jim Knopf und vielen Politikermarionetten, für das allabendliche Kabarett. Stückeschreiber und Puppenspieler scheinen eine beneidenswert überbordende Fantasie zu haben, und kaum ein Besucher, der nicht lächelnd die Ausstellung verlässt.

Puppenkiste2

Puppenkiste1

Auf der Autobahn geht es anschließend nach Ulm. Der Turm des Münsters hängt im Nebel. Es bleibt ausreichend Zeit für einen Besuch des Münsters und einen gemütlichen Spaziergang über den Weihnachtsmarkt und durch das alte Fischerviertel mit dem laut Guinessbuch der Rekorde „schiefsten Haus der Welt“. Von der Stadtmauer herab blickt man auf die Donau, auf der ein einsamer Ruderer durchs eisige Wasser zieht. Nach knapp 3 Stunden ist aber auch gut, alle sind überpünktlich zurück, und nur mit kleineren Staus geht es im angenehm temperierten Bus nach einem schönen Wochenende zurück nach Karlsruhe.