Vorweihnachtliches Thüringen
Die Vorfreude war groß: Vier Tage hübsche Städtchen, interessante Mitreisende, eine liebenswerte Reiseleiterin, ein schönes Hotel, morgens und abends ein gedeckter Tisch, um nichts kümmern. Meine Erwartungen wurden vollumfänglich erfüllt.
Überraschend schnell sind wir in Gotha. Gegen Mittag rollen wir vor das Hotel Am Schlosspark. Während die einen ein Mittagessen im schönen Hotelrestaurant genießen, erkunden die anderen die nahe Altstadt und die erste Thüringer Bratwurst.



Gestärkt und unternehmungslustig spazieren wir mit Reiseleiterin Ingrid Bathe zu Schloss Friedenstein. Der Schlosspark ist ein Wintermärchen. Über den Hirsch-Funk im Ohr erzählt Frau Bathe uns von Stadt und Schloss. Die Höhepunkte der Schlossbesichtigung sind das barocke Hoftheater und die prachtvollen Wohn- und Repräsentationsräume, die wir in Filzpantoffeln durchschlurfen. Den ältesten englischen Landschaftspark auf dem europäischen Festland können wir unter dem Schnee nur erahnen. Zurück im Hotel genießen wir im schön geschmückten Hotelrestaurant ein feines 3-Gang-Menu mit Saale-Unstrut-Wein.



Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen. Es folgt die erste Begegnung mit der Musikerfamilie Bach, im Bach-Stammhaus in Wechmar (nebenbei lernen wir die Fachwerkbesonderheit „Thüringer Leiter“ kennen). Annett Bückinx empfängt uns mit dem imposanten Stammbaum der Familie Bach. Sieben Generationen Musiker! Gegendert wird nicht, denn Frauen sind nicht aufgeführt. Im ersten Stock sind die liebevoll eingerichteten Wohnräume zu besichtigen.





Danach fahren wir durch verschneite Landschaft in schönstem Winterlicht, vorbei an den “Drei Gleichen”, über Land nach Erfurt. An der geschlossenen Tür der Kaufmannskirche, in der Bachs Eltern getraut wurden und Martin Luther predigte, hängt ein Zettel: Führung muss ausfallen. Martin Luther steht davor und schweigt. Also flanieren wir über den Anger zur Krämerbrücke, beidseitig mit Fachwerkhäusern bebaut. Frau Bathe führt uns ins Haus der Stiftungen. Anschließend Bratwurstpause (18 Weihnachtsmärkte soll es in Erfurt geben).


Das Nachmittagsprogramm startet mit dem Augustinerkloster. Heike Engel bringt uns mit Herzblut und fast schauspielreif die Augustiner und den jungen Luther näher. Beten, fasten, frieren – zumindest letzteres können wir in der eisigen Kirche gut nachempfinden.






Bewegung wärmt. Vorbei an Michaeliskirche, Alter Synagoge, Rathaus und Fischmarkt laufen wir zum Domplatz mit großem Weihnachtsmarkt (was sonst?). Darüber thronen gewaltig Dom und St. Severi – 70 Stufen sind es hinauf. Beide Kirchen erläutert uns Frau Bathe fachkundig. Wieder unten bleibt Zeit für einen wärmenden Kaffee, bevor unser Bus uns am Domplatz abholt und direkt ins Hotel nach Gotha bringt. Heute Abend gibt es Hirsch-Gulasch!





Nächster Tag, nächste Bach-Station: Arnstadt. Die Bachkirche ist eine Wohlfühlkirche: hell, freundlich, die Sonne scheint zu den Fenstern hinein. Frau Bathe erklärt uns die Orgel, ihren Werdegang, ihre Bedeutung im Leben Johann Sebastian Bachs. Der Ort drumherum ist auch sehr nett.






Dann: Weimar. Zur Mittagspause entscheide ich mich für eine Bratwurst. Für viele der Höhepunkt: die Anna-Amalia-Bibliothek. Ich hatte mir den berühmten Raum größer vorgestellt. Ein „Wischbrett“ (wohl thüringisch für Tablet) bietet ausführliche Video- und Audioinfomationen. Eigentlich ist es aber auch schön, die Bibliothek einfach auf sich wirken zu lassen. Es bleibt hängen, dass sich von Anfang an jeder Bücher ausleihen durfte und versäumte Rückgaben mit Namensnennung wöchentlich in der Zeitung veröffentlich wurden.



Ein geführter Stadtspaziergang schließt sich an. Goethe und Schiller schauen nicht allzu glücklich auf die sie umgebende Eisbahn und das Lametta über ihren Köpfen. Herderkirche mit Cranachs Altarbild, Theaterplatz, Schillerstraße, Frauenplan, Aufwärmpause im Café – sehr schön hier. Abends im Hotel: Maispoularde!








Schon Rückreisetag? Um den Abschied zu versüßen, hängt morgens an jeder Tür ein Schoko-Nikolaus. Einen letzten Stopp legen wir in Eisenach ein. Das Bachhaus öffnet wie bestellt eine Stunde früher. Es empfängt uns Uwe Fischer. Er präsentiert, erklärt und spielt live für uns die altertümlichen Orgeln (Merke: es gibt Orgelpositiv, aber nicht Orgelnegativ). Eine Sonderausstellung widmet sich dem Wohltemperierten Klavier, im Neubau tauchen wir in Hörinseln ein: Hightech trifft Barock. Hier könnte man Stunden zubringen.










Aber wir wollen ja auch etwas von Eisenach sehen, wenn wir schon mal hier sind. Vorbei am Lutherhaus pilgern wir zur Georgenkirche. Hier predigte Luther, musizierte Telemann, wurde Johann Sebastian Bach getauft. Hier stehen auch die Thüringer Landgrafen, in Form von Grabplatten, von „Ludwig dem Springer“ bis zu Heinrich Raspe – dank Frau Bathe für uns keine Unbekannten.



Voll mit Eindrücken und beseelt von Bachs Musik treten wir die Heimreise an. Ein großer Dank an Reiseleiterin Ingrid Bathe, Fahrer Michael Dolland, Kollegin Jana Heundorf fürs Planen und alle Mitreisenden.

Stefan Simonis hat diese Reise nicht nur gebucht, damit endlich mal ein Thüringen-Programm ohne Goethe-Zitat auf www.hirschreisen.de auftaucht. Er freut sich aber dennoch, dass er es geschafft hat.
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