Von Hanoi bis Angkor Wat: Ein Interview zur Reise durch Vietnam und Kambodscha

Unsere Rundreise durch Vietnam und Kambodscha führt uns zu einigen der eindrucksvollsten Orte Südostasiens – von der lebendigen Altstadt Hanois bis zu den sagenumwobenen Tempeln von Angkor. Wir haben mit dem Reiseleiter dieser Reise, Michael Bednarek, gesprochen – über seine Lieblingsorte, besondere Erlebnisse und all das, was diese Reise so unvergesslich macht.

Guten Tag, Herr Bednarek. Vielen Dank schon einmal, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Sie sind bereits seit vielen Jahren als Reiseleiter weltweit unterwegs. Was fasziniert Sie besonders an Vietnam und Kambodscha und was reizt Sie ganz persönlich an dieser 18‑tägigen Rundreise?

Gerne. Für mich zählen Vietnam und Kambodscha zu den interessantesten Ländern Südostasiens, denn im Vergleich zu Malaysia, Singapur oder Thailand, selbstverständlich auch tolle Reiseländer, sind beide Länder touristisch noch weniger hoch entwickelt und dadurch auch authentischer und weniger dem Besucher angepasst. 

Welche Highlights der Route – etwa Hanoi, das Mekong-Delta oder Angkor Wat – begeistern oder überraschen Sie selbst am meisten und warum?

Für mich ist Hoi An ein klares Highlight. Der traditionelle Straßenschmuck, die mäandernden Fischerboote und die fantastischen Restaurants bieten einen unvergesslichen Eindruck. Landschaftlich mag ich die Kalksteinformationen der Ninh Binh Region sehr. Aber insgesamt ist jeder Besucher immer wieder beeindruckt, welch Hochkultur einst in Vietnam und Kambodscha existierte und wie weit diese in große Teile Südostasiens ausstrahlte. 

Mit bunten Lampions geschmückte Straßen in Hoi An

Bietet diese Reise auch weniger bekannte, dafür aber umso authentischere, Orte oder Erlebnisse – etwa ein kleines Dorf, ein Aussichtspunkt oder ein einheimisches Fest – die andere, typische Reiseführer oder Reiseveranstalter oft auslassen?

Ich versuche grundsätzlich immer meinen Gästen das authentische Asien zu präsentieren. Dabei geht es zum einen natürlich um kulturelle Sehenswürdigkeiten. Auf unserer Reise begeben wir uns jedoch immer wieder auch abseits der üblichen Touristenpfade – etwa zur Tempelstadt My Son mit ihren rund 70 Tempeln. Zum anderen zählen aber auch die lokale Küche (und die ist in beiden Ländern fantastisch), Märkte und persönliche Begegnungen mit Menschen vor Ort dazu. 

Welche Rolle spielt hier der Balanceakt zwischen bekannten Sehenswürdigkeiten und weniger touristischen Geheimtipps?

Man muss immer ehrlich bleiben, überall wo es schön ist, wird man nicht alleine sein. Aber ich glaube es macht einen Unterschied, wo man Reisenden begegnet. Wer Länder wie Vietnam, Kambodscha, Laos oder auch Malaysia bereist, interessiert sich für die Menschen und deren Kultur und Lebensweise. Daher ist es hier kein wirklicher Balanceakt, denn die Authentizität ist ansteckend

Da haben Sie natürlich Recht. Können Sie uns verraten, was das Faszinierende an der alten, vietnamesischen Kaiserstadt Hué ist? Wie erleben Reisende die historische Atmosphäre der Stadt mit ihrer Vielzahl an Tempeln und Grabanlagen?

Die schiere Größe der alten Kaiserstadt ist überwältigend und zeugt von der Macht die einst von hier ausging. Die Anlage steht vergleichbaren Anlagen, wie z.B. der Verbotenen Stadt in Peking in nichts nach.

Das stimmt, Hué ist wirklich eine beeindruckende Stadt. Und was macht die weltbekannte Tempelanlange Angkor Wat in Kambodscha so eindrucksvoll?

Der historische Tempelbezirk von Angkor ist für mich eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Welt, insbesondere wenn man sich vor Augen führt, dass das Khmer Reich eine der modernsten und fortschrittlichsten Kulturen ihrer Zeit war. Wer sonst wäre in der Lage gewesen, auf einer Fläche größer als Paris, zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert und mitten im unwirtlichen Dschungel, eine solch spirituelle Architektur zu erbauen? Man spürt eine Magie, die umwerfend ist.   

Auf welche Erlebnisse oder Etappenziele dieser Reise können unsere Gäste sich Ihrer Meinung nach ganz besonders freuen?

Für mich war es eine wirklich gute Entscheidung, das ruhige, landschaftliche Paradies der Bucht von Lan Ha mit ins Programm aufzunehmen. Hier erlebt man noch das authentische Leben in Vietnam. Aber auch unser Kochkurs im Gemüsedorf Tra Que ist immer wieder toll und macht viel Spaß. Ein Rundgang durch die abendliche Altstadt von Siem Reap mit ihrer französischen Kolonialarchitektur ist auch immer wieder schön. Sie merken, es ist schwer zu sagen, welches Etappenziel das schönste ist. Die Reise ist einfach perfekt abgestimmt. 

Abendstimmung in Siem Reap

Das hören wir gerne. Was empfehlen Sie unseren Gästen darüber hinaus kulinarisch auf dieser Reise? Gibt es sowohl in Vietnam als auch in Kambodscha besonders leckere Spezialitäten, die man mal probiert haben sollte?

Natürlich kommt man an hausgemachten vietnamesischen Frühlingsrollen nicht vorbei. Sie sind super lecker und dürfen bei keinem Essen fehlen. Ich mag auch sehr gerne Morning Glory (Wasserspinat), den es in vielen verschiedenen Variationen gibt. Vietnamesische Curries sind für deutsche Besucher sehr schmackhaft, da sie wesentlich weniger scharf als z.B. in Thailand sind. Und dann ist da noch Lemon Grass Chicken mit seinen unfassbaren Aromen und natürlich die vietnamesische Nudelsuppe Pho, die schon zum Frühstück gegessen wird!

Wie würden Sie die vietnamesische und kambodschanische Mentalität und Kultur beschreiben? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es?  

Ich denke der entscheidende Unterschied war, wie bei fast allen Kulturen, der äußere Einfluss und die geografische Lage. In Vietnam ist man stark von China und dem Konfuzianismus beeinflusst, was sich in einer betonten Hierarchie, Pflichtbewusstsein und Zurückhaltung äußert. Emotionale Zurückhaltung und Selbstdisziplin gelten in Vietnam als Tugenden. Der Kambodschaner ist durch indischen Einfluss und Theravāda-Buddhismus geprägt, was sich in einer betonten Spiritualität, Bescheidenheit und der Bedeutung von „Gesicht wahren“ zeigt. Direkte Konfrontationen werden unbedingt vermieden, um soziale Harmonie zu bewahren. Die Gemeinsamkeiten sind also insgesamt eher gering. 

Was wünschen Sie sich, das Reisende aus Vietnam und Kambodscha mit nach Hause nehmen sollten – außer Fotos und Souvenirs?

Reisen bildet und erweitert den persönlichen Horizont. Neben all den wirklich schönen physischen Mitbringsel, welche man auf Nachtmärkten, auf Märkten oder in Handwerksgeschäften (sehr günstig) erstehen kann, würde ich mir wünschen, dass meine Gäste ein wenig von der Bescheidenheit der immer noch recht armen Bevölkerung, insbesondere Kambodschas “lernt”. Wir müssen bei Besuchen in ärmeren Regionen der Welt nicht wegen unseres relativen Reichtums beschämt sein. Hoffentlich erkennen wir jedoch, dass es zum glücklich sein vor allem auf die persönliche, innere Zufriedenheit ankommt, und diese finden die Menschen dort in der Spiritualität. Frei nach Fürst Pückler: “Die Armen entbehren das Notwendige oft leichter, als die Reichen das Überflüssige.”

Herzlichen Dank für das freundliche Gespräch und die spannenden Einblicke in diese besondere Reise, Herr Bednarek. Wir wünschen Ihnen weiterhin viele inspirierende Begegnungen und unvergessliche Momente auf Ihren Reisen und mit Ihren Gästen.

Und wer jetzt Lust bekommen hat, selbst die Koffer zu packen und mit uns zu einer Traumreise nach Südostasien aufzubrechen, wird hier fündig: Vietnam und Kambodscha – Reisefinder

Fotos @ Jana Heundorf

One Comment

  • Voylera

    Was für ein inspirierendes Interview! Ich schätze wirklich, wie du den authentischen Charme Vietnams und Kambodschas eingefangen hast – von den lebhaften Straßen Hanois bis zu den zeitlosen Tempeln von Angkor Wat. Dein Reiseführer, Michael Bednarek, hebt perfekt hervor, warum diese Region ein so tief berührendes Erlebnis bleibt: ihre reiche Geschichte, atemberaubende Landschaften und herzliche Gastfreundschaft.

    Besonders beeindruckt hat mich die Erwähnung von Hoi An als herausragendes Reiseziel – seine verwinkelten Flussgassen, die von Laternen erleuchteten Abende und die lokalen kulinarischen Köstlichkeiten machen es unvergesslich. Auch das Wissen um das immense Erbe der Khmer-Zivilisation in Angkor hat mir ein erneutes Gefühl der Ehrfurcht vor dem gewaltigen Tempelkomplex und den dahinterstehenden Philosophien vermittelt.

    Für zukünftige Reisende, die eine nahtlose Reise von Hanoi nach Siem Reap planen, empfehle ich eine Kombination aus Inlandsflügen und malerischen Überlandabschnitten. Solche Routen, mit Stopps an Orten wie der Halong-Bucht, Ninh Binh, Hue und dem Mekong-Delta, bieten die beste Mischung aus Bequemlichkeit und authentischem Eintauchen.