Veröffentlicht am Autor , Birgit Krämer

Silvester in Ligurien: Die Küste der Cinque Terre

Das Jahr 2017 begann für uns in Italien, genauer: an der ligurischen Riviera mit Hirsch Reisen. Niedliche Fischerdörfer, mondäne Küstenorte, das barocke Genua – und strahlende Wintersonne. Im sympathischen Familienhotel wurden wir rundum verwöhnt mit köstlichem Fisch, allerlei Meeresfrüchten und einem opulenten Silvestermenü. Und einer von uns eröffnete das Jahr mit einem unfreiwilligen Bad im Meer …

Fischerdorf Camogli (Foto: B. Krämer)

Mit dabei: eine unschlagbar nette Reisegruppe nebst Reiseleiterin, Busfahrer Wolfgang B. (mein Mann), der 9-jährige Jan (unser Sohn).

Auf grüne Ampeln ist Verlass, auf Google hingegen …

Eines vorab: Tunnels muss man mögen auf dieser Reise. Die Anfahrt durch den Jura, die Zentralschweiz und den Gotthard ist ein schlapper Auftakt zu dem, was ligurische Küstenstraßen so alles zu bieten haben. Felsig und steil ist die Küste am Golf von Genua. Das kleine Städtchen Moneglia, unser Standquartier, ist zu Lande nur durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel zu erreichen. Im einspurigen Einbahnverkehr. Der Bus kommt „dicke“ durch, so der coole Wolfgang, aber es zieht sich. Wenigstens öffnet sich hin und wieder die Felswand und ein bisschen blaues Meer  blitzt auf. Für die 20-minütigen Ampelphasen gibt es eigens einen Fahrplan. Und so richten sich unsere Abfahrten morgens nun nach der Grünen-Ampel-Zeit.

Tunnel-Zufahrt nach Moneglia (Foto: W. Behrends)

Das Familienhotel Mondial über dem Meer ist nach kurzem Fußmarsch erreicht (für das Gepäck und müde Gäste steht ein Shuttle bereit). Jan staunt über die Palmen und Kakteen, die am Wegesrand wachsen. Juhu! Es gibt einen riesigen Pool! Der Empfang ist sehr nett und das Abendessen erstmal eine Überraschung, denn da die deutschkundige Mitarbeiterin gerade Urlaub hat, ließ der Padrone GOOGLE die Speisekarte übersetzen – mit interessanten Folgen, denn statt der erwarteten „Muscheln“ kommt Kalbsbraten auf die Teller. (Die Muscheln werden am folgenden Abend nachgeliefert, auch die Calamari sind köstlich und das Frühstück – allein die selbstgebackenen Kuchen – lässt keine Wünsche offen).

Columbus-Statue in Genua (Foto: B. Krämer)

Der erste Tagesausflug führ uns nach Genua. Eine Metropole, die sich in den letzten Jahren sehr gemacht hat, seit die barocke Altstadt zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Jan passt gut auf, dass niemand verloren geht beim Gang durch die verwinkelte Altstadt, was um ein Haar passiert wäre. Tolle Palazzi! Man muss sich den Hals verdrehen, so hoch sind die herrschaftlichen Fassaden und so schmal die Gassen. Geschichten von Widerstandskämpfern für das geeinte Italien, von Columbus und Marco Polo liegen nur so „auf der Straße“. In den vielen kleinen Läden der Altstadt wird leider überwiegend chinesischer Billigkram verkauft. Das hätte sich Marco Polo wohl nicht träumen lassen!

Palazzo Reale in Genua (Foto: B. Krämer)

Hauptportal von San Lorenzo. Darauf Laurentius auf seinem Rost (Foto: B. Krämer)
Krippe mit Metzgerei in San Lorenzo (Foto: B. Krämer)
Im Palazzo San Giorgio am Hafen war (vielleicht) Marco Polo gefangen. (Foto: B. Krämer)

Im schwarz-weiß-gestreiften Dom San Lorenzo ruht Johannes der Täufer in einer prächtig verzierten Kapelle. Jan gefällt die Weihnachtskrippe besser: Gleich neben dem Stall von Bethlehem hat da ein Metzger seinen Stand aufgeschlagen und zerlegt gerade ein Schwein. Die feinen Einkaufsmeilen und Palazzi voller hochkarätiger Kunst schenken wir uns – Jan zieht es an den Alten Hafen! Der ist von Stararchitekt Renzo Piano zum 500. Jubiläum der Entdeckung Amerikas 1992 neu gestaltet worden: Das berühmte Aquarium, mehrere Museen, eine Schlittschuhbahn, Ausflugsboote und ein „echtes“ Piratenschiff ziehen Besucher an. Wir gucken uns zuerst die Stadt von oben an: Der moderne Hafenkran „Bigo“ hebt uns 40 Meter hoch hinauf. Dann treffen wir „Hirsche“ zur Hafenrundfahrt wieder. Segeljachten, Container-Terminals, riesige Fähren, Sonnenschein und frische Brise. Nur vom havarierten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia, das hier verschrottet wurde, ist keine Spur zu sehen. Anschließend entert Jan das tolle Piratenschiff – wie Jack Sparrow im „Fluch der Karibik“.

„Bello e impossibilie“: exklusives Portofino

Auf die Großstadt folgt ein Ausflug in die mondänen Badeorte der Belle Epoque. Vorher noch ein Abstecher zur stimmungsvollen romanischen Kirche oberhalb von Lavagna, einst gestiftet von der einflussreichen Genueser Familie Fieschi, die sogar mehrere Päpste stellte und deren legendäre, riesengroße Hochzeitstorte jedes Jahr im August für Hunderte Besucher nachgebacken wird. Vier Katzen, die sich heute träge auf dem winzigen Dorfplatz in der Sonne räkeln, lassen sich von uns nicht stören.

Auf der Uferpromenade von Rapallo geht es an diesem sonnig-warmen Silvestertag hoch her. 17 Grad – aber die Italienerinnen führen ihre Pelzmäntel aus. Wolfgang muss 3-mal auf und ab fahren, bis er eine Haltemöglichkeit für den Bus findet. Jan und ich schiffen uns mit der Gruppe ein – und fahren mit dem Boot ins exklusive Portofino. DAS Ziel der Schönen und Reichen, der Stars und It-People, angesagt seit Humphrey Bogart hier drehte. Berlusconi, George Clooney, Madonna, alle kommen sie in diesen trotzdem sehr urigen Fischerort in der idyllischen Bucht. Irritierend sind die Luxus-Boutiquen und Juwelierläden in den bunten alten Häusern schon. Und die Preise in den Bars und Restaurants. Jan hat Hunger. Klar. Der einzige Bäcker ist restlos ausverkauft, alle Bars überfüllt – so landen wir schließlich in einem Lokal, wo allein das „Coperto“ (Gedeck) 10 Euro kostet. Wir zwei gönnen uns einen bescheidenen Imbiss  zu einem Spitzenpreis – was soll’s. Nächstes Jahr halten wir das Geld wieder zusammen. Schließlich sind wir im angeblich exklusivsten und reichsten Ort Italiens.

Am Silvesterabend im „Mondial“ ist ein Festmahl angesagt, mit vielen, vielen Gängen und einigen übersetzungstechnischen Überraschungen. Außer der Hirsch-Grupe sind etliche Familien da. Wir schlemmen, während ein Alleinunterhalter mit italienischen Klassikern und Popsongs für Stimmung sorgt. „Volare“ und „Bello e impossibile“ können die „Hirsche“ auch ganz gut mitsingen! Bester Stimmung stoßen alle um Mitternacht miteinander an. Etwas Feuerwerk gibt es auch – und Jan wird für seine extragroßen deutschen Wunderkerzen von den kleinen italienischen Mädchen ziemlich bewundert. Buon anno!

Ein Meerbad zu Neujahr bringt Glück, oder?

Heute nehmen wir den Zug in die Cinque Terre und Wolfgang kann endlich auch mal mit. Drei der fünf winzigen Fischernester stehen im Programm. Farbenfrohe Häuschen kleben am Fels scheinbar übereinander, darüber steile Weinberge, darunter enge Hafenbuchten. Die Fischerboote müssen mangels Platz in die Gassen hochgezogen werden. Hier hat man sein Boot vorm Haus wie anderswo das Auto. In Vernazza klettert Jan über die dicken Steinbrocken der Hafenmole, wir steigen auf die Burgruine und schauen bei frühlinghaften Temperaturen aufs blaue Meer, trinken dann in einer winzigen Bar einen Espresso für 1 Euro. Auch das gibt es hier. Kaum zu glauben, dass dieser reizende Ort bei den verheerenden Unwettern in Mittelitalien 2012 von Schlammlawinen total überschwemmt und zerstört war. Bilder am Bahnhof dokumentieren das. Der berühmte Wanderwege „Via dell’Amore“ ist bis heute nicht offen. Die Zuschüsse versickern in dunklen Kanälen, so heißt es. Trotzdem muss es herrlich sein, hier zu wandern! Im letzten Ort, Riomaggiore, kommt es, wie es kommen musste: Jan rutscht beim allzu wagemutigen Klettern über die glitschigen Steine aus und steht bis über die Knie im Meer. Zum Glück ist‘ nicht kalt  – und wir müssen ohnehin zum Zug. Noch Wochen später riechen die Schuhe trotz gründlichem Ausspülen nach Meer.

Neben den Müffelschuhen hatten wir Wein aus den Cinque Terre, Olivenöl aus Moneglia und Pesto aus Genova  im Gepäck. So konnten wir die Reise daheim noch stilecht nachwirken lassen!

 

Übrigens: Hirsch hat immer wieder Reisen in die Cinque Terre

https://www.hirschreisen.de/staedte-regionen/cinque-terre/