Schottland – ein Sommertraum
Anfang Juli ist es endlich so weit und der große Jahresurlaub führt uns auf die Britischen Inseln. Wir nehmen den Zug nach London und fahren von dort mit dem Auto weiter in die schottische Hauptstadt Edinburgh. Wir erleben den Sonnenuntergang, als wir am Meer entlang fahren – ein schöner Start!

Am ersten Tag nehmen wir an einer Überblicksführung teil, die sich auf die Royal Mile und die angrenzenden Straßen konzentriert.






Nachmittags geht es raus in die New Town zu einem gemütlichen Spaziergang. Unser Guide preist Dean Village als besonderen Ort an und ja, tatsächlich, es ist ganz anders als die restliche Stadt.

Abends haben wir Glück – ein Musical gastiert gerade in der Stadt und es gefällt uns sehr gut.
Am Samstag befinden wir uns auf den Spuren der Royals und beginnen beim Castle. Besonders die St. Margaret’s-Kapelle, das älteste Gebäude der Stadt, ist faszinierend.

Aber auch der Ausblick auf die Stadt ist lohnend. Und wir haben heute Vormittag wirklich Glück mit dem Wetter.

Wir spazieren die Royal Mile hinunter – mit Stopps für Mittagspause und kleinere Einkäufe – und gelangen zum Holyrood Palace. Ein Audioguide manövriert uns durch das Schloss und wir sehen auch die Räume, in denen Maria Stuart gelebt und ihr Privatsekretär David Rizzio erstochen worden sein soll.


Die Ruine der Holyrood Abbey ist beeindruckend und man kann sich kaum vorstellen, wie groß und bunt ausgestattet sie ursprünglich gewesen sein muss.

Weil wir nachmittags noch etwas Luft haben und der kommende Tag sehr eng getaktet ist, fahren wir zum Firth of Forth, um uns die imposanten Brücken anzuschauen.

Zurück im Stadtzentrum genießen wir den nahenden Sonnenuntergang auf dem Calton Hill. Einziger Wehrmutstropfen: es gibt keine öffentliche Toilette und man muss ins nächste Shopping-Zentrum laufen.


Abends machen wir noch einen Abstecher nach Leith, stellen aber fest, das man die MS Brittania sehr gut vor neugierigen Blicken versteckt hat (der Eintritt hätte gut 20 Pfund gekostet, das war uns doch zu viel). So kehren wir nur in einen Pub ein und lassen den Abend ausklingen.

Nun geht weiter ins Land hinein, unser erster Stopp ist Blackness Castle. Die Festung stammt aus dem 15. Jahrhundert und hat eine strategisch wichtige Lage direkt an der Förde.


Danach besuchen wir das Schloss Linlithgow, in dem Maria Stuart das Licht der Welt erblickte. Wir sind extrem beeindruckt von dem Gebäude – da müssen die Baustellenmitarbeiter im Mittelalter eine sehr gute Arbeit gemacht haben.





Weiter geht es nach Stirling, wo wir uns ebenfalls das Castle anschauen. Auch wenn es imposant auf dem Felsen thront und für seine Zeit bedeutend war, ist es durch die moderne Rekonstruktion leider nicht so schön wie die Ruinen. Immerhin gibt es einige spannende Ausstellungen!




Durch die Highlands fahren wir nach Inverness und beziehen unser Nachtquartier.

Wir gehen chronologisch vor und besuchen zuerst das Schlachtfeld von Culloden, auf dem die letzte Schlacht zwischen Jakobiten und Regierung stattfand. Hier begegnet uns Bonnie Prince Charlie, von dem wir schon in Edinburgh gehört hatten, wieder und wir erfahren von den verheerenden Folgen für die hiesige Bevölkerung, die mit dem Ende des Aufstands einhergingen.

Weiter geht es zur noch aktiven Kaserne “Fort George”, die als Folge der Schlacht gebaut wurde die Regierung wollte einen militärischen Stützpunkt im Norden haben. Es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre und wir haben das Glück, mehrere Delfine im Wasser zu entdecken.




Danach unternehmen wir einen kurzen Spaziergang durch Inverness, aber uns hält nichts in der Stadt. Wir werden abends aber wieder kommen, es gastiert gerade ein Zirkus hier (ohne Tiere).

Lieber verbringen wir noch etwas Zeit am Loch Ness und treffen sogar den selbsternannten “Nessie Hunter”, der seit den 90er Jahren gewissermaßen hauptberuflich nach Nessie Ausschau hält.



Wir unternehmen eine kleine Panoramafahrt am Ufer entlang und statten dann der Ruine von Urquhart Castle einen Besuch ab. Es gibt einen hilfreichen Film zur Geschichte der Burg, der ihre wechselhafte Geschichte darstellt.

Wir fahren weiter in den Norden und besuchen Dunrobin Castle, dem Sitz der Earls of Sutherland. Sowohl die Räume, die Fassade als auch der Garten begeistern uns. Wir schauen uns auch die Falkenschau an, das ist aber natürlich Geschmackssache.



Wir fahren weiter in den Norden; die Straße nach Wick ist landschaftlich sehr schön, man sieht fast fortwährend das Wasser. Wir schauen uns die Ruine von Sinclare Girnigoe an.

Weiter geht es nach Thurso. Dort unternehmen wir noch einen kurzen Rundgang, ehe wir für die Fähre nach Stromness einchecken. Die Orkney-Inseln begrüßen uns mit grauem Himmel.
Zumindest der nächste Vormittag ist dann aber erfreulicherweise wieder trocken. Wir lassen es uns nicht entgehen, den Ort mit den meisten skandinavischen Runen zu besuchen: Maes Howe.

Wer sich für die Runen interessiert, kann aber vermutlich auch einfach das entsprechende Buch kaufen, denn bei der Führung reicht die Zeit nicht für alles. Nur so viel: es steht wohl ziemlicher Quatsch an den Wänden. Die Wikinger haben nämlich dort nur während eines Sturms ausgeharrt, der Bau selbst ist bedeutend älter und bis heute ist unklar, wofür Maes Howe ursprünglich gedacht war.
Über die Standing Stones von Stenness und Ring von Brodgar kommen wir in Skara Brae an.




Der Nachmittag ist wieder ziemlich düster und verregnet, aber wir haben keine Wahl. Wenn wir die Papageitaucher sehen wollen, müssen wir bei Ebbe den Weg zum Brough of Birsay auf uns nehmen. Wir sind komplett durchnässt, aber auch erfolgreich!



Außerdem gibt es dort auch noch eine ehemalige Siedlung der Picts zu sehen.

Nun müssen wir aber erst einmal unsere Klamotten trocknen und schaffen es danach gerade noch so in die St. Magnus Kathedrale in Kirkwall. Wir sind begeistert vom Flair. Es ist übrigens auch die älteste Kirche in ganz Schottland.

Leider schaffen wir es nun nicht mehr in die Italian Chapel. Wir fahren aber trotzdem hin und lesen die Infotafeln. Im Hirsch-Programm gibt es auch die Innenbesichtigung.

Am nächsten Morgen nehmen wir die Fähre zurück nach Scrabster und fahren weiter nach Ullapool, um die nächste Fähre zu besteigen. Unser Ziel: die äußeren Hebriden.
Wir kommen spätabends in Stornoway an und haben bis dahin schon mehrere Delfine vom Observation Deck aus beobachten können.
Der erste Tag ist Lewis gewidmet. Wir beginnen mit dem lokalen Museum, um die Region etwas besser zu verstehen. Es ist im Erdgeschoss des Castles untergebracht und hilft uns, die Mentalität der Einwohner zu verstehen.

Danach beginnt die Rundfahrt. Erster Stopp: die Standing Stones von Calanais – wahrlich faszinierend.

Danach schauen wir uns den Broch von Don Carloway an. Man kann auch in das Gebäude hinein – ich stoße mir aus Versehen den Kopf an und bekomme schon Angst, dass ich gerade ein jahrtausendaltes Gemäuer ruiniert habe. Aber nichts passiert; vermutlich bin ich nicht die erste und nicht die letzte, der das passiert.


Weiter geht es zur Blackhouse-Siedlung “Na Gearrannan”, die idyllisch am Meer liegt. Das Museumshaus erinnert an die Beginne des 20. Jahrhunderts.

Einen Zeitsprung zurück macht das Arnol Blackhouse, in dem man kaum atmen kann. Das Feuer mit Torf in der Mitte des Raumes nimmt einem die Luft.

Die Luftqualität am Zipfel der Insel ist dafür umso besser, als wir einen Spaziergang rund um den Leuchtturm am “Butt of Lewis” unternehmen.



Ein Strandspaziergang in Tolsta beschließt den Tag. Wir sind fast alleine, der Strand ist nahezu unberührt. Es ist einfach herrlich.


Den Sonnenuntergang beobachten wir wieder woanders am Meer…

Der nächste Morgen bricht an – es ist unser sechster Hochzeitstag – und das Wetter ist uns wohlgesonnen. Wir fahren nach Harris und weiter auf die kleine Insel Scalpay, um einen romantischen Spaziergang zum dortigen Leuchtturm zu unternehmen. Ein älteres Ehepaar kümmert sich in den Sommermonaten um ihn und betreibt auch ein kleines Café. Auf einer Tafel kann man notieren, welche Tiere man gesichtet hat.




Wir sind alleine dort, aber auf dem Rückweg kommen uns dann doch schon einige Wanderer entgegen. Bei uns steht nun eine Panoramafahrt entlang der unzähligen Seen auf dem Programm. Eine der Straßen heißt Golden Road – angeblich aber nur, weil sie so teuer war. Doch uns gefällt es.




Ziel der Fahrt ist die St. Clement’s Church, die aus dem Mittelalter stammt und sich gut erhalten hat.


Über Scarista und Seilebost treten wir den Heimweg an und können uns an der schönen Küste kaum sattsehen.



Abends unternehmen wir noch einen Abstecher zu einer Felsformation bei Mangersta. Wir hatten den Tipp im Internet entdeckt, sind aber tatsächlich alleine – was sicherlich auch an der kaum vorhanden Beschilderung liegt.


Am nächsten Morgen geht es früh zur Fähre und zurück ans Festland nach Ullapool. Unterwegs sehen wir wieder zahlreiche Delfine – es ist einfach schön.

Nur wenige Kilometer sind es nun zur Corrieshalloch-Schlucht. Die viktorianische Brücke ist ein Hingucker. Allerdings finden wir es deutlich beeindruckender, dass der National Trust dort einen Regenwald mit heimischen Pflanzen aufbaut.

Eigentlich sollte das Eilean Donan Castle unser Tages-Highlight sein – von außen ist es auch atemberaubend – aber wir machen den Fehler und gehen zudem noch hinein. Das Innere erinnert eher an ein Familienmuseum und ernüchtert uns. Hätten wir uns mal an das Hirsch-Programm gehalten, das lediglich einen Fotostopp vorsieht…


Mit der nun gewonnenen Zeit wissen wir umzugehen und begeben uns auf die Insel Skye. Dort gibt es die sogenannten “Fairy Pools”, mehrere kleine Wasserfälle und Teiche, die laut Auskunft im Internet sehr idyllisch sein sollen. Nun ja, es ist Sommer (= Hauptsaison) und bestes Wetter, die Menschen tummeln sich, leider auch in den Teichen. Wir bemühen uns darum, sie auszublenden und je später der Abend wird, desto angenehmer wird es.




Unsere Unterkunft für die nächsten Tage liegt in der Nähe von Portree, Hauptort der Insel. Diesen erkunden wir am nächsten Tag. Vielleicht liegt es am Wetter, vielleicht sind unsere Ansprüche zu hoch – jedenfalls springt der Funke nicht über. Wir flüchten in die Natur wie zahlreiche andere Touristen ebenfalls.


Der Bride’s Veil Wasserfall liegt direkt an der Straße und ist entsprechend gut besucht. Dem Boden sieht man hier – so wie auch gestern schon bei den Teichen – die Überbeanspruchung an.

Der nächste Stopp ist sportlich – eine kurze Wanderung zu den Old Mann of Storr, einer sehr bekannten Felsformation. Trotz Nieselregen ist der sehr große Parkplatz ziemlich voll.

Weiter geht es zum Lealt-Wasserfall, den wir nur durch Zufall entdecken und an dem wir uns erfreuen. Es ist wenig los und es gibt eine Panorama-Plattform, die einen guten Blick ermöglicht.

Der Kilt Rock Wasserfall ist dann wieder gut besucht, wenn auch der Blick auf’s herabstürzende Wasser herausfordernder ist.

Wieder etwas ruhiger gelegen und nicht für große Gruppen geeignet ist der Rha-Wasserfall in der Nähe von Uig. Wir genießen die Stille hier.

Am nächsten Tag kommt die Sonne wieder raus und das ist auch gut so. Denn wir unternehmen zuerst ein Bootsfahrt von Elgol aus zum Loch Coruisk. Unterwegs sehen wir Robbenbänke und Delfine.





Da wir die ganze Insel erkunden wollen, fahren wir danach nach Armadale, besuchen die dortige künstlich erzeugte Ruine und das Inselmuseum. Letzteres gefällt uns sehr gut, wenngleich wir zu wenig Zeit für die Menge an Informationen haben. Denn inzwischen ist es schon später Nachmittag.

Ein Ort fehlt uns nun noch auf unserer Liste und dafür fahren wir wieder hoch in den Nordwesten. Bevor wir an unser Ziel gelangen, machen wir noch einen kurzen Stopp beim Sligachan-Wasserfall.

Nun erreichen wir den Neist Point Leuchtturm. Vom Parkplatz sind es einige Meter, zum Teil sehr steil, bis man ihn erreicht. Für uns ist es der perfekte Tagesabschluss.




Der Folgetag führt uns zurück auf’s Festland und nach Glennfinnan. Ich habe vorher den Fahrplan des Jacobite Steam Trains studiert und so finden wir uns rechtzeitig dort ein, um noch einen der begehrten PKW-Parkplätze zu ergattern (Busse haben separate Parkplätze direkt neben dem Infozentrum). So bleibt uns noch Zeit, gemütlich um das Viadukt aus Beton herumzuspazieren, ehe wir den Dampfzug darüber fahren sehen.

Unsere Mittagspause legen wir etwas außerhalb von Fort William in einem Café ein, das an den Werksverkauf einer Seifenmanufaktur angeschlossen ist.
Nachmittags fahren wir am Loch Lomond entlang – das passende Lied (in der Interpretation von Runrig) läuft dazu im Auto.


Unser Abendessen besteht aus einer Pizza; das allein ist nicht spektakulär. Was es aber zu etwas Besonderem macht: der Ort. Wir sitzen auf einer Parkbank mit Blick auf die Festung von Dumbarton, die ihre Blütezeit im Mittelalter hatte.

Danach spazieren wir noch eine kurze Zeit am Flussufer entlang, können die erhofften Otter allerdings nicht entdecken. Daher beginnt nun die letzte Etappe nach Glasgow.
Wir wohnen bei einem älteren Ehepaar in einer viktorianischen Villa in einem der Vororte und fahren mit dem Zug in die Stadtmitte. Dort unternehmen wir einen Stadtrundgang. Wir erfahren dabei auch von der dunklen Seite des Reichtums der Glasgower Kaufleute: dem Sklavenhandel.


Anschließend besichtigen wir die Kathedrale – sie mag ob des hier bestatteten Heiligen Mungo bedeutend sein, aber uns haben viele andere Kirchen während unserer Reise deutlich besser gefallen.

Daher bleiben wir nicht lange dort und nehmen stattdessen noch an einer Führung durch das Rathaus teil. Diese wiederum hinterlässt Eindruck. Nun wissen wir unter anderem, dass das Glasgower Rathaus das Double für den Vatikan ist, wenn Filme gedreht werden. Warum? Die Menge an Marmor.




Danach fahren wir etwas hinaus, weil ich gerne noch den Jesus von Salvador Dalí im Kelvingrove-Museum anschauen möchte. Auch die Ausstellung zur schottischen Identität in der Kunst und die Sammlung der Glasgow Boys faszinieren uns.

Von dort unternehmen wir einen Spaziergang an der Universität vorbei zum Botanischen Garten. Leider regnet es inzwischen und wir flüchten uns in die Gewächshäuser.





Unser letztes Abendessen auf schottischem Boden nehmen wir in einem Pub neben der U-Bahn-Station ein. Von dort fahren wir zurück zum schönen Hauptbahnhof und mit der Regionalbahn zur Unterkunft.
Da wir unseren Mietwagen wieder nach London bringen müssen, verlassen wir am nächsten Tag Schottland und kehren nach England zurück.
Wir haben die Reise sehr genossen und können Schottland jedem weiterempfehlen.
Auch wenn die Hirsch-Reisen verschiedene Schwerpunkte haben, so ist doch jede ein Mitkommen wert. Denn tatsächlich wird eine einzige Reise der Vielfalt des Landes kaum gerecht (wie wir nun gemerkt haben) – und das ETA ist immerhin zwei Jahre gültig!

Julia Rößler fühlt sich nicht nur im Glasgower Rathaus wohl, sondern fand Schottland insgesamt wunderschön. Wenn sie nicht gerade neue Orte – am liebsten mit ganz viel Wasser – erkundet, arbeitet sie in der Reiseveranstaltung mit Schwerpunkt Deutschland.