Romanik und Renaissance in Oberitalien

Mantua Stadtplatz

Mantua, Piazza Sordello

Die meisten Reisenden lassen sie links liegen, um Richtung Riviera oder Toskana vorbeizubrausen: die Städte der Po-Ebene. Dabei hat der wohlhabende italienische Norden viel zu bieten – und das angenehm untouristisch!

Schon früh entwickelte sich in Lombardei und Emilia Romagna eine städtische Kultur. Die freien Kommunen des Mittelalters errichteten stolze Rathäuser; Geschlechtertürme, Palazzi und arkadengesäumte Plätze mit bunten Märkten verströmen italienisches Flair. Die Heimat von Don Camillo und Peppone, von Parma-Schinken und Balsamico-Essig ist zugleich eine musikalische Gegend: In Cremona lauschen Sie dem wunderbaren Klang der Geigen Stradivaris und folgen den Spuren Giuseppe Verdis durch die Emilia. Schwerpunkt der Reise aber sind die Juwelen der Architektur.

Selten sind Künstlernamen aus dem 12. Jahrhundert überliefert. Eine Ausnahme ist Parma: Das Ensemble von Dom und Baptisterium trägt die Handschrift Benedetto Antelamis, des großen Erneuerers der romanischen Steinmetzkunst. In Modena schuf Meister Willigelmus die Skulpturen des Doms. Wunderbare Steinmetzarbeiten schmücken auch die marmorverkleidete Fassade mit dem typischen Eingangsbaldachin, dessen Säulen von Löwen getragen werden. Überrascht bemerkt der Besucher, dass sich der stolze Campanile dahinter etwas neigt! A propos Campanile: Cremona rühmt sich, mit seinem „Torrazzo“ den höchsten Glockenturm ganz Italiens zu besitzen! Zu den schönsten romanischen Kirchen ganz Oberitaliens zählt San Michele in der alten Langobardenresidenz Pavia: Hier ließ sich Barbarossa zum König von Italien krönen.

Eingebettet in die Seenlandschaft des Mincio liegt die Renaissancestadt Mantua, die ihr einzigartiges Stadtbild bis heute bewahrt hat. Vier Jahrhunderte lang herrschten hier die Gonzaga. Im riesigen Palazzo Ducale zeugen Fresken, Tapisserien und Statuen von der einstigen Pracht, obwohl die legendäre Sammlung der Isabella d’Este von ihren Nachkommen zu Geld gemacht wurde. In Andrea Mantegnas berühmter „Camera degli Sposi” begegnen Sie dem Markgraf Ludovico und seiner Familie höchstpersönlich, nebst Höflingen, Pferden und Hunden. Die illusionistische Raumwirkung der Fresken ist verblüffend! Im Palazzo del Te, den Giulio Romano für den Herzog als Sommerresidenz errichtete, wurden die berühmten manieristischen Fresken frisch restauriert. Sie erzählen von der tragischen Liebe Amors und Psyches und vom Sturz der Giganten.