Reiseveranstalter im Jahr 2021 – ein Einblick von Mathias Hirsch


Was können wir vom Reisejahr 2021 erwarten? Gehe ich als Kunde ein finanzielles Risiko ein, wenn ich jetzt schon eine Reise buche? Vor welchen Herausforderungen steht ein Reiseveranstalter in Zeiten der Pandemie und wie wird die neue Saison vorbereitet? Dr. Birgit Krämer, die verantwortliche Redakteurin des Magazins „reisezeit“ sprach mit Mathias Hirsch, seit 42 Jahren Mitinhaber und Geschäftsführer von Hirsch Reisen.

DR. KRÄMER: Das Reisebuch 2021 ist am 11. Dezember erschienen, 1½ Monate später als sonst, aber mit dem gewohnten Umfang. Was bedeutet es, in Zeiten der Corona-Pandemie ein so umfangreiches Reiseangebot zu erarbeiten?

Mathias Hirsch: Noch nie war unsere Planung so abhängig von aktuellen Entwicklungen! Diese wollten wir möglichst lange abwarten. Wir haben mit unseren Partnern vor Ort so intensive Gespräche wie noch nie geführt und Verträge abgeschlossen, die die Pandemie-Situation und den Infektionsschutz berücksichtigen. Auch haben wir viel mit unseren Kunden gesprochen.

Was kam denn dabei heraus?

Mathias Hirsch: Die Menschen wollen reisen, viele warten geradezu sehnsüchtig darauf, dass es wieder losgeht. Gleichzeitig haben sie Bedenken, dass Reisen auch Gefahr bedeutet; unsere Politiker werden ja nicht müde, dies tagtäglich zu wiederholen. Seit 2. November gilt ein Busreiseverbot auf Anordnung der Landesregierung Baden-Württemberg.

Und was bedeutet das für Sie?

Mathias Hirsch: Wir mussten sämtliche Reisen an Advent, über Weihnachten und Silvester absagen. Das ist in normalen Jahren Hochsaison bei uns. Und die Enttäuschung unserer Gäste war riesig. Gerade Alleinlebende ohne Familienanschluss suchen über Weihnachten für ein paar Tage Gesellschaft. Normal haben wir bei einer solchen Reise drei Doppelzimmer und 22 Einzelzimmer gebucht! Unser Halbjahreskatalog mit insgesamt über 80 Reisen war „für die Katz“.

Werden Sie für diese Verluste irgendwie entschädigt?

Mathias Hirsch: Ja, aber wir wissen nicht in welcher Höhe.

Was erfuhren Sie in den Gesprächen mit Ihren Kunden denn sonst noch?

Mathias Hirsch: Wir fragten nach den Ländern und Regionen, wohin ihre Reisen im kommenden Jahr führen sollten. Da stand an erster Stelle, wen wunderts, Deutschland. Und danach kamen die Nachbarländer. Fernreisen waren kaum gefragt. Verkehrsmittel sollte der Bus sein, das Flugzeug weniger.

Hatten diese Aussagen denn Auswirkungen auf Ihr Reiseangebot 2021?

Mathias Hirsch: Absolut! Reisen innerhalb Deutschlands haben wir mehr als verdoppelt. Unter 55 verschiedenen Zielen können unsere Gäste wählen, hinzu kommen Tagesfahrten, die wir laufend aktualisieren. Ein Blick auf hirschreisen.de lohnt immer.

Die Infektionszahlen sind zurzeit hoch, viele Gäste sind unsicher, wie es weitergeht und zögern deshalb mit der Buchung einer Reise. Wie sehen Sie die Zukunft?

Mathias Hirsch: Die Impfungen haben begonnen. Ich rechne mit ersten Reisen ab Ende März, vermehrt im April und ab Mai mit einem normalen Verlauf. Hinzu kommt, dass das Virus sich bei wärmeren Temperaturen ja nicht mehr so wohlfühlt. Das haben die Monate Mai – September ja deutlich gezeigt.

Werden Sie sich impfen lassen, Herr Hirsch?

Mathias Hirsch: Sofort, wenn ich an der Reihe bin. Ich glaube übrigens, die Zahl der Menschen, die sich impfen lassen, wird deutlich höher sein, als nach den Umfragen vorhergesagt. Ich setze da auf den Herdentrieb. Und die Menschen wollen endlich wieder das Leben führen, welches sie gewohnt waren.

Gibt es bei Hirsch Reisen ein Hygienekonzept?

Mathias Hirsch: Natürlich, und zwar ein erprobtes Hygienekonzept! Über 1000 Gäste konnten wir von Juni – Oktober befördern. Wir hatten auf unseren Reisen keine einzige Infektion. Und die Noten, die uns unsere Gäste gaben, stiegen nochmals. Von einer schon guten Note 1,5 stieg sie bei den Reisen von Ende Juni bis Ende Oktober auf 1,3 – im Durchschnitt! Ein Ergebnis, auf welches unsere Mitarbeiter und die unserer Vertragspartner in den Hotels, die sich sehr bemüht haben, stolz sind und der Beweis, dass wir vieles richtig gemacht haben www.hirschreisen.de/informationen/corona-virus/ .

Viele zögern mit der Buchung auch, weil sie denken: Da muss ich eine Anzahlung leisten, was ist mit der, wenn die Reise ausfällt? Viele Reiseveranstalter und Fluggesellschaften haben bei abgesagten Reisen im Frühjahr die Rückzahlung verzögert oder den Gästen Gutscheine aufgedrängt.

Mathias Hirsch: Wir haben ALLE Gelder innerhalb der gesetzlichen Frist von 14 Tagen nach der Absage zurückgezahlt, Gästen alternativ einen Gutschein angeboten; viele ließen das Geld auch einfach auf ihrem Kundenkonto stehen, weil sie wussten, die nächste Hirsch Reise kommt bestimmt.

Reiseveranstalter benötigen eine Absicherung gegen ihre eigene Insolvenz, sonst dürfen sie keine Anzahlungen entgegennehmen. Können Sie uns das bitte genauer erklären?

Mathias Hirsch: Gäste, die eine Pauschalreise buchen, sind wirklich optimal abgesichert. Nicht nur, dass der Reiseveranstalter die versprochenen Leistungen einhalten und sich rund um die Uhr um seine Gäste kümmern muss, insbesondere, wenn sie in Not geraten, auch die Zahlungen sind sicher. Die Bonität jedes Reiseveranstalters wird geprüft, nur bonitätsstarke Unternehmen erhalten einen Vertrag. Hirsch Reisen hat den sogenannten Sicherungsschein für Reisen bis 31.12.2022 erhalten

Angenommen, es steht Spitz auf Knopf, ob eine Reise wegen der Pandemie stattfinden kann. Nach welchen Kriterien entscheidet Hirsch?

Mathias Hirsch: Zuerst muss das Programm durchführbar sein, die Sehenswürdigkeiten geöffnet, die Infrastruktur, Hotels, Restaurants in Betrieb und deren Hygienekonzepte von uns geprüft. Da verlassen wir uns nicht nur auf Veröffentlichungen, wir erfragen das auch direkt bei unseren Partnern vor Ort. Es darf keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts vorliegen. Auch wenn unsere Außen- und Gesundheitsminister sagen, eine Reisewarnung sei kein Reiseverbot – bei Reisewarnung fahren wir nicht. Über allem „schwebt“ auch unsere individuelle Verantwortung gegenüber unseren Gästen und Mitarbeitern: Wir bringen niemanden in Gefahr. Und nochmal: sollten wir eine Reise absagen müssen, erstatten wir allen gebuchten Kunden die Anzahlungen fristgerecht zurück.

Eine andere Frage: Wie geht es denn Ihren Mitarbeitern. Muss denen nicht bei dem Wenigen, was zu tun ist, die Decke auf den Kopf fallen?

Mathias Hirsch: Zuerst möchte ich betonen, dass unsere Arbeitsplätze alle sicher sind. Wir haben keinen einzigen Mitarbeiter entlassen. Im Gegenteil: Wir haben unsere Ausbildungsplätze sogar verdoppelt. Qualifizierte Mitarbeiter werden nach Ende der Krise noch wichtiger sein! Alle, die mobil arbeiten wollen, können dies tun. Alle sind in Kurzarbeit und die meisten erreichen durch Aufnahme einer Zweittätigkeit fast ihr altes Nettogehalt. Viele bilden sich in ihrer vielen Freizeit, die sie jetzt haben, weiter, eine Mitarbeiterin hat sogar ein Fernstudium aufgenommen. Die Reisebusfahrer arbeiten im Lebensmitteleinzelhandel, bei Speditionen und in der Landwirtschaft. Manche haben ganz neue Talente bei sich entdeckt. Unseren Reiseleitern, die als Freiberufler besonders in der Krise leiden, haben wir den üblichen Bonus gezahlt, auch wenn alle Reisen ausfielen. Aber klar ist: Alle warten sehnsüchtig darauf, dass es wieder losgeht.

Haben Sie denn noch weitere Neuigkeiten zu berichten?

Mathias Hirsch: Ja, wir sind dabei, unsere Website grundlegend zu erneuern. Noch übersichtlicher, noch informativer, reich bebildert und technisch auf dem neuesten Stand. Auch beim Thema Nachhaltigkeit waren wir aktiv. Für uns hatte das schon immer einen hohen Stellenwert. Ab sofort wird es auch nach außen sichtbarer. CO2-Kompensation unserer Reisen, klimaneutraler Postversand, umweltfreundliches Papier für unsere Kataloge und Strom aus erneuerbarer Energie in unseren Geschäftsräumen sind nur einige Beispiele. Außerdem digitalisieren wir fortlaufend unsere internen Prozesse und sind auf dem Weg zum papierlosen Büro.


Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für 2021!