Veröffentlicht am Autor , Janine Steinhorst

So schmeckt das Trentino

„Genuss – das ist es, was in allem gesucht wird!“ (Seneca) – So lautet auch unser Motto für die kommenden sechs Tage im Trentino. Ich bin schon sehr gespannt auf meine allererste Reise mit Hirsch! Auch die Region des Gardasees ist für mich noch Neuland. An einem nebligen Mittwochmorgen starten wir mit acht Personen in Karlsruhe, ein Gast sollte noch im Hotel zu uns stoßen – damit ist unsere Reisegruppe auch schon komplett. Am späten Nachmittag erreichen wir unser Hotel Leon D’Oro, das zentral in Rovereto liegt. Bis zum Abendessen bleibt etwas Zeit für einen ersten Erkundungsspaziergang, dann empfängt uns das hoteleigene Restaurant „Novecento“ mit einem wunderbaren Vier-Gang-Menü. In geselliger Runde und mit gutem Wein lassen wir den Anreisetag ausklingen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück begrüßt uns unsere Reiseleiterin Paula Fonsatti. Unser erstes Ziel des heutigen Tages ist Lazise, ein kleiner Ort am südlichen Teil des Gardasees. Entlang der alten Stadtmauer und durch die fast ausgestorbenen, malerischen Gassen erreichen wir schließlich das Ufer des größten Sees Italiens, den ich zum ersten Mal in meinem Leben sehen soll (Ja, man mag es kaum glauben, aber als Nordlicht ging es für mich immer mit dem Wohnwagen nach Dänemark…). Trotz der dicken Wolkendecke ein toller Anblick!

Stadtmauer von Lazise
Marktplatz in Lazise – kein Mensch weit und breit zu sehen

Danach bleibt noch etwas Zeit für einen kurzen Café-Besuch. Paula empfiehlt mir einen sogenannten „Affogato al caffè“ (zu Deutsch: im Kaffee ertrunken) – ein doppelter Espresso mit einer Kugel Vanilleeis. Eine sehr gute Wahl! Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir Borghetto, ein Stadtteil von Valeggio sul Mincio, das idyllisch am Fluss Mincio liegt und zu den „borghi più belli d’Italia“ gehört. Auch hier sind kaum noch Touristen unterwegs, sodass wir die Ruhe in den mittelalterlichen Gassen genießen können.

Visconti-Brücke in Borghetto

Anschließend erwartet uns das kulinarische Highlight des Tages: Im Hotel Eden in Valeggio sul Mincio sind wir zu einem Tortellini-Essen eingeladen. Die sogenannten „nodi d’amore“ (Liebesknoten) sind eine echte Spezialität der Region. Jedes Jahr im Juni verwandelt sich der Ort während des Tortellinifestes in ein riesiges Freiluftrestaurant und die Besucher können verschiedene Variationen der Pasta-Spezialität von zahlreichen Herstellern verkosten. Auch wir kommen in den Genuss fünf verschiedener Sorten, von der klassischen Fleischfüllung bis hin zu einer außergewöhnlichen Kürbis-Amarettini-Füllung. Mein persönlicher Favorit: Zucchini mit Stracchino (ital. Weichkäse).

Lecker!

Nachdem wir gut gesättigt sind, machen wir uns entlang der östlichen Seite des Gardasees auf den Rückweg nach Rovereto.

Länderkunde
Der Gardasee wird von den Italienern auch „Lago dei Tedeschi“ („See der Deutschen“) genannt, da diese ihn reich und berühmt gemacht haben.

Durch die vielen engen Tunnel (Wehe, es kommt uns ein anderer Bus entgegen!) erreichen wir unseren Zwischenstopp Limone. Kaum aus dem Bus gestiegen, reißt die Wolkendecke auf und der Gipfel des auf der anderen Uferseite gelegenen Monte Baldo kommt zum Vorschein. Während unseres kurzen Spazierganges am See entlang geht die Sonne langsam unter und hüllt die Bucht in ein ganz besonderes Licht. Ein würdiger Abschluss des Tages!

Monte Baldo
Hafen von Limone
Bucht von Limone in der einsetzenden Dämmerung

Am folgenden Morgen fahren wir in das weniger bekannte Cembratal, wo uns die erste Weinprobe der Reise erwartet. In der „Villa Corlione“ – ein echter Familienbetrieb, in dem sich neben den Eltern auch die drei Töchter ganz dem Wein verschrieben haben – testen wir verschiedene Sorten des edlen Tropfens, u.a. den Teroldego, ein bekannter Rotwein aus dem Trentino.

Terrasse der Villa Corniole – für uns leider etwas zu kalt

Zur Mittagszeit steht bereits die nächste Verköstigung auf dem Programm – diesmal sind traditionelle Wurstwaren an der Reihe. Frisch gestärkt spazieren wir zur Kirche San Pietro. Normalerweise geschlossen und nur für Hochzeiten buchbar, wird sie nun extra für uns geöffnet. Von außen noch recht unscheinbar, offenbart sie in ihrem Inneren wunderschön erhaltene Fresken, die das Leben Jesu nacherzählen.

Fresken in der Kirche San Pietro

In Trento, Hauptstadt des Trentino und Wohnort unserer Reiseleiterin, ist das Treiben etwas geschäftiger. Die Altstadt ist von zahlreichen Palazzi geprägt; imposant sind die „Piazza Duomo“ der Dom San Vigilio.

Palazzi an der Piazza Duomo
Dom San Vigilio in Trento

Der heutige Abend hält ein ganz besonderes Highlight für uns bereit: der Törggelen- Abend auf der Burg „Castel Nuovo di Noarna“ am Berghang gegenüber von Rovereto. Es bietet sich uns ein fantastischer Ausblick auf die hell erleuchtete Stadt. Nach einer kurzen Führung durch den Hoteldirektor und Burgbesitzer bekommen wir ein herrliches Menü serviert – u.a. mit der für das Törggelen typischen Schlachtplatte und Kastanien mit süßem Wein zum Nachtisch.

Wissenswertes:
„Törggelen“ bezeichnet einen Brauch in Südtirol, bei dem die Winzer nach getaner Arbeit die Menschen aus der Region einladen, um den neuen Wein zu verköstigen. Heutzutage in zahlreichen Gasthöfen angeboten, ist diese Tradition auch bei Touristen sehr beliebt.

Nach dem Gaumenschmaus sorgen zwei Akkordeon-Spieler aus der Region für gute Stimmung – auch das Tanzbein wird geschwungen! Ein langer und anstrengender Tag neigt sich dem Ende zu.

„Castel Nuovo di Noarna“ mit Kakibaum

Schon beim ersten Blick aus dem Fenster ist klar, dass das heute ein wunderschöner Tag wird! Bei strahlend blauem Himmel machen wir uns gemeinsam mit unserer Reiseleitung auf, um unseren Standort Rovereto zu erkunden. Zunächst fahren wir auf den Miravalle-Hügel, auf dem die größte freischwingende Glocke der Welt, die „Campana dei Caduti“ zu sehen ist. Jeden Abend läutet sie in Gedenken der Gefallenen aller Kriege. Neben ihrem imposanten Anblick können wir außerdem das umliegende Bergpanorama genießen.

„Campana dei Caduti“ mit Bergpanorama

Zu Fuß geht es weiter, vorbei an der Etsch, dem zweitlängsten Fluss Italiens, durch die Gassen der Altstadt zurück zum Hotel, wo der Bus schon auf uns wartet.

Etsch in Rovereto

Unser nächstes Ziel ist das indyllische Weingut Pisoni n der kleinen Ortschaft Pergolese. Nach einer Führung über den Hof und durch den Weinkeller dürfen wir drei verschiedene Weine probieren und ein üppiges „Bretterl“ mit Wurst und Käse genießen.

Weingut Pisoni mit Brenta-Gruppe im Hintergrund

Weiter geht es nach Arco, eine Kleinstadt nördlich des Gardasees, wo zur Überraschung aller der Weihnachtsmarkt bereits eröffnet hat. So richtige Weihnachtsstimmung will bei Sonnenschein und den für November angenehmen Temperaturen aber nicht aufkommen. Auch in Riva del Garda sind schon die ersten Anzeichen auf das bevorstehende Weihnachtsfest zu erkennen. Neben der festlichen Beleuchtung in den Gassen werden zahlreiche Häuserwände entlang der Seepromenade mit festlichen Motiven angestrahlt. In der einsetzenden Dunkelheit ein besonders schöner Anblick!

Beleuchtete Häuserfassaden in Riva del Garda
Seepromenade in Riva del Garda

Zum Abschluss des Tages fahren wir in ein traditionelles Restaurant, wo wir in den Genuss einer weiteren Spezialität des Trentino kommen: „Carne salada“, in dünne Scheiben geschnittenes Pökelfleisch, das zusammen mit Feuerbohnen serviert wird.

Geschmack des Trentino (Empfehlung von Paula Fonsatti)
Man nehme 3-4 Walnüsse pro Person, diese kleinhacken und mit etwas Olivenöl in einer Pfanne andünsten. Dünne Eierbandnudeln (Tagliolini) nach Anleitung kochen und zu den angebratenen Walnüssen geben. Mit etwas geriebenem Parmesan verfeinern. Dazu passt ein Glas Müller-Thurgau.

Der letzte Tag vor Ort steht ganz im Zeichen des Trüffels. Dazu fahren wir etwas weiter in die Provinz Mantua, das letzte Stück folgen wir dem Po, dem längsten Fluss Italiens. Im „TruMu-Museum“ in Borgofranco bekommen wir einen spannenden Einblick in die Welt des seltenen Edelpilzes. Im dem kleinen Dorf Carbonara (nicht zu verwechseln mit dem Spaghetti-Gericht) findet an diesem Sonntag das Trüffelfest statt. In einem riesigen Festzelt (fast schon Oktoberfest-Atmosphäre) treffen sich viele Einheimische zum gemeinsamen Essen  und wir mittendrin! Alle Gerichte sind mit Trüffel verfeinert, von Polenta mit Trüffelcreme bis hin zu Risotto mit geraspelten weißen und schwarzen Trüffeln. Zurück in Rovereto tauchen wir in der Brennerei Marzadro in die Welt des Grappas ein. Ein hochmodernes Gebäude, in dem pro Tag rund 7000 Liter Grappa produziert werden (übrigens auch in Deutschland erhältlich). Den letzten Abend lassen wir gemütlich an der Hotelbar ausklingen.

Am nächsten Morgen heißt es dann schweren Herzens Abschied nehmen. Der Hoteldirektor verabschiedet uns persönlich, und mit unseren mit trentinischen Spezialitäten gefüllten Koffern, machen wir uns auf den Heimweg nach Karlsruhe.

Es war eine tolle Reise mit viel leckerem Essen und Wein, wunderschönen Landschaften, fast perfektem Wetter und einer netten Reisegruppe. So werde ich meine erste Reise mit Hirsch immer in positiver Erinnerung behalten!