Marrakesch mit allen Sinnen: Ein Kurztrip in die rote Stadt

Ein paar Tage raus aus dem Alltag, Sonne tanken und in eine völlig andere Welt eintauchen – genau das war unser Plan. Also geht es für meine Schwester und mich Ende März für einen Kurztrip nach Marrakesch. Ich bin ein bisschen aufgeregt, da es das erste Mal für mich ist, für mehrere Tage von meinen zwei kleinen Kindern getrennt zu sein. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf ein paar schöne Tage mit meiner Schwester und auf alles, was uns in Marrakesch erwartet.

Von Stuttgart aus fliegen wir gen Süden und landen nach ca. 3,5 Stunden in der roten Stadt: Marrakesch. Draußen werden wir von Sonnenschein, strahlend blauem Himmel und angenehmen 24°C begrüßt. Auch unser organisierter Transfer steht schon für uns bereit. Und der ist wirklich Gold wert. Denn unser Riad liegt mitten in der Medina, der historischen Altstadt von Marrakesch. Durch die verwinkelten Gassen kommen keine Autos und somit können wir nicht direkt vor unserer Unterkunft abgesetzt werden. Stattdessen werden wir von einem Mitarbeiter persönlich empfangen und zu Fuß durch das Gassenlabyrinth zu unserem Riad begleitet.

Riads sind traditionelle marokkanische Stadthäuser, die sich nach innen öffnen. Von außen oft unscheinbar, verbergen sich hinter den Türen kleine Oasen: begrünte Innenhöfe, kunstvolle Fliesen, ruhige Rückzugsorte fernab des Trubels. Genau diese Mischung macht ihren besonderen Charme aus.

Nach einem herzlichen Empfang bekommen wir direkt wertvolle Tipps für unseren Aufenthalt und genießen dazu unseren ersten Minztee, begleitet von typisch marokkanischem Gebäck. Ein perfekter Start.

Anschließend starten wir zu einer ersten Erkundungstour. Und die beginnt direkt vor der Haustür: in den Souks der Medina.

Uns erwartet ein buntes, lebendiges Durcheinander aus Eindrücken. Enge Gassen, ein scheinbar endloses Labyrinth (ohne Navigations-App wären wir gänzlich aufgeschmissen gewesen), in dem sich ein Stand an den nächsten reiht. Überall Händler, die ihre Waren anbieten: kunstvoll verzierte Laternen, handgefertigter Schmuck, bunte Taschen und Teppiche, Lederwaren, Gewürze in allen Farben und Düften.

Und dann wären da noch die vielen Mopeds. Sie schlängeln sich hupend zwischen den Ständen entlang, durch die Menschenmengen hindurch und auch oft nur ganz knapp an uns vorbei, was uns ein klein wenig unsere gute alte deutsche Straßenverkehrsordnung vermissen lässt. Aber wenn man die Augen offenhält und einfach ein bisschen umsichtig unterwegs ist, kommt man sicher ans Ziel.

Irgendwann öffnet sich das Gassengewirr und wir stehen plötzlich auf dem berühmten Jemaa el Fna, dem Gauklerplatz und Herzen von Marrakesch.

Hier pulsiert das Leben. Garküchen und Marktstände bauen sich auf, überall wird gesungen und getrommelt. Es ist laut, bunt, lebendig – und absolut faszinierend.

Nachdem wir ausgiebig über den Platz spaziert sind, suchen wir uns eines der vielen Restaurants mit Dachterrasse rund um den Platz aus. Von oben haben wir einen wunderbaren Blick auf das bunte Treiben unter uns und lassen unseren ersten Tag bei einer traditionellen Tajine – einem langsam geschmorten Gericht aus dem charakteristischen Tontopf – Revue passieren und schmieden Pläne für die kommenden Tage. Während die Sonne langsam untergeht, verwandelt sich der Platz noch einmal: die Lichter gehen an, der Duft von gegrilltem Essen liegt in der Luft, Schlangenbeschwörer ziehen neugierige Blicke auf sich und verschiedene Straßenkünstler führen Tricks auf.

Nach dem Essen machen wir uns auf den Rückweg durch die Souks zu unserem Riad.

Unser nächster Tag beginnt… sagen wir mal: sehr authentisch. Kurz vor 6 Uhr morgens werden wir vom Ruf des Muezzins aus der nahegelegenen Moschee geweckt. Ein Klang, der in Marrakesch allgegenwärtig ist und irgendwie auch dazugehört. Wir drehen uns zwar nochmal um und gönnen uns noch etwas Ruhe, doch lange bleiben wir nicht mehr liegen. Schließlich wartet die Stadt.

Auf der Dachterrasse unseres Riads genießen wir jedoch erstmal ein herrliches Frühstück. Es gibt marokkanisches Fladenbrot mit süßen Aufstrichen, frisches Obst, Joghurt, Rühreier und dazu frisch gepressten Orangensaft. Natürlich darf auch der obligatorische Minztee nicht fehlen.

Gut gestärkt machen wir uns im Anschluss auf den Weg – wieder hinein in das bunte Treiben der Souks.

Unser erster Stopp: der Bahia-Palast.

Die weitläufige Anlage aus dem 19. Jahrhundert wurde einst für einen Großwesir erbaut und zählte zu den prächtigsten Palästen seiner Zeit.

Dort angekommen sehen wir jedoch vor allem erstmal eines: Menschen und noch mehr Menschen. Der Palast ist sehr gut besucht – stellenweise fast schon überfüllt. Trotzdem lohnt sich der Besuch absolut und wir schlendern durch die Räume und Innenhöfe und bestaunen die detailreiche Architektur.

Auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit kommen wir am Place des Ferblantiers vorbei – ein kleiner, lebendiger Platz mit mehreren Restaurants. Wir suchen uns ein gemütliches Lokal aus und genießen ein entspanntes Mittagessen, während wir das Treiben um uns herum beobachten.

Danach geht es weiter zum El-Badi-Palast, welcher nur wenige Gehminuten entfernt liegt. Es ist deutlich weniger los als zuvor im Bahia-Palast und wir freuen uns über die Ruhe und die entspannte Atmosphäre.

Die Anlage stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde als ein einst prunkvoller Palast mit Gold, Marmor und aufwendigen Verzierungen vom Saadier-Sultan Ahmad al-Mansur erbaut. Heute sind vor allem die imposanten Mauern und der weitläufige Innenhof erhalten. Andere Bereiche des Palastes liegen hingegen nur noch in Ruinen. Zwischen den massiven Mauern lassen sich jedoch noch Strukturen wie ehemalige Becken und Höfe erkennen, die einst Teil eines aufwendig angelegten Wasser- und Gartensystems waren. Nachdem der Palast im 17. Jahrhundert von Sultan Moulay Ismail geplündert wurde und viele wertvolle Materialien abgetragen wurden, blieb vor allem das zurück, was wir heute sehen: eindrucksvolle Überreste, die die Geschichte dieses einst so prunkvollen Ortes erahnen lassen.

Unser nächster Stopp sind die Saadier-Gräber.

Diese stammen ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert und wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Besonders beeindruckend sind die reich verzierten Grabkammern mit Marmor, Stuck und kunstvollen Ornamenten.

Nach der ausgiebigen Besichtigung der Anlage machen wir uns langsam aber sicher auf den Weg zurück zu unserem Riad. Unterwegs kommen wir an einem schönen Park vorbei und legen spontan eine kleine Pause ein. Und weil es einfach dazugehört, gönnen wir uns anschließend noch ein Eis.

Am Abend zieht es uns erneut zum Jemaa el Fna. Auch dieses Mal sichern wir uns einen Platz in der ersten Reihe eines Rooftop-Restaurants mit direktem Blick auf den Platz und dem wuselige Treiben dort.

Doch schon bald merken wir: Heute liegt etwas in der Luft. Der Himmel zieht immer mehr zu, es wird dunkler und in der Ferne braut sich bereits eindeutig etwas zusammen.

Schon bald fängt es an zu gewittern und im Minutentakt zucken teils gewaltige Blitze über den Himmel. Kurz darauf setzt der Regen ein. Wir sitzen zunächst noch geschützt auf unserer überdachten Terrasse und beobachten das Geschehen unter uns: Menschen rennen über den Platz, suchen Schutz – und mittendrin die Trommler, die unbeirrt und beharrlich weiterspielen, obwohl es mittlerweile bereits heftig regnet.

Kurze Zeit später wird der Regen nochmal stärker und wir haben keine andere Wahl, als mitsamt unseres Essens ins Innere des Restaurants umzuziehen. Dort ist es inzwischen komplett voll, doch wir haben Glück und dürfen uns zu drei freundlichen Spanierinnen mit an den Tisch setzen.
Nach dem Essen warten wir noch eine ganze Weile ab, da es nach wie vor sintflutartig regnet. Doch irgendwann wollen wir zurück. Als der Regen kurz etwas nachlässt, nutzen wir die Gelegenheit und machen uns schnellen (jedoch nicht trockenen) Fußes auf den Heimweg. Als wir schließlich in unserem Riad ankommen, sind wir – wie zu erwarten war – natürlich klitschnass.

Am nächsten Tag starten wir wieder mit einem weiteren leckeren Frühstück auf der Sonnenterrasse unseres Riads und machen uns danach auf den Weg zur ehemaligen Koranschule Medersa Ben Youssef.

Die im 16. Jahrhundert erbaute Anlage war einst eine der größten islamischen Lehrstätten Nordafrikas und bot Platz für bis zu 900 Studenten. Rund um den prachtvollen Innenhof reihen sich zahlreiche kleine, schlicht gehaltene Studierendenzimmer. So hatten manche Studierende Glück und bewohnten immerhin ein Zimmer mit einem kleinen Fenster, andere wiederum nicht.

Wir erkunden die Anlage, bestaunen die filigranen Holzschnitzereien, kunstvollen Mosaike und Stuckverzierungen und versuchen uns vorzustellen, wie hier früher gelernt und gelebt wurde. Alles ist sehr interessant und die ehemalige Koranschule ist definitiv eines unserer Highlights.

Weiter geht es zum Jardin Secret – dem geheimen Garten und einer versteckten Oase mitten in der Medina. Von außen so unscheinbar, bemerken wir erst jetzt, dass wir in den vergangenen Tagen bereits mehrmals daran vorbeiliefen, er uns aber nie auffiel. Ups.

Der ursprünglich im 19. Jahrhundert angelegte Garten geriet lange Zeit in Vergessenheit und wurde nach aufwendiger Restaurierung, welche Anfang der 2000er Jahre begann, erst im Jahre 2016 wiedereröffnet. Er vereint traditionelle islamische Gartenkunst mit exotischen Pflanzen aus aller Welt. Symmetrisch angelegte Wege, plätschernde Wasserläufe und schattige Plätze schaffen eine ruhige und entspannende Atmosphäre (wäre da natürlich nicht die Vielzahl an Menschen, die sich durch den Garten bewegen). Dennoch: ein starker und wohltuender Kontrast zum Trubel der umliegenden Gassen der Medina und definitiv ein Ort zum Verweilen.

Danach machen wir uns auf den Weg zum berühmten Jardin Majorelle. Er liegt ein wenig außerhalb und weiter entfernt von den übrigen Sehenswürdigkeiten Marrakeschs. Unsere Tickets haben wir bereits im Vorfeld für eine feste Uhrzeit reserviert. Und so brechen wir rechtzeitig zu unserem kleinen Fußmarsch auf und haben genug Zeit, vor dem Besuch des Gartens noch eine ausgiebige Mittagspause in der Nähe einzulegen. Dieses Mal darf es zur Abwechslung mal Pizza sein – inklusive Nachtisch natürlich.

Durch die Reservierung der Tickets und der damit verbundenen Buchung bestimmter Zeitfelder ist der Einlass in den Garten gut organisiert und die Besucher verteilen sich angenehm in der weitläufigen Anlage, die dadurch nie zu voll wirkt.

Der Garten selbst ist einfach wunderschön. Ursprünglich wurde er vom französischen Künstler Jacques Majorelle angelegt und später von Yves Saint Laurent und seinem Partner restauriert und erhalten. Überall entdecken wir exotische Gewächse, Kakteen, Palmen und kleine Wasserläufe – ein echtes Paradies für sowohl Pflanzen- als auch Fotoliebhaber.

Mitten im Garten sticht ein leuchtend blaues Gebäude hervor, das einst als Atelier Jacques Majorelles diente. Das intensive und charakteristische „Majorelle-Blau“, das er selbst entwickelte, hebt sich eindrucksvoll von den vielen Grüntönen der Pflanzen ab.

Nach einer ausgiebigen Erkundungstour treten wir wieder den Heimweg an. In den Souks besorgen wir noch ein paar Souvenirs für unsere Familie (Handeln ist hier Pflicht!) und gönnen uns im Anschluss in unserer Unterkunft eine kurze Pause, bevor wir uns ein letztes Mal auf den Weg zum Abendessen machen.

Wir genießen noch einmal traditionelle, marokkanische Küche und lassen unseren letzten Abend ganz gemütlich ausklingen.

Dieses Mal gibt es für mich eine Hühnchen-Tajine mit Zitrone

An unserem letzten Tag wartet noch einmal ein Highlight auf uns. Noch vor Sonnenaufgang machen wir uns auf zu einem ganz besonderen Abenteuer, zu dem wir uns am Vorabend mehr oder weniger spontan entschlossen haben: eine Heißluftballonfahrt vor der Kulisse des Atlasgebirges.

Gemeinsam mit anderen Gästen werden wir vom Tourveranstalter mit einem kleinen Bus abgeholt und aus Marrakesch hinausgefahren. Als wir ankommen, ist die Sonne bereits aufgegangen und vor uns liegt ein liebevoll gestalteter Platz mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, Teppichen und einer ganz besonderen Atmosphäre. Hier erwartet uns ein kleines Frühstück mit Heißgetränken und Gebäck und um uns herum schweben bereits eine Vielzahl an bunten Heißluftballonen in der Luft und bieten einen wunderschönen Anblick.

Nach einer Weile werden wir weiter zum eigentlichen Startplatz gebracht. Die Aufregung steigt, als wir unseren Ballon gemeinsam mit etwa 15 weiteren Abenteuerlustigen besteigen. Unser Kapitän Adam begrüßt uns herzlich und erklärt kurz das Start- und Landeprozedere – denn hier ist tatsächlich Teamwork gefragt. Und dann ist es so weit: Wir heben ab!

Der Ausblick über das Atlasgebirge und die umliegende Landschaft ist einfach atemberaubend und an Bord herrscht eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Adam hat Musik aufgelegt, erzählt uns Spannendes über die Region und die unter uns liegenden Berberdörfer und macht immer mal wieder kleine Scherze („Seht ihr das zerstörte Gebäude unter uns? Das war meine Landung gestern.“).

Etwa 45 Minuten fliegen wir über die marokkanische Landschaft bis wir poetischerweise inmitten einer wunderschönen Blumenwiese wieder landen.

Fasziniert beobachten wir, wie nach der Landung die heiße Luft langsam aus der Ballonhülle entweicht, bis diese in sich zusammenfällt und sogleich von mehreren Mitarbeitern fachmännisch zusammengelegt und verstaut wird.

Im Anschluss werden wir zurück zu dem Platz vom frühen Morgen gebracht. Dort erwartet uns noch ein traditionelles Berberfrühstück – ein entspannter Abschluss dieses besonderen Erlebnisses.

Zurück im Riad verbringen wir die verbleibende Zeit ganz gemütlich auf der Dachterrasse, bevor wir kurze Zeit später von unserem Transfer abgeholt und zum Flughafen gebracht werden.

Unser Rückflug nach Stuttgart hat leider eine zweistündige Verspätung, sodass ich erst gegen 2 Uhr nachts zu Hause ankomme und müde, aber glücklich und mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken ins Bett falle. Dieses Mal werde ich morgens allerdings nicht von den Gesängen der Moschee geweckt, sondern von meinen beiden Kindern, die sich freuen, dass ihre Mama wieder Zuhause ist.

Und wer jetzt Lust bekommen hat, die rote Stadt einmal selbst zu erleben, wird im Hirsch-Programm fündig: Kulturreisen nach Marokko. Inklusive vieler Highlights im Programm, die wir während unseres Schwestern-Kurztrips erleben durften.

Caroline Lukas arbeitet bei Hirsch Reisen im Marketing und war von der ersten Minute an von der besonderen Atmosphäre Marrakeschs fasziniert: von den lebendigen Souks, den beeindruckenden Palästen, den ruhigen Gärten und nicht zuletzt der Herzlichkeit der Menschen.

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