Veröffentlicht am Autor , Stefan Simonis

Mailand – nicht nur Wirtschaftsmetropole

Schon die Ankunft mit dem Zug in Milano Centrale ist beeindruckend. Was für ein pompöser, gewaltiger Bahnhof. Und rein ins Vergnügen! Vom natürlichen Instinkt der Töchter geleitet beginnen wir auf einer der Haupteinkaufsstraßen, der Via Manzoni, mit hoher Dichte an minimalistischen Modeläden.

Auf der gepflasterten Straße reihen sich Lamborghini, Ferrari und Maserati. Wir lassen uns von der Dekadenz anstecken und spendieren den Kindern eine Kugel Eis zu 3,- Euro. Dolce vita. Die Scala taucht auf, unscheinbarer als gedacht. Seit der Elbphilharmonie haben sich die Maßstäbe verschoben. Samstag spätnachmittag, es wird flaniert was das Zeug hält. Wir werfen uns ins Getümmel der Galleria Vittorio Emanuele II und werden mit der Menge auf den Domplatz gespült – vorbei an allen Handtaschenläden, zum Leidwesen meiner Frau und zum Glück unseres Geldbeutels.

Einkaufstempel Galleria Vittorio Emanuele II
Touristen, Tauben, Händler – Piazza Del Duomo
Mekka der Opernfreunde – die Scala

Der Dom ist ungeheuer beeindruckend, mit seiner schieren Größe und den unzähligen gotischen Spitzen. Der Domplatz ist lebhaft. Touristen, Tauben, fliegende Händler und ein Musiker, der elektrisch verstärkt Rockmusik über den Platz bläst. Die Dämmerung bricht herein, wir wollen mit der Metro zurück zum Hotel. An den Verkaufsautomaten sind lange Schlangen, so dass wir zu Fuß gehen. In der Nähe des Hotels finden wir ein einheimisches Restaurant, nachdem wir Äthiopier, Inder, Japaner, Vegetarier und Skandinavier passiert haben. Pizza und Pasta sind gut, aber am besten schmeckt nach einem langen Reisetag das frisch gezapfte Birra.

Nächster Tag, die Kinder sind noch im Arbeitsmodus: Wecken um 6.30 Uhr. Vor allen Mailändern und Touristen sind wir auf der Straße, die farbenfrohen Schaufenster werden noch von asiatischen Hilfskräften gereinigt, die Trottoirs geschrubbt. Die Reinigungskräfte winken unseren Kindern, die nicht sicher sind, ob das echt ist oder eine Schaufensterinstallation.

Das würde ich gerne haben. Und das. Und das.

Am Dom stellen wir uns in die Schlange für Eintrittskarten, zwischen Österreichern und Indonesiern. Die Schlange führt überraschend nicht zu den Ticketschaltern, sondern zu einem Automaten, an dem man eine Nummer erhält. Mit dieser Nummer kann man seine Wartezeit produktiv im integrierten Dom-Shop verbringen, bis man aufgerufen wird.

Dank der Kinder erhalten wir eine Vorzugsnummer und haben fünf Minuten später unsere Tickets in der Hand. Die nächste Schlange führt in den Turm, zum Treppenaufstieg. 250 Stufen, dann sind wir auf dem Dach. Das lohnt. Bei Regen möchte ich hier nicht spazieren, die schrägen Dachplatten sehen wie eine Rutschbahn aus. Bei Sonnenschein ist der Blick auf die Architektur und die Stadt einmalig. Es scheint auch der Selfie-Hotspot- Nr. 1 zu sein – es ist fast unmöglich, nicht sekündlich jemandem ins Bild zu laufen. Da steht man auf diesem architektonischen und bildhauerischen Meisterwerk, und die Menschen fotografieren … sich selbst.

Mailand von oben I
Mailand von oben II
Mailand von oben III

Wieder unten treten wir durch eine kleine Seitenpforte auf Höhe des Querschiffs in den Dom. Es wird gerade Gottesdienst gefeiert, der Weihrauch zieht in Schwaden gen Himmel. Die Dimension des Doms ist auch innen ungeheuer eindrucksvoll.

Über die Piazza Mercanti und durch die Fußgängerzone Via Dante („eine gute Adresse für Modebewusste“, schreibt der Reiseführer – das zieht!) spazieren wir zum Castello Sforzesco. Durch die Innenhöfe kommen wir in den dahinterliegenden herrlichen Park. Sonntagnachmittag sind wir nicht alleine, aber es verläuft sich. Ein Spielplatz ist schnell gefunden, mit einem günstigen Café daneben (Espresso + Croissant 2,- Euro). Es fällt schwer, die Kinder zum Weitergehen zu motivieren. Wir locken mit der Fahrt in einer der alten Straßenbahnen und vergessen zu erwähnen, dass wir nicht die nächstgelegene Haltestelle meinen.

Fußgängerzone Via Dante
Castello Sforzesco – an einem Sonntag Nachmittag

 

Walk in the Park

Wir wollen in die „Urban City“ mit dem „Torre Zaha Hadid“ und dem „Torre Libeskind“. Diese modernen Design-Hochhäuser sind spektakulär. Schattenspendende Bäume wurden leider vergessen. Jetzt endlich in die Straßenbahn, und bequem schaukeln wir zur spätnachmittäglichen Ruhe zurück ins Hotel.

Urban City

Montag früh steht die große Frida-Kahlo-Ausstellung im Mudec auf dem Programm. Doch zunächst Mailänder Metro zur Rush Hour. Es ist voll, aber sehr diszipliniert. Die Sorge in engem Körperkontakt mit lautstark diskutierenden Italienern zu fahren, erfüllt sich nicht. Vorurteile sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Das Mudec ist schlecht bis gar nicht ausgeschildert. Nach dem dritten hilfreichen Hinweis eines Passanten stehen wir davor, 10 Minuten vor der gebuchten Einlasszeit. Das Treppenhaus ist futuristisch, die Frida Kahlo-Ausstellung expressiv bewegend. Unfall, Herzschmerz, Isolation, Fehlgeburt, Schmerzen – und Lebensfreude. Alle Gemälde sind bekannt, aber trotzdem tief beeindruckend. Fotografien ergänzen die Ausstellung. Und, wie könnte es anders sein, ein Museums-Shop. Glücklicherweise gilt die Regel, dass neu gekaufte Sachen die restliche Reise selbst getragen werden müssen. Praktisch als Hinweis für die Kinder, schade um den nicht gekauften Katalog.

Einmalige Frida

Und schon verlassen wir Mailand wieder. Wer mehr Zeit dort verbringen und auch noch die Scala von innen erleben möchte – Hirsch Reisen wird sicher bald wieder eine entsprechende Reise im Programm haben!