Mailand im Advent

Wie jedes Jahr unternehmen eine gute Freundin aus Studienzeiten und ich eine gemeinsame Adventsfahrt, diesmal geht es nach Mailand. In Ermangelung eines Reisebusses nehmen wir den Zug, der von Karlsruhe über die Schweiz in die lombardische Hauptstadt fährt.

Der erste Abend ist einem Stadtbummel mit Besuch des Weihnachtsmarktes am Dom gewidmet. Auch das Dorf der Wunder schauen wir uns an – welches sich doch eher an Kinder richtet – , zwischendurch holen wir uns einen Glühwein (Vin Brulé).

Am nächsten Morgen geht es früh los, denn wir haben Tickets für das Abendmahl von Leonardo da Vinci ergattern können. Hinweis für alle, die es interessiert: auf der offiziellen Website steht, wann der Vorverkauf für jedes Quartal beginnt (mit Angabe der Uhrzeit) – dann sollte man schon einige Minuten vorher auf die Seite gehen, es gibt eine digitale Warteschlage, danach kann man Tickets buchen.

Fahrt mit der Straßenbahn
Santa Maria delle Grazie

Man muss eine Viertelstunde vorher da sein, um sein Ticket kontrollieren zu lassen und alle Gegenstände kostenfrei in einem Schließfach einzuschließen. Danach geht es in ein anderes Gebäude durch mehrere Türen und nun hat man genau 15 Minuten Zeit, sich das Kunstwerk anzuschauen. Begleitend gibt es eine App, die viele Informationen auf Englisch bereithält.

Das Abendmahl – Maltechnik mit endlicher Haltbarkeit

Wir sind sehr angetan, die Zeit reicht eigentlich gar nicht, um alle Details zu entdecken. Auch spannend: auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Fresko im klassischen Stil aus der gleichen Zeit, das sich deutlich besser erhalten hat.

Danach machen wir uns auf den Weg zum Domplatz, Startpunkt einer knapp dreistündigen Stadtführung.

Dom am Morgen
Kunst von Maurizio Cattelan

Die Zeit reicht bei Weitem nicht für alles, was die Stadt zu bieten hat, so heben wir uns das Castello Sforzesco für den nächsten Besuch auf.

Nach einer kurzen Mittagspause geht es ins Technikmuseum, offizieller Titel “Museo Nazionale Scienza e Tecnologia Leonardo da Vinci”.

Ich wollte eigentlich nur die Galerie zu Leonardo da Vinci besuchen, doch meine technikaffine Freundin möchte gerne auch den Rest sehen. Erkenntnis: man kann hier leicht einen halben Tag verbringen.

Abends schauen wir uns noch ein modernes Shopping-Center an, von dem wir uns weihnachtliches Flair erhoffen – leider umsonst, es gibt nur eine kleine Eislaufbahn. Zumindest gibt es in der Eisdiele auch eine sehr leckere heiße Schokolade.

Der nächste Morgen beginnt für uns etwas später und wir haben unser Programm spontan umgestellt, nachdem wir erfahren haben, dass die Verbrauchermesse “Artigiano in Fiera” noch läuft. Der Vormittag ist also dem Hallen-Marathon gewidmet.

Jede Region Italiens hat einen eigenen Bereich mit vielen verschiedenen Ständen und teilweise auch Imbiss-Gelegenheiten. Ich übernehme mich schon in der ersten Halle beim Gebäck aus Sizilien. Aber auch andere Kontinente und Länder sind vertreten, wie z.B. Senegal, Nepal oder Peru. Etwas befremdlich wirken auf uns die Stände von Handwerkern und Verkäufern aus Iran und Saudi-Arabien. Aber ich nutze die Gelegenheit und probiere saudisches Essen – vermutlich eine einzigartige Gelegenheit, denn das Land steht nicht auf meiner Reise-Liste.

Der Nachmittag ist dann wieder dem traditionellen Sightseeing gewidmet, wir besichtigen den Dom von innen.

Blick in das Mittelschiff
Fundamente der Taufkapelle aus dem 4. Jhd.

Großes Glück haben wir beim Aufstieg auf die Dachterrasse: die Sonne geht gerade unter und hüllt alles in ein bezauberndes Licht.

Am Abend erwartet uns dann der krönende Abschluss: ein Opernbesuch im Teatro alla Scala. Es wird Schostakowitschs “Lady Macbeth von Mzensk” aufgeführt, wir sind beide restlos begeistert und können auch verstehen, warum das Stück in seiner Entstehungszeit 1934 bei der Obrigkeit der Sovietunion nicht gut ankam.

Etwas, das ich vorher noch nie in einem anderen Theater gesehen habe: jeder Platz hat einen kleinen Monitor, auf dem man die Untertitel mitlesen kann – in diesem Fall hat man die Wahl zwischen Englisch, Italienisch, Französisch und Deutsch.

Gegen halb zwölf machen wir uns dann auf den Heimweg und freuen uns, als wir endlich ins Bett fallen können.

Am nächsten Morgen geht es dann zurück nach Deutschland, diesmal ist vor den Alpen noch schöner Sonnenschein. Erst hinter dem Gotthard-Tunnel wird es wieder trübe.

Wir kommen sicherlich nochmal nach Mailand, denn diese Stadt hat einfach so viel zu bieten.

Wer nun auch eine Reise in die Metropole unternehmen möchte: Städtereise nach Mailand

Julia Rößler (hier mit Freundin Rebecca) lässt sich gerne vom Hirsch-Programm für ihre Urlaubsreisen inspirieren, wie diesmal bei Mailand. Ihre Mitreisenden sind dem Kulturprogramm oft hilflos ausgeliefert, aber zum Glück hat es bisher immer allen gefallen. Wenn sie nicht gerade auf Reisen ist, arbeitet sie in der Reiseveranstaltung für die Regionen Deutschland, Italien, Literaturreisen und Asien.

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