Japan: Zwischen Neonlicht und Zen-Gärten

Japan ist ein Land der Gegensätze – und genau darin liegt sein Zauber.

Unsere Reise beginnt mit dem langen Flug nach Tokyo. Sieben Stunden Zeitverschiebung liegen zwischen Deutschland und Japan, als wir am nächsten Vormittag am Flughafen Haneda landen. Dort erwartet uns bereits unser Reiseleiter Hiro-San. Noch schnell etwas Geld wechseln, dann geht es hinein in eine Stadt, die uns vom ersten Moment an fasziniert.

In Asakusa erleben wir gleich einen der Kontraste, die Japan für uns in den kommenden Tagen prägen werden. Der traditionsreiche Kannon-Tempel mit seiner gewaltigen roten Laterne steht für das alte Tokyo, während der 634 Meter hohe Tokyo Skytree unübersehbar das moderne Japan repräsentiert. Tokyo ist laut und bunt, gleichzeitig aber erstaunlich geordnet.

Zunächst wundern wir uns, warum für eine Millionenstadt gar nicht so viele Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Die Erklärung finden wir direkt unter unserem Hotel: Unter der Erde erstrecken sich ganze Einkaufs- und Restaurantpassagen, die unmittelbar mit Bahnhöfen und Gebäuden verbunden sind.

Am nächsten Tag lernen wir eine andere Seite der Hauptstadt kennen. Mitten im dichten Grün liegt der Meiji-Schrein, einer der bedeutendsten Shinto-Schreine Japans.

Kaiserliche Geschichte begegnet uns anschließend rund um den Kaiserpalast, bevor wir im Nationalmuseum tiefer in die Kunst und Kultur des Landes eintauchen.


Von Tokyo aus führt uns ein Ausflug nach Nikko. Inmitten dichter Wälder liegt hier die letzte Ruhestätte von Tokugawa Ieyasu, dem Begründer des Tokugawa-Shogunats. Der weitläufige Schrein- und Tempelbezirk gehört zum UNESCO-Welterbe und beeindruckt schon durch seine Lage. Das Wetter meint es an diesem Tag allerdings nicht besonders gut mit uns. Doch selbst im Regen ist das reich verzierte Toshogu-Mausoleum mit seinen unzähligen Schnitzereien ein Erlebnis.

Nach dem Mittagessen fahren wir weiter zum Chuzenji-See und zum mächtigen Kegon-Wasserfall. Wolken und Regen schränken die Sicht ein wenig ein – einen Eindruck von der gewaltigen Natur bekommen wir trotzdem.

Am nächsten Morgen heißt es: großes Gepäck abgeben! Unsere Koffer reisen mit einer Spedition direkt nach Kyoto, während wir mit leichtem Gepäck nach Hakone aufbrechen. Mit der Seilbahn geht es hinein in die Bergwelt des Fuji-Hakone-Izu-Nationalparks.

Natürlich hoffen wir alle auf den berühmten Blick auf den Fuji. Doch der über 3.700 Meter hohe Vulkan versteckt sich hartnäckig hinter Wolken und Nebel. Dafür probieren wir die berühmten schwarzen Eier von Owakudani und unternehmen eine Bootsfahrt auf dem Ashi-See.

Bevor wir unser Hotel erreichen, zeigt uns ein japanischer Holzschnitzer sein traditionelles Handwerk.

Danach erwartet uns eine ganz andere Erfahrung: Unser Hotel ist typisch japanisch eingerichtet und schon bei der Ankunft heißt es: Schuhe aus! Stattdessen schlüpfen wir in traditionelle Yukata. So gekleidet treffen wir uns zum gemeinsamen japanischen Abendessen. Neun Gänge werden serviert – nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch eine Herausvorderung und ein Erlebnis. Der Abend wird ausgesprochen gesellig und endet schließlich bei Sake und anderen Kaltgetränken an der Hotelbar.
Auch der hoteleigene Onsen gehört zu den Erlebnissen, die uns besonders in Erinnerung bleiben. Zum ersten Mal lernen wir die traditionelle japanische Badekultur kennen und entspannen im heißen Thermalwasser. Das japanische Frühstück am nächsten Morgen ist für unsere europäischen Gewohnheiten dagegen durchaus eine kleine Herausforderung – aber schließlich sind wir hier, um Neues kennenzulernen.


Am Bahnhof Odawara wartet eines der Symbole des modernen Japans auf uns: der Shinkansen. Fast lautlos, komfortabel und auf die Minute pünktlich bringt uns der Hochgeschwindigkeitszug nach Kyoto. Spätestens jetzt verstehen wir auch, warum unsere großen Koffer vorausgeschickt wurden – Platz für umfangreiches Reisegepäck ist im Zug nur begrenzt vorhanden.


In Kyoto schlägt das historische und kulturelle Herz Japans. Mehr als 2.000 Tempel und Schreine verteilen sich über die alte Kaiserstadt. In der Sanjusangendo-Halle stehen wir staunend vor den 1.001 Kannon-Statuen, vom Kiyomizudera-Tempel genießen wir den Blick über die Stadt.

Am Abend spazieren wir durch das historische Viertel Gion, doch unser Tag ist noch nicht vorbei. Hiro-San nimmt uns mit zum Bahnhof von Kyoto – und ausgerechnet ein Bahnhof wird zu einem unerwarteten Höhepunkt. Hoch über der riesigen Bahnhofshalle führt ein verglaster Skywalk entlang. Von hier blicken wir über das nächtliche Kyoto und auf den hell erleuchteten Kyoto Tower.

Am nächsten Morgen erwartet uns eines der berühmtesten Fotomotive Japans: der Goldene Pavillon Kinkaku-ji. Im Zen-Tempel Ryoanji erleben wir mit dem berühmten Steingarten das genaue Gegenteil: Reduktion und Ruhe statt Gold und Pracht. Überhaupt begeistert uns während der gesamten Reise immer wieder die japanische Gartenkunst.

Im Nijo-Schloss begegnet uns anschließend die Welt der Shogune. Besonders der Ninomaru-Palast mit seinen bemalten Schiebetüren und kunstvollen Holzarbeiten beeindruckt.

Den Abschluss des Tages bildet der Heian-Schrein mit seinen roten Säulen, grünen Dächern und dem weithin sichtbaren Torii.

Unser nächster Ausflug führt nach Nara. Schon kurz nach der Ankunft begegnen wir den berühmtesten Bewohnern der Stadt: den freilaufenden Sikahirschen. Scheu sind sie keineswegs – vor allem nicht, wenn jemand die begehrten Hirsch-Cracker in der Hand hält. Dann wird man schnell von mehreren Tieren umringt. Besonders amüsant ist ihre Angewohnheit, sich für ein Leckerli tatsächlich zu verbeugen.

Beim Kasuga-Taisha-Schrein säumen unzählige Steinlaternen unseren Weg, während im Inneren Bronzelaternen dicht an dicht hängen.

Danach erwartet uns im Todaiji-Tempel eine Sehenswürdigkeit ganz anderer Dimension: der rund 15 Meter hohe Große Buddha.

Zurück in Kyoto folgt noch einmal ein Bild, das wohl jeder mit Japan verbindet: Beim Fushimi-Inari-Schrein ziehen sich Tausende zinnoberrote Torii-Tore den Berg hinauf und bilden scheinbar endlose Gänge.

Wieder bringt uns der Shinkansen schnell und bequem zum nächsten Ziel. In Himeji erwartet uns die berühmte Burg des Weißen Reihers. Die strahlend weiße UNESCO-Welterbestätte zählt zu den schönsten erhaltenen Burgen Japans.

Am Eingang heißt es wieder: Schuhe aus. Auf Socken steigen wir über die steilen Holztreppen Stockwerk für Stockwerk nach oben. Je höher wir kommen, desto schmaler wird es. Die sommerliche Wärme macht den Aufstieg zusätzlich anstrengend und bringt einige von uns durchaus an ihre Grenzen. Oben angekommen werden wir dafür mit einem weiten Blick über die Burganlage und Himeji belohnt.

Anschließend genießen wir die Ruhe des benachbarten Kokoen-Gartens. Wieder einmal zeigt sich, mit welcher Sorgfalt in Japan Gärten, Pflanzen und selbst einzelne Blumen inszeniert werden.


Weiter geht es nach Hiroshima, einen Ort, der nachdenklich macht. Die Stimmung unserer Reise verändert sich. Das Peace Memorial Museum, der Atombombendom und der Friedenspark lassen wohl niemanden unberührt. Die Friedensglocke mahnt zu einer atomwaffenfreien Welt, das Kenotaph erinnert an die Opfer des Atombombenabwurfs. Es sind Eindrücke, die bleiben.

Am Abend wird es wieder geselliger. Unser Reiseleiter lädt uns in ein Okonomiyaki-Restaurant ein. Die Spezialität wird gelegentlich als „japanische Pizza“ bezeichnet – auch wenn sie mit einer klassischen Pizza eigentlich nicht besonders viel gemeinsam hat.

Am nächsten Morgen fahren wir mit Bus und Fähre auf die heilige Insel Miyajima. Nach den bewegenden Eindrücken von Hiroshima tut die Ruhe der Insel gut. Vor uns erhebt sich das berühmte rote Torii aus dem Wasser, dahinter liegt der Itsukushima-Schrein. Ein Spaziergang durch den grünen Momijidani-Park rundet unseren Besuch ab.

Zurück nach Hiroshima nehmen wir diesmal die Straßenbahn. Am Abend wartet mit dem Besuch eines Kagura-Theaters noch einmal ein Stück japanischer Tradition auf uns: farbenprächtige Kostüme, Masken und traditionelle Tänze.


Unsere letzte Station ist Osaka. Vom Umeda Sky Building blicken wir auf ein scheinbar endloses Häusermeer.

Auf dem Kuromon-Markt wird anschließend probiert und gekostet – schließlich trägt Osaka nicht umsonst den Beinamen „Küche Japans“.

Nach einem letzten Blick auf die Burg Osaka heißt es Abschied nehmen. Hinter uns liegen Millionenstädte und stille Tempel, Shinto-Schreine und Zen-Gärten, Shinkansen und Straßenbahnen, Onsen, Sake, High-Tech-Toiletten und zahlreiche Begegnungen mit einer für uns faszinierenden Kultur.

Nur einer hat sich während der gesamten Reise erfolgreich vor uns versteckt: der Fuji.

Doch Japan hat offenbar noch eine letzte Überraschung für uns. Auf dem Rückflug nach Frankfurt blicken wir aus dem Flugzeugfenster – und da ist er plötzlich doch noch: der Fuji, klar erkennbar unter uns.

Ein passender Abschluss für eine wunderbare Reise voller besonderer Eindrücke.

Ich möchte mich auf diesem Weg ganz herzlich bei dir liebe Sabine Sch. für die wunderschönen Collagen bedanken, die du mir zur Verfügung gestellt hast. Es ist toll, so viele schöne Eindrücke auf einem Foto zu sehen!

Sabine Ebert
als langjährige Mitarbeiterin bei Hirsch-Reisen, nutze ich gemeinsam mit meinem Mann jede Gelegenheit, neue Ziele auf der Welt kennenzulernen. Mit unserer Reise nach Japan hat sich für uns ein lang ersehnter Wunsch erfüllt. Kaum ein anderes Reiseziel verbindet Gegensätze so selbstverständlich: beeindruckende Landschaften, Shinto-Schreine, Tempel und Zen-Gärten auf der einen, pulsierende und hochmoderne Städte auf der anderen Seite. Besonders in Erinnerung bleiben uns auch die Menschen – selten haben wir auf Reisen so viel Freundlichkeit, Höflichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme erlebt.

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