In eigener Sache: Wechsel in der Geschäftsführung
Zum 1. Oktober verändert sich die Geschäftsführung von Hirsch Reisen: Andreas Hirsch zieht sich zurück, Mathias Hirsch führt das Familienunternehmen künftig gemeinsam mit Stefan Simonis und Oliver Possehl. Im Gespräch erzählen sie, was dieser Schritt für sie bedeutet, was sie bewahren möchten und wie sich Hirsch Reisen weiterentwickeln soll.
Ein lange vorbereiteter Wechsel
Zum 1. Oktober verändert sich die Geschäftsführung. Was bedeutet dieser Schritt jeweils für Sie persönlich?
Andreas Hirsch: Wir bereiten die Übergabe seit 2023 vor. Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt: Hirsch Reisen steht sehr gut da. 2024 haben wir wieder den Umsatz von vor der Corona-Pandemie erreicht und ihn 2025 deutlich gesteigert. Auch die Zufriedenheit unserer Gäste ist sehr hoch. So kann ich mich mit einem guten Gefühl aus der ersten Reihe der Verantwortung zurückziehen.
Mathias Hirsch: Für mich ist das die logische Fortsetzung einer längeren Entwicklung. Wir haben nach und nach mehr Aufgaben an jüngere Mitarbeitende übertragen. Stefan Simonis und Oliver Possehl sind seit vielen Jahren bei uns und haben sich bewährt.

Stefan Simonis: Für uns kommen neue Themen hinzu, mit denen wir bisher wenig oder nur am Rande zu tun hatten, etwa Steuern, Bilanzen und rechtliche Vorschriften. Gleichzeitig können wir künftig mehr Einfluss auf das Unternehmen, die Reisen und die Mitarbeiterführung nehmen. Darauf sind wir gespannt.
Oliver Possehl: Ich freue mich auf einen neuen beruflichen Lebensabschnitt. Nach meinem Studium und den Jahren bei Hirsch Reisen ist das jetzt der nächste Schritt. Damit sind mehr Verantwortung und auch neue Möglichkeiten verbunden.
Was ist aus Ihrer Sicht für den Übergang besonders wichtig?
Mathias Hirsch: In der Zusammenarbeit mit meinem Bruder galt über vierzig Jahre das Konsensprinzip. Wenn wir unterschiedlicher Meinung waren – was selten vorkam –, haben wir so lange miteinander gesprochen, bis einer den anderen überzeugt hatte. Argumente zählten dabei ebenso wie Erfahrung. Diesen Stil möchte ich beibehalten.
Erfahrung und Vertrauen
Warum sind Stefan Simonis und Oliver Possehl die Richtigen für die Geschäftsführung?

Mathias Hirsch: Sie haben beide viel Erfahrung gesammelt und sich bewährt. Dabei denken sie strategisch und haben stets das Wohl des Unternehmens, seiner Gäste und seiner Mitarbeitenden im Blick.
Andreas Hirsch: Beide haben ihre Ernsthaftigkeit und ihre Leidenschaft für Hirsch Reisen über viele Jahre bewiesen. Sie haben klare Vorstellungen davon, wie sie das Unternehmen zukunftsfähig halten, neue Zielgruppen erschließen und unsere Qualität weiter stärken möchten.
Und umgekehrt: Was haben Sie von Andreas und Mathias Hirsch gelernt?
Oliver Possehl: Vor allem, welche Bedeutung absolute Verlässlichkeit im Geschäftsleben hat. Als Mitarbeiter weiß man, dass beide bei Problemen ansprechbar sind und man sich auf sie verlassen kann. Das gilt ebenso gegenüber Kunden und Partnern: Hirsch Reisen steht zu seinem Wort. Diese Haltung schafft Vertrauen. Das möchte ich weitertragen.
Stefan Simonis: Ja, das erinnert an das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns: Verantwortung nicht nur für das Produkt und die Kunden, sondern auch für die Mitarbeitenden und die Gesellschaft. Selbst nach so vielen Jahren im Unternehmen profitiere ich immer noch vom Erfahrungsschatz der beiden.
Was Hirsch Reisen ausmacht
Was ist für Sie das Besondere an Hirsch Reisen?
Andreas Hirsch: Wir denken langfristig. Ob Gäste, Mitarbeitende oder Geschäftspartner, wir versuchen unsere Beziehungen so zu gestalten, dass sie ein Leben lang halten können. Mit manchen Partnern arbeiten wir schon in zweiter Generation zusammen, und einige Gäste reisen bereits in dritter Generation mit uns.

Mathias Hirsch: Unsere Kulturreisen sind Unikate. Hirsch Reisen ist gewissermaßen eine Manufaktur. Die Reisen tragen die Handschrift unserer Reiseleiterinnen und Reiseleiter, denen wir bei Planung und Durchführung viel Freiraum geben. Das ist für diese Ansporn und Verpflichtung zugleich. Nicht umsonst ist deren Durchschnittsnote, von unseren Gästen erteilt, eine 1,4 bis 1,5 und das konstant über Jahrzehnte hinweg.
Oliver Possehl: Bei uns stehen die Menschen im Mittelpunkt. Jede Reise lebt vom Zusammenspiel vieler Beteiligter: der Reiseleitung, der Fahrerinnen und Fahrer, der Menschen vor Ort, unserer Gäste und der Mitarbeitenden in Karlsruhe. Daraus entsteht das, was viele bei uns als familiär empfinden.
Stefan Simonis: Was ich an Hirsch Reisen besonders finde, ist unsere Gründungsgeschichte. Nach dem Krieg stand dahinter der Gedanke, Menschen über die früheren Grenzen und Gegensätze hinweg wieder zusammenzubringen. Andere Länder und ihre Menschen kennenzulernen, miteinander zu sprechen, dieser Impuls ist für mich bis heute ein wichtiger Teil unserer Philosophie.

Hirsch Reisen ist seit seiner Gründung ein Familienunternehmen. Herr Mathias Hirsch, Sie selbst sind mit dem Unternehmen aufgewachsen und auch Ihre Tochter Julia – Rechtsanwältin – steht Hirsch Reisen mit Rat und Tat zur Seite. Was haben Ihre Eltern Ihnen mitgegeben, das bis heute wichtig ist?
Mathias Hirsch: Als mein Vater in den sechziger Jahren noch selbst Reisen leitete, durfte ich ihn in den Schulferien oft begleiten. Er sagte mir: „Mathias, das Wichtigste ist, dass unsere Gäste glücklich von einer Reise zurückkommen.“ Daran orientieren wir uns bis heute. Ich habe später in allen Bereichen mitgearbeitet, auch als Busfahrer und beim Reinigen der Busse. Das hilft mir, die Arbeit unserer Mitarbeitenden zu verstehen.
Herr Andreas Hirsch, was bleibt Ihnen aus mehr als vier Jahrzehnten besonders in Erinnerung?
Andreas Hirsch: Vor allem, dass mein Bruder und ich uns immer hundertprozentig aufeinander verlassen konnten. Wir sind mit dem Unternehmen aufgewachsen. Besonders bewegt hat mich während der Corona-Pandemie die Solidarität unserer Gäste und Mitarbeitenden. Das hat mich in dieser schweren Zeit sehr bestärkt.
Persönliche Wege zum Reisen
Herr Simonis, schon Ihre Großeltern reisten mit Hirsch Reisen. Wie haben Sie das Unternehmen selbst kennengelernt?
Stefan Simonis: Mein erster eigener Eindruck war ziemlich ungewöhnlich: Direkt vor meinem Bewerbungsgespräch wurden mir die Weisheitszähne entfernt. Ich konnte kaum sprechen und hatte Schmerzen – Herr Hirsch hat mich trotzdem genommen. Im Praktikum fiel mir sofort das gute Betriebsklima auf. Die Kolleginnen nahmen mich gleich zu ihren Stammtischen mit.
Herr Possehl, Sie haben zunächst bei einer Krankenversicherung gearbeitet. Wie kamen Sie zum Tourismus?
Oliver Possehl: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Nach meiner Ausbildung merkte ich irgendwann, dass ich noch einmal etwas Neues lernen und ins Ausland wollte. Ich holte die Fachhochschulreife nach und studierte Tourismusbetriebswirtschaft. Diesen Schritt habe ich nie bereut. Bei der Krankenversicherung kamen Menschen meist mit Problemen zu uns. Hier kaufen sie Vorfreude. Ich empfinde es als Privileg, in dieser Branche arbeiten zu dürfen.

Herr Possehl, hat die Arbeit Ihren persönlichen Blick aufs Reisen verändert?
Oliver Possehl: Für mich bedeutet Reisen, Neues zu entdecken, ob im Schwarzwald oder in Australien. Man lernt andere Menschen kennen und schätzt zugleich stärker, was man zu Hause hat. Bei Hirsch Reisen habe ich gelernt, noch genauer nach der Geschichte anderer Länder und Kulturen zu fragen. Das hat mich auch privat wissbegieriger gemacht.
Herr Simonis, was bedeutet Reisen für Sie persönlich?
Stefan Simonis: Meine Reiselust begann schon als Kind mit den Erzählungen von Marco Polo. Später war ich auf eigene Faust und meist mit dem Rucksack in vielen Ländern unterwegs. Dabei habe ich erfahren, was für ein Glück es ist, überhaupt reisen zu können. Auch schwierige Situationen haben mich geprägt: Ich habe gelernt, dass man häufig eine Lösung findet, selbst wenn ein Problem zunächst unüberwindbar erscheint.
Bewahren und weiterentwickeln
Was möchten Sie von der langen Geschichte von Hirsch Reisen unbedingt bewahren?
Stefan Simonis: Die Kontinuität und die Verlässlichkeit. Hirsch Reisen hat sich über die Jahrzehnte immer wieder verändert, aber behutsam und ohne Bewährtes aufzugeben. Dazu gehören unsere Qualität, die besondere Art unserer Kulturreisen und die Offenheit für neue Ideen.

Oliver Possehl: Bei allen Veränderungen, die die digitale Welt mit sich bringt, darf der Mensch nicht aus dem Blick geraten. Wir möchten persönlich ansprechbar bleiben, für Gäste ebenso wie für Mitarbeitende. Unser Leitsatz „Uns bewegen die Menschen“ beschreibt genau das.
Welche Aufgaben stehen in den kommenden Jahren an?
Oliver Possehl: Die Digitalisierung betrifft praktisch alle Bereiche unseres Unternehmens. Die Veränderungen folgen schnell aufeinander, gerade durch künstliche Intelligenz. Wir müssen Schritt halten und dabei alle mitnehmen: unsere Mitarbeitenden ebenso wie unsere Gäste.
Stefan Simonis: Technik soll uns unterstützen. Wir wollen die Möglichkeiten nutzen, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Gleichzeitig möchten wir neue Gäste für den besonderen Wert unserer Reisen begeistern.
Herr Mathias Hirsch, was wünschen Sie sich für die Zusammenarbeit in der neuen Geschäftsführung?
Mathias Hirsch: Dass unser ehrliches Miteinander auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens bestehen bleibt. Und dass wir neue Ideen für die Weiterentwicklung unserer Kulturreisen finden. Kultur im weitesten Sinn bietet einen nahezu unerschöpflichen Reichtum.
Herr Andreas Hirsch, ganz verabschieden werden Sie sich nicht. Wobei werden Sie das Unternehmen weiterhin unterstützen?
Andreas Hirsch: Ich werde im Hintergrund beratend zur Verfügung stehen, besonders bei meinem Steckenpferd, den Reiseomnibussen. Die Ausstattung neuer Busse festzulegen und die technische Entwicklung zu verfolgen – auch mit Blick auf einen modernen Arbeitsplatz für unsere Fahrer – hat mir immer große Freude gemacht. Damit möchte ich mich weiterhin beschäftigen.

Ein Wunsch zum Schluss
Wenn Sie einen Wunsch für Hirsch Reisen nennen dürften: Welcher wäre das?
Mathias Hirsch: Dass noch mehr Menschen erkennen, welche Vorteile eine Kulturreise in einer Gruppe Gleichgesinnter bietet.
Andreas Hirsch: Dass Hirsch Reisen modern bleibt und gleichzeitig seine Grundwerte bewahrt.
Oliver Possehl: Dass unsere Art des Reisens auch künftig gefragt ist und wir mit unseren Kulturreisen weiterhin Brücken zwischen Menschen und Völkern bauen dürfen.
Stefan Simonis: Ich wünsche mir viele schöne Reisen und glückliche Gäste.
Vielen Dank für Ihre Offenheit und das freundliche Gespräch.