Veröffentlicht am Autor , Oliver Possehl

In die Polarnacht

Im Januar hatte ich die Gelegenheit, mit Hurtigruten die Arktis zu erkunden. Genauer gesagt ging es nach Svalbard, hierzulande besser bekannt als Spitzbergen. Ein einmaliges Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Polarnacht © Tilo Pielka

Los ging es für mich in Frankfurt. Nach einem recht anstrengenden Anreisetag erreichten wir Spitzbergen in der Nacht. Schon der erste Schritt aus dem Flughafen hinaus war verheißungsvoll. Ich hatte noch nie eine so reine, klare Luft geatmet. Der Transfer vom Flughafen ins Hotel dauerte keine 10 Minuten. Erschöpft fielen wir in dieser Nacht ins Bett.

So richtig realisierte ich erst am nächsten Tag, dass ich dem Nordpol wirklich nah bin. Um 9 Uhr morgens hatte es -15 Grad und es war stockdunkle Nacht. Ich wusste zwar, dass es Tageslicht in diesen Breiten zu dieser Jahreszeit nicht allzu oft gab, dass ich aber für die nächsten 4 Tage die Helligkeit der Sonne gar nicht mehr sehen würde, war mir so vorher nicht klar. Für uns Mitteleuropäer wirklich ein bizarres Erlebnis. So waren also für die nächsten Tage der Mond und die Sterne die einzige Lichtquelle. Und wir hatten Glück, es war Vollmond. So konnten wir wenigstens die schneebedeckten Berge um uns herum schemenhaft erkennen.

Am ersten Tag nach dem Frühstück wartete schon der erste Programmpunkt auf uns. Schneeschuhwandern auf dem Gletscher. – Ganz schön anstrengend bei eiskalter Luft und recht steilen Anstiegen.

 

Schneeschuhwandern

Den Nachmittag hatten wir Freizeit und konnten den Ort auf eigene Faust erkunden. Dick eingepackt spazierten wir durch die Stadt und ihre kleine Einkaufsstraße mit vielen Outdoorläden und anderen Shops. Wir ließen die skurrile Dunkelheit mittags um 14 Uhr auf uns wirken. Ein wirklich komisches Gefühl, an das ich mich auch nach 5 Tagen noch nicht gewöhnen konnte.

„Einkaufsmeile“ am Mittag

Zum Abendessen waren wir im Camp Barentz eingeladen. Eine Blockhütte mitten im Tal, die man für einen authentischen, arktischen Abend mieten kann. Wir ließen uns, den auf offenem Feuer in der Hütte gekochten, Rentiereintopf schmecken. Lecker! Im Anschluss lernten wir, wie Nordlichter entstehen. Leider konnten wir an diesem Abend selbst keine mehr beobachten.

Blockhütte Camp Barentz © Lutz Stickeln
Camp Barentz © Lutz Stickeln
Hütte Innen im Camp Barentz
Rentiereintopf

Am zweiten Tag waren wir dann eher motorisiert unterwegs. Vormittags durften wir in einer  Art rollendem „Wohnzimmer“ Platz nehmen, welches auf einer Pistenraupe installiert war. Damit fuhren wir gemächlich ins „Adventdalen“ und ließen die Polarnacht auf uns wirken. Wir hatten Glück und konnten 2 der seltenen Rentiere in freier Wildbahn erleben.

Rollendes Wohnzimmer
Rentiere in freier Wildbahn © Lutz Stickeln
Ausflug mit Heißgetränk
Adventdalen © Lutz Stickeln

Am Nachmittag wartete dann das erste richtige Highlight auf uns. Wir durften Snowmobil fahren. Auf 17 Snowmobilen fuhren wir erneut ins Adventdalen. Dieses Mal allerdings etwas weiter. Als wir an unserem Wendepunkt ankamen, und alle Motoren ausgeschaltet waren konnte man hören, dass man nichts hört. Eine solche absolute Stille habe ich selten  zuvor erlebt. Keine, auch nicht weit entfernte, Geräusche störten dieses Idyll. Einmalig!

Snowscooter

Zum Abendessen waren wir an diesem Abend im Coal Miners zu Gast. Früher Treffpunkt und Kantine der Minenarbeiter ist es heute ein stylisches Restaurant.

Der dritte Tag wartete mit einem weiteren Höhepunkt auf. Es ging zu „Green Dog Svalbard“ – es ging mit dem Hundeschlitten in die Natur. Was ein Erlebnis! Jeder Schlitten bekam 6 Hunde vorgespannt und wurde jeweils mit 2 Personen (einem Fahrer und einem Passagier) besetzt. Der ganze Ausflug dauerte ca. 4,5 Stunden. 30 km legten wir ungefähr zurück. Für mich die perfekte Art der Fortbewegung im hohen Norden. So fühlt es sich irgendwie richtig an.

Bereit für den Hundeschlitten
Hundeschlitten © Tilo Pielka
Mit dem Hundeschlitten unterwegs © Lutz Stickeln

Abends hatten wir dann auch noch richtiges Glück. Während dem Abendessen kam es endlich – das Nordlicht. Wunderschön grün leuchtete es über unseren Köpfen und den Bergen. Die nächsten 2 Stunden war an reingehen nicht mehr zu denken. Keiner wollte auch nur das Geringste verpassen. Und die Intensität nahm immer weiter zu. Ein Abend zum Genießen, unvergesslich!

Nordlicht über Longyearbyen © Lutz Stickeln
Wir freuen uns über das Nordlicht © Lutz Stickeln

Der letzte Tag stand nochmal ganz im Zeichen der Kohle. Wir besichtigten Mine Nummer 3. Die Bedingungen, unter denen die Arbeiter ihre Arbeit verrichteten waren alles andere als einfach. Extrem beengt, bei konstanten 3 Grad, jeder mit schwerem Gerät bestückt, mussten sie Tag für Tag in den Berg. Die Bezahlung war und ist gut, die Arbeit jedoch nichts für schwache Buben. Ein begehbarer Stollennachbau vermittelt einen authentischen Eindruck über die Enge, mit der sicher nicht jeder klarkommt. Meinen Respekt haben die Kerle im Berg!

Nachgebauter Stollen zum Selbsterleben in Mine Nr. 3 © Lutz Stickeln

Am frühen Nachmittag traten wir dann schon wieder die Rückreise an. Über Tromso ging es für eine Zwischenübernachtung nach Oslo, wo wir bei einem gemeinsamen Essen die letzten Tage Revue passieren lassen konnten.

Am nächsten Morgen flogen wir dann wieder nach Franfurt zurück, wo uns endlich die erste Sonne seit 5 Tagen erwartete. Eine unvergessliche Reise ging für mich damit zu Ende.

Zum Abschluss vielleicht noch ein paar Worte zu Spitzbergen an sich. Besiedelt wurden die Inseln ursprünglich auf Grund Ihrer reichen Kohlevorkommen. Mittlerweile gibt es 7 Kohleminen. Nur eine davon ist im Moment noch in Betrieb. Die Kohle aus Spitzbergen ist von sehr hoher Qualität und geht zu 100% nach Deutschland zur Stahlproduktion. Eisbären kommen auf Spitzbergen vor, die Bestände gehen aber zurück. Zu Gesicht bekamen wir leider keinen, obwohl sich eine Mutter mit 2 Jungtieren ganz in der Nähe aufgehalten haben soll.

Roadsign

Die wichtigste Siedlung auf Spitzbergen ist heute Longyearbyen. Auf der gesamten Insel leben ca. 2500 Menschen. Und das, von der ewigen Dunkelheit und Kälte im Winter mal abgesehen, gar nicht so schlecht. In Longyearbyen gibt es 3 Kindergärten, eine Schule, eine Universität, ein Krankenhaus, einige sehr gute Hotels, Bars und Restaurants. Jeder Einwohner lebt freiwillig auf Spitzbergen, die einzige Voraussetzung ist, dass man seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann. Da es kein Altenheim gibt und im Krankenhaus keine schwerwiegenden Erkrankungen behandelt werden können, sind die meisten Leute jung und gesund. Steuervergünstigungen halten die Lebenskosten auf einem vergleichbar niedrigen Level. Das Internet läuft hier dank Glasfaser schneller als in so manchem vergleichbar großem Dorf in Deutschland. Die Insel hat gerade einmal 40 Km ausgebautes Straßennetz, diese verbinden die Stadt mit den Minen, dem Hafen und dem Flughafen. Der Rest sind die Straßen innerhalb des Ortes. Wichtigstes Fortbewegungsmittel im Winter sind Hundeschlitten und Schneemobile, im Sommer sei man ohne Boot aufgeschmissen, sagen die Einheimischen. Jährlich kommen etwa 30.000 Touristen nach Spitzbergen. Im Sommer, wenn die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen, sind es gerne mal 3000-4000 Menschen am Tag.

Wer dieses oder ähnliches erleben möchte, kann das am besten mit Hurtigruten als reines Landprogramm oder als Seereise. Auskünfte zu den möglichen Reisen erhalten Sie jederzeit im Hirsch Reisebüro.

Tel: 0721 / 18 11 18

Mail: verkauf@hirschreisen.de

 Ps: Vielen Dank an Lutz Stickeln und Tilo Pielka, dass ich einige eurer Bilder für diesen Bericht verwenden durfte.