Veröffentlicht am Autor , Stefan Simonis

Hirsch-Reise Nordpolen und Masuren

Meine Vorstellungen von Polen waren bisher nur recht vage – wechselvolle Geschichte, Ostpreußen, Vertriebene, Kommunismus, Solidarnosc, Autodiebe, fettes Essen, graue Industriestädte. Anlass, sich ein realistischeres Bild zu verschaffen und an der Hirsch-Reise teilzunehmen. Zumal in den Reisebeurteilungen der Kunden seit Jahren Loblieder auf unseren polnischen Reiseleiter Herrn Stec gesungen werden …

Um 6 Uhr früh machen wir uns auf die Reise. Wir, das sind meine Frau und ich, unser Chauffeur Herr Boritz und 21 Mitreisende. Es geht an Kassel vorbei, durch Weserbergland und Harz, nördlich um Berlin, durch Mecklenburg-Vorpommern zur polnischen Grenze. Heftige Regengüsse begleiten uns, eine Vollsperrung, von Herrn Boritz geschickt umfahren, und Gegenden, die eigene Reisen wert sind. Gegen 19 Uhr erreichen wir „Westpommern“ und seine Hauptstadt Stettin. Eigentlich sollte uns Herr Stec erwarten, aber die Maschine, mit der er aus Tallin, wohin er die vorige Hirsch-Gruppe durchs Baltikum begleitet hat, kommen wollte, wurde wegen technischer Probleme kurzfristig gecancelt – so sitzt er dort fest. Es wird schnell eine Lösung gefunden, er holt eine kompetente Kollegin aus dem Urlaub. Der erste Eindruck des Hotels ist gut – zwar ein großer Kasten, aber zentral gelegen und von internationalem 4*-Standard.

Hakenterrasse in Stettin
Hakenterrasse in Stettin

Justina erwartet uns pünktlich am nächsten Morgen – ein charmanter Ersatz! Die Stadtrundfahrt durch Stettin widerlegt erste Vorurteile. Wir sehen eine grüne Stadt: 40 % Parks und Gärten! In der Morgensonne leuchtet die wuchtige Hakenterrasse, repräsentativ an der Uferpromenade der Oder gelegen, daneben Museen, Marinehochschule und ehemaliges Regierungsgebäude. Justina führt uns durch die Höfe des nach dem Krieg wiederaufgebauten Schlosses der Herzöge von Pommern, u.a. mit originellem Uhrenturm. Großen Anklang finden, so kurz nach dem morgendlichen Kaffee, auch die Toiletten zum Preis von 2 Sloty (umgerechnet 50 Cent) – polnische Einheitsgebühr, wie wir im Verlauf der Reise feststellen werden. Sind aber auch ausnahmslos in Top-Zustand. Auf der Schlossterrasse genießen wir Morgensonne und Oderblick, bevor wir die Fahrt fortsetzen.

Im Hof des Schlosses der Pommerschen Herzöge
Im Hof des Schlosses der Pommerschen Herzöge

Über 300 Kilometer liegen vor uns, auf polnischen Landstraßen. Die sind viel besser als erwartet, woran die EU nicht ganz unbeteiligt sein dürfte. Von Herrn Stec haben wir mittlerweile erfahren, dass er seinen Flug umbuchen konnte und direkt nach Danzig kommt, um uns dort am Nachmittag zu empfangen. Bis dahin begleitet uns unterhaltsam Justina, mit Geschichten und Wissenswertem. Parallel zur Ostseeküste und nördlich der „kaschubischen Schweiz“ rollen wir angenehm bei Sonnenschein durch die Landschaft, über Köslin und Stolp in Richtung Danzig. Dünn besiedelt, die Gegend. Das Timing könnte besser nicht sein, pünktlich um 16.50 Uhr erreichen wir den Vorort Oliwa mit seiner Zisterzienserkirche, wo uns Herr Stec bereits erwartet.

Reiseleiter Aleksander Stec bei der Arbeit
Reiseleiter Aleksander Stec bei der Arbeit

Nach kurzer Einführung beginnt das Konzert im gotischen Dom auf der berühmten Rokokoorgel. Knapp 20 Minuten präsentieren Studenten der Musik die verschiedensten Stücke, vom Ave Marie bis zu Kuckuckslauten. Die Engelsfiguren auf der Orgel beteiligen sich und wackeln rhythmisch mit den Trompeten. Bemerkenswert. Es folgt ein kurzer Abstecher zum Sandstrand der Ostsee, bevor wir in die Stadt fahren. Mitten im Zentrum, hinter historischen Fassaden, verbirgt sich ein modernes und fast luxuriöses Hotel. Die meisten Mitreisenden trifft man nach dem Abendessen bummelnd und Eis essend auf dem malerischen langen Markt wieder.

DanzigLangerMarkt
Langer Markt in Danzig

Zu Fuß wird am nächsten Morgen Danzig erkundet. Nach einer Viertelstunde folgt die erste Pause, zum Regenschirme holen – es tröpfelt. Wie es sich gehört bleibt es anschließend trocken. Auf der Promenade spazieren wir entlang der Mottlau, durch Grünes Tor und Krantor, zur Frauengasse, durch Alt- und Rechtsstadt, vorzüglich unterhalten und anschaulich informiert durch Herrn Stec. Alles wurde nach den Kriegszerstörungen fast originalgetreu wieder aufgebaut. Zumindest die Fassaden. Die Häuser hintendran nicht, was komfortabler für die Bewohner ist, aber den Titel Weltkulturerbe verhinderte. Was war diese Stadt einst reich, und wie wechselvoll ihre Geschichte! Den Abschluss bildet die gewaltige Marienkirche. Enorm viel Backstein auf einem Haufen, besonders für uns Süddeutsche.

Bis 13 Uhr dauert die Führung, den Rest des Tages haben wir frei. Eine Schiffsfahrt auf der Mottlau oder eine Straßenbahnfahrt ins Seebad Sopot wären sicherlich reizvoll, aber das Wetter sieht nicht gut aus. Also genießen wir zunächst ein leckeres Fischessen an der Promenade, mit Rote-Beete-Suppe vorher und Espresso nachher – sage noch einer was über die polnische Küche. In einem kleinen Laden vermittelt Herr Stec Interessierten eine kostenlose Vorführung zum Thema Bernstein, der an jeder Ecke angeboten wird. Die nehmen wir mit, schlendern noch durch die Markthalle (mit Resten einer romanischen Kirche!), bevor die Müdigkeit zuschlägt und das nahe Hotel zum kurzen Mittagsschlaf verlockt. Nach dem Abendessen gibt es dafür wieder einen letzten Stadtbummel. In der Tat, ein reizvolles Städtchen.

Tags darauf werden wir ins Mittelalter versetzt. Die imposante Marienburg, eine knappe Stunde von Danzig entfernter ehemaliger Hochmeistersitz des Deutschen Ordens, ist mit ihrer Silhouette nicht nur ein schönes Fotomotiv, sondern auch eine Innenbesichtigung wert. Die örtliche Führerin, dankbare Nutzerin des Hirsch-Funks, lotst uns anderthalb Stunden durch Höfe und Säle. Zwar ist kaum bzw. keine originale Einrichtung erhalten, aber Architektur und Geschichte(n) bis hin zur mittelalterlichen Plumpskloanlage sind interessant und unterhaltsam. Dies gilt übrigens auch für eine alle Klischees erfüllende Gruppe Kreuzfahrer auf Tagestour. Bis auf die Schlosskirche, die sich noch in restauro befindet, wurde alles fast komplett wiederaufgebaut.

Marienburg
Mittelalterliche Marienburg

Auf der Weiterfahrt erschließen sich mir langsam die Bezeichnungen der verschiedenen Gegenden – Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Ermland, Oberland, Masuren. Zwar alle aus dem Geschichtsunterricht in der Theorie bekannt, aber nun endlich greif- und sichtbar. In Elbing erweitert Herr Stec die vorgesehene Stadtrundfahrt zu einem Rundgang mit Besichtigung der Nikolaikirche, da eine Mitreisende diese Stadt während des Kriegs mit 12 Jahren verlassen musste und nun mit uns zum ersten Mal wieder hierher zurückkehrt. Viel erkennt sie nicht wieder, zumal die Stadt sich immer noch im Wiederaufbau befindet. Dieser wird recht sympathisch angegangen, die modernen Häuser orientieren sich an ihren historischen Vorbildern.

Nächster Halt ist Morag, zu Deutsch Mohrungen. Eine hübsche Ortschaft, mit (wiedererbautem) gothischen Rathaus und katholischer Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert. Eigentlicher Grund unseres Halts ist aber das Denkmal von Johann Gottfried Herder. Wir bewundern es gebührend, während zwei kleine Mädchen uns ihre gesamten Deutschkenntnisse zurufen („Guten Tag Florian“).

Die Landstraße – „Polnische Kilometer zählen doppelt“ – führt uns nach Allenstein, ein nettes Städtchen mit Altstadt, jugendlicher Bevölkerung und einer Burg, in der höchstwahrscheinlich Kopernikus persönlich astronomische Berechnungen hinterließ. Neben Geschichte hat unser Reiseleiter noch eine andere große Vorliebe: Essen, was, bei allem Respekt, nicht ganz spurlos an seiner Figur vorüber geht. So präsentiert er seinen Gästen die hiesigen „Kuhbonbons“, die allgemeinen Anklang finden.

AllensteinPrutze
Alter Preuße, äh, Prutze, in Allenstein

Mittlerweile ist es Nachmittag, durch die schöne, leicht hüglige Moränenlandschaft, vorbei an zahllosen Seen, fahren wir Richtung Nikolaiken. Einen kurzen Halt machen wir in Sorquitten, wo in der evangelischen Kirche eine fröhliche Überraschung wartet: Der unter der Decke schwebende Taufengel kann wie eine Lampe nach unten gezogen werden. Zu großer Heiterkeit führt die Darstellung der Himmelfahrt Christi – aus der Wolkendecke hängen nur noch die Füße des Entschwindenden! Volkskunst nennt man das wohl.

Altar in Sorquitten - von Jesus sind nur noch die Füße zu sehen
Altar in Sorquitten - Jesus ist schon fast weg

Am Abend erreichen wir Nikolaiken. Unser Hotel liegt etwas außerhalb, direkt am See, mit eigenem Landungssteg und kleinem Badestrand, in idyllischer Landschaft. Zum Abendessen gibt es Buffet, mit leckeren, einheimischen Spezialitäten – was will man mehr, vorausgesetzt man ist kein Vegetarier. Polnisches Bier schmeckt auch gut.

Der nächste Tag beginnt zwar mit einer angenehmen Fahrt durch die engen masurischen Alleen, die sich stellenweise fast zu grünen Tunneln formieren (angenehm für die Gäste, weniger für unseren Fahrer Herrn Boritz mit seinem Riesenschiff), aber das erste Ziel drückt etwas auf die Stimmung – Hitlers Hauptquartier, die Wolfsschanze, erwartet uns. Herr Stec konnte einen besonderen örtlichen Führer engagieren, Herrn Jerzy Szynkowski, Autor mehrerer Bücher über Masuren im Allgemeinen und die Wolfsschanze im speziellen. Er versteht es behutsam, menschlich und humorvoll durch die im tiefen Wald liegende Anlage mit ihren Bunkerruinen zu führen, und schildert nicht nur minutiös den hier von Graf von Stauffenberg unternommenen Attentatsversuch, sondern zitiert auch aus Dokumenten wie persönlichen Briefen – bzw. lässt zitieren: er bittet charmant weibliche Mitreisende um ihre Mithilfe beim Vorlesen, anschließend gibt es ein selbstgepflücktes Blumensträußchen als Dankeschön. Es liegt nicht an seinem Vortrag, dass man zwischenzeitlich abgelenkt wird, sondern an der äußert aggressiv auftretenden Schnakenpopulation, die nach Herzenslust sticht. Aber selbst dazu vermag Herr Szynkowski die passende historische Quelle vorzubringen. Der Besuch hinterlässt gemischte Gefühle: Freude über die sympathische Führung, Grusel und Schrecken durch die monumentalen Bunkeranlagen und ihre Geschichte, Dankbarkeit, erst viele Jahre nach dieser höllischen Zeit geboren worden zu sein.

Ein Autor liest aus seinem Werk
Ein Autor liest aus seinem Werk

Der Rest des Tages verwöhnt wieder die Sinne. Die Landschaft ist traumhaft, auf den Dächern der Dörfer bewundern wir Storchennester und deren Bewohner, und zum Mittagessen erwarten uns polnische Spezialitäten – je nach Vorliebe Pierogi (gefüllte Teigtaschen), Bigos (Eintopf aus Sauerkraut, Kohl, Fleisch und Wurst) oder frischen Zander mit Meerrettichsoße. Alles äußerst schmackhaft. Anschließend wartet die prachtvolle Kirche von Heiligelinde auf uns. Großes Wunder ist die Orgel – während des viertelstündigen Spiels wackeln die Engel mit ihren Trompeten, spielen verschiedene Instrumente oder verbeugen sich vor Maria, die dies mit einer huldvollen Verneigung zur Kenntnis nimmt – die ganze Kirche, darunter ein Haufen Kinder, guckt verzückt mit offenem Mund nach oben. Der Pfarrer, eine Art polnischer Don Camillo, sammelt währenddessen Spenden ein (in Polen gibt es keine Kirchensteuer, haben wir gelernt), und animiert unsere Gruppe anschließend auf Deutsch zu Gesang – zumindest diejenigen, die textsicher sind. Ein großes Vergnügen.

Die Orgel in Heiligelinde - und sie bewegt sich doch.
Die Orgel in Heiligelinde - und sie bewegt sich doch.

Es geht zurück nach Nikolaiken. Angesichts des schönen Wetters ist keiner der Mitreisenden einer gemütlichen Schiffsfahrt auf den Seen abgeneigt, und so geht es aufs Schiff. Anderthalb Stunden schippern wir durch die Gegend und erfreuen uns an Landschaft, Sonne und Mädels im Bikini, bevor uns zum Abendessen wieder ein gutes Buffet mit polnischen Spezialitäten erwartet. Es gibt schlechteres, als einen ereignisreichen Tag mit einem kühlen Bier an einem masurischen See ausklingen zu lassen.

Masuren - viel Landschaft, viel Wasser
Masuren - viel Landschaft, viel Wasser

Die Katalogbeschreibung „Rundfahrt durch das südliche Masuren“ für den kommenden Tag ist etwas unspezifisch. Was wird Herr Stec uns zeigen? Seinen Lieblingsstorch zum Beispiel, der ihm vor 14 Jahren seine Tochter beschert hat. Immer neue, traumhafte Alleen und Seen. Ein Forsthaus im tiefen Wald, der Johannisburger Heide, Geburtsort des Schriftstellers Ernst Wiechert, mit passender Leseprobe. Einen Auszug aus Siegfried Lenz´ Masurischen Geschichten, vorgetragen in authentischem Masurendeutsch. Ein orthodoxes Kirchchen in Wojnowo. Alte masurische Holzhäuser. „Liebesbäume“, die wir nach kurzem Waldspaziergang erreichen. Eine geruhsame Staakenbootsfahrt auf dem Flüsschen Krutynia. Ein einheimisches Mittagessen, mit Palatschinken mit Heidelbeeren, Pilzteller oder frischem Fisch. Satt, zufrieden und fast ein wenig wehmütig verabschieden wir uns von Masuren und brechen am Nachmittag auf Richtung Westen. Dieses Masuren war so entspannt und gemütlich, dass die Radfahrer (nicht Herrn Boritz´ beste Freunde) auf den Landstraßen derart langsam unterwegs waren, dass man sich wunderte warum sie nicht umkippten. Heute ist übrigens Samstag, Hochzeitstag in Polen, und unterwegs sehen wir zahlreiche Brautpaare und festlich geschmückte Autos. Diese Landstraßen haben auch ihre Vorteile. Unser Tagesziel Thorn an der Weichsel erreichen wir am Abend.

Hirsch Reisen on the road - Büro, Fahrer, Reiseleiter
Hirsch Reisen on the road - Büro, Fahrer, Reiseleiter

Zur Stadtbesichtigung ist keine Energie mehr vorhanden, das machen wir am nächsten Morgen. Herr Stec führt uns durch die Stadtmauern auf den Marktplatz, vorbei an Kopernikushaus und Kopernikusdenkmal, stolzen Bürgerhäusern und mittelalterlichem Rathaus. Es ist Sonntag, die Stadt leer, die Kirchen voll – bis zu sieben Gottesdienste finden pro Kirche statt! Wir nutzen eine kurze Gottesdienstpause, um in die eindrucksvolle Marienkirche mit ihren historischen Wandgemälden zu huschen, und bewundern an der Stadtmauer den „schiefen Turm von Thorn“. Anschließend bummeln wir durch das Städtchen und kaufen bei einem Bäcker frische Leckereien, während unsere Mitreisenden sich einen Café gönnen oder, im Vorgriff auf Weihnachten, die berühmten Thorner „Kathrinchen“-Lebkuchen einkaufen.

Warten aufs Herrchen - sympathisches Denkmal für den Thorner Karikaturisten Zbigniew Lengren
Warten aufs Herrchen - sympathisches Denkmal für den Thorner Karikaturisten Zbigniew Lengren

Zur Mittagspause sind wir in Gnesen. Der Busparkplatz ist komfortabel, direkt angrenzend an die Parkanlage des großen Doms, wo gerade, wie soll es anders sein, Gottesdienst gefeiert wird. Es grüßt, wie fast überall hierzulande, Papst Johannes Paul II. Ihm ist indirekt auch die schicke Toilettenanlage des Parkplatzes zu verdanken, die anlässlich seines Besuches errichtet wurde. Zu Essen gibt es ein einfaches Menu von Chefkoch Detlef Boritz: Würstchen, Senf, Brot, Kaffee.

Mittagspause im Schatten der Kathedrale von Gnesen
Mittagspause im Schatten der Kathedrale von Gnesen

Hat uns in Gnesen noch ein Regenschauer während der Pause überrascht, brennt in Posen die Sonne vom Himmel. Wir halten zunächst auf der rechten Seite der Warthe und schauen uns die angenehm kühle Kathedrale mit ihrem Schmuckstück, der „Goldenen Kapelle“, an.

Maria is watching you. Auf der Dominsel in Posen.
Maria is watching you. Auf der Dominsel in Posen.

Dann geht´s nach Italien. Wir finden uns auf dem Marktplatz von Posen wieder, es ist warm, und wir sind umringt von Renaissancebauten und Straßencafés. Sehr schön. Die Attraktion, die Ziegenböcke der Turmuhr, die ihre Hörner aneinander stoßen, gibt es leider nur ein Mal täglich, um 12 Uhr, zu sehen. Aber auch so entdecken wir genug Erstaunliches. Malerische Krämerhäuser, die „Bambergerin“, eine Uhr, die die Stunden bis zur Fußball-Europameisterschaft zählt, die prächtige und sehr barocke Stadtkirche, … Letztere ist toll, aber die Verkündung unseres Reiseleiters, in der Stadt gebe es noch 76 weitere Kirchen zu sehen, ruft leises Stöhnen in der Gruppe hervor. Gott sei Dank möchte er sie uns nicht alle zeigen, und wir fahren zum Hotel, einem wohl aus kommunistischen Zeiten stammenden Hochhaus am Ende der Fußgängerzone. Die Zimmer sind modern und in Ordnung, aber ein gewisser Vorwendeflair lässt sich nicht verleugnen. Auch nicht schlecht. Als Kontrapunkt liegt gegenüber ein gewaltiges Shoppingparadies. Wir konzentrieren uns auf Lebensmittel und decken uns mit Proviant für die morgige Heimfahrt ein. Kein Wodka, obwohl es hier hunderte von Sorten geben muss. Nach dem Abendessen in einem Hotelsaal, einen gefühlten Kilometer Fußmarsch von Aufzug und Rezeption entfernt, bummeln wir nochmals zum Abschluss durch die Fußgängerzone auf den schönen Marktplatz. Auch wenn dieser von Cafés und Kneipen umringt ist, müssen wir gucken dass wir einen freien Platz erwischen – Studentenstadt. Der Zufall führt uns in eine Hausbrauerei mit drei verschiedenen, selbst gebrauten Biersorten. Wir sitzen und gucken den vorbei promenierenden Schönheiten und Familien zu. Hier lässt sich´s aushalten.

Neptun bewacht Posen vor der Warthe
Neptun schützt Posen vor der Warthe

Nach kurzer Nacht Rückfahrt – bis zur Grenze wieder fast nur Landstraße. Kaum in Deutschland erwischt uns leider ein Stau, ein LKW ist umgekippt und kostet uns fast eine Stunde. Aber egal, ich muss ja nicht fahren. Vorbei an Frankfurt/Oder, Leipzig, Jena und Erfurt und weiter durch Hessen chauffiert Herr Boritz uns, inklusive fachkundigen Hinweisen auf die Umgebung, bis in die Wetterau, wo Ablösefahrer Herr Sieler bereits wartet und das Steuer übernimmt. Gegen 22 Uhr kommen wir wohlbehalten in Karlsruhe an.

Fazit: Eine wunderschöne und lehrreiche Reise in angenehmer Gesellschaft. Denn schon die Suleyker wussten bekanntlich, „dass es angenehm sei, wenn man in der Fremde nicht allein sein muß“ (Siegfried Lenz in der dreizehnten der masurischen Geschichten, vorgetragen von Reiseleiter Aleksander Stec, irgendwo zwischen Suleyken und Schissomir).