Eine Feinschmeckerreise nach Berlin – na dann mal „Ran an de Buletten!“
Samstag, erster Reisetag: Wieder einmal ist es früher Morgen. Gerade eben hat die Lörz-Filiale in der der Yorkstraße aufgemacht und schon holt ein viel zu früh aus dem Schlaf gerissener Reiseleiter einen vollen Croissant-Korb ab. Denn die frischen Leckereien schmecken auf der Raststätte allemal besser als alles, was man dort kaufen kann. So dürfen sich nicht nur die zwölf Damen der Genussreise über ein Überraschungsfrühstück freuen. Auch für die zweite Gruppe im Bus wird ein Gebäckstück aus der „Wundertüte“ gezogen.

In Berlin halten wir kurz am Wannsee, um den Reiseleiter der zweiten Gruppe namens Jodock aufzunehmen. Der lotst uns geschickt durch die Villengegend am Wannsee und schneller als gedacht sind wir am Ku’damm und in unserem Hotel Henri. Das charmante Hotel überzeugt mit Berliner Charme, hohen Decken und freundlichem Personal. Und nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, geht’s auch gleich auf den Ku’damm, vorbei an der Gedächtniskirche und über den Tauentzien ins KaDeWe. Am Samstagabend ist die Gourmetabteilung brechend voll, quirlig und fast ein bisschen zu laut. Gut, dass wir einen Tisch im Restaurant Fischkutter reserviert haben. Wir werden mit spanischen Bocadillos verwöhnt und danach gibt es Fisch- und Meeresfrüchte satt. Wir lassen uns Austern, Jakobsmuscheln und Hummer schmecken und zum Abschluss bleibt noch etwas Platz für ein paar kleine, süße Petit Fours.






Sonntag, zweiter Reisetag: Am Morgen geht es mit der legendären Buslinie 100 in die Stadtmitte. Wir fahren an den Nordischen Botschaften, der „Goldelse“, dem Schloss Bellevue und der „Schwangeren Auster“ vorbei zum Reichstag. Dort werden wir zu einem Vortrag auf der Pressetribüne im Plenarsaal erwartet. Bei einem Rundgang durch das Haus erklärt uns die kompetente Mitarbeiterin des Besucherdienstes die russischen Graffitis und das ein oder andere Kunstwerk. Zum Schluss geht es noch hoch auf die von Sir Norman Foster kreierte Kuppel und wir genießen den Blick von oben.






Vorbei an dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas geht es zum Brandenburger Tor. Selbstverständlich schlendern wir durch die Durchfahrt, die sonst nur dem Kaiser vorbehalten war: Ab durch die Mitte – wir fühlen uns ganz royal. Wir lassen die Amerikanische und Französische Botschaft rechts und links liegen und nehmen die U-Bahn zur Station Museumsinsel. Dort angekommen bewundern wir den preußisch-blauen Sternenhimmel. Wieder oben flanieren wir Unter den Linden in Richtung Oper. Im Café Populaire (dem ehemaligen Operncafé – heute beherbergt das Gebäude neben unserem Restaurant auch die Kunstsammlung der Deutschen Bank) erwartet man uns schon zu Spargelsalat und Rinderfilet.




Nach dem Mittagessen richten wir unseren Blick wieder auf das Brandenburger Tor und unser Weg führt uns zum legendären Hotels Adlon. Vorbei an der Alten Wache, der Humboldt-Universität und der Hedwigs-Kathedrale geht über die Friedrichsstraße und etwas zu flotten Schrittes auf den Pariser Platz. Dadurch haben wir noch etwas Zeit, und ein Teil der Gruppe besucht kurzerhand noch das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Der Rest sonnt sich auf den Bänken. Und dann geht es zum Afternoon-Tea ins Adlon. Man empfängt uns mit der typischen Grandezza einer Luxusherberge sowie einer gedeckten Tafel im ersten Stock. Tea, Champagner, Sandwiches und süße Überraschungen machen den High Tea zu einem Erlebnis. Scones und Clotted Cream dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und die ewige Frage, was zuerst kommt – Cream oder Marmelade – kann auch heute nicht beantwortet werden.




Montag, dritter Reisetag: Heute starten wir etwas später und genießen das üppige Frühstück. Wir nehmen die andere legendäre Touristen-Buslinie 200 und fahren dieses Mal an den Botschaften vorbei, der Philharmonie, dem Potsdamer Platz und dem Bundesrat. Am Humboldtforum angekommen erwartet uns unsere Gästeführerin Dr. Braune und erzählt über die Historie des Gebäudes. Wir erfahren einiges über das alte Kaiserschloss und den Palast der Republik sowie über das heutige Gebäude. Zum Mittagessen steigen wir dem Humboldtforum aufs Dach. Die Leuchten im Restaurant Baret sollen an „Erichs Lampenladen“ erinnern. Und dann erkunden wir den Himmel über Berlin von der Dachterrasse aus und werfen schon einen ersten Blick von außen auf den Berliner Dom (den wir am nächsten Tag besichtigen werden).




Wir schlendern vorbei am Außenministerium und der Friedrichswerdersche Kirche und kommen am Gendarmenmarkt an. Wir bewundern das Konzerthaus und die beiden Dome von außen und begeben uns in den Schokoladen-Rausch. Im Erdgeschoss staunen wir über den Reichstag aus Schokolade und wir freuen uns über die bunten Ostereier und Hasen. Im Café genießen wir ein Schokoladen-Kirsch-Törtchen oder ein Mozarttörtchen und trinken die berühmte Rausch-Schokolade – wer mag kriegt auch einen Kaffee. Mit reichlich Schokolade in Gebäck und/oder Bauch erkunden einige dann Berlin auf eigene Faust. Und andere kehren ins Hotel zurück und machen ein Verdauungsschläfchen.





Am Abend geht es in einen ehemaligen Döner-Laden. Das Restaurant Bandol sur Mer zeigt sich im Shabby Chic. Das Essen ist dafür allerdings „oh là là“ und zu Recht ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern und einem Grünen Stern für Nachhaltigkeit. Wir staunen über die Leichtigkeit von Küchenchef Andreas Saul und seinem Team und freuen uns über die ausgesuchten Weine. Der Abend geht viel zu schnell vorbei und beschwingt geht es wieder zurück ins Hotel.








Miéral Taube, Lauch, Gerste


Dienstag, vierter Tag: Am Dienstagmorgen lassen wir uns den Berliner Dom zeigen. Standesgemäß betreten wir den Dom durch die Kaiserpforte und staunen über das kaiserliche Treppenhaus. Wir sind überrascht, denn das Innere der Kirche lässt uns eher an ein katholisches Gotteshaus denken. Aber sobald man den Blick hebt und Luther, Zwingli, Melanchton und Calvin sieht, weiß man, dass das nicht stimmen kann. Erstaunt hören wir, dass die Siegessäule bequem im inneren dieses Kuppelbaus stehen könnte. Wir nehmen noch auf der Kaiserlichen Empore Platz, bevor es in die frisch renovierte Hohenzollerngruft geht.






Danach spazieren wir an der Spree entlang und über den Hackeschen Markt und gönnen uns eine Currywurst bei der legendären Bude Curry61. Und was wäre eine Schlemmerreise ohne etwas Dekadenz: Eine Trüffelmayonnaise zu den Pommes muss irgendwie sein. Der Nachmittag ist zur freien Verfügung.
Am Abend haben wir das Gefühl, schon fast wieder in Karlsruhe zu sein. Denn wir fahren in die Durlacher Straße – allerdings liegt diese irgendwo zwischen Rathaus Schöneberg, Innsbrucker Platz und Bundesplatz und eben mitten in Berlin. Wir kommen im Restaurant Bieberbau an. Dort erklärt man uns, dass das Restaurant seinen Namen vom Meisterstuckateur und Bildhauer Richard Bieber ableitet. Küchenchef Stephan Garkisch und seine Frau empfangen uns herzlich und mit kulinarischen Highlights. Ein wundervoller Abend.







Mittwoch, Rückreisetag: Die Tage in Berlin sind viel zu schnell vergangen. Unser Busfahrer Rocco hat noch eine kleine Überraschung für uns: Er schlägt vor, die Mittagspause in Erfurt zu verbringen. Einige gönnen sich eine echte Thüringer Rostbratwurst vom Holzkohlegrill. Andere besuchen den Dom. Und wieder andere schlendern durch die Stadt und entdecken eine verwunschene Gasse und einige nette Geschäfte abseits der Krämerbrücke. Aber Erfurt ist auch die Heimat des TV-Kanals Kika. Und somit winkt uns zum Schluss noch Bernd das Brot. Dann bleibt nur noch die Rückfahrt und die Erkenntnis „Jans Berlin is ene Wolke“.





PS: Nachdem ein ausgehungerter Reiseleiter am Mittwochabend in den heimischen Kühlschrank schaut und gähnende Leere vorfindet, beschließt er, am Folgetag die Metzgerei seines Vertrauens aufzusuchen. Hinter der Theke der Metzgerei Sack in der Uhlandstraße bedient ihn freundlich und kompetent, wie schon so oft zuvor, Liane Wloch. Da sie leicht berlinert, erzählt der Reiseleiter ihr von Berlin, seiner Reise, den Erlebnissen seiner Gruppe und dem tollen Besuch im Humboldtforum. Frau Wloch erklärt ihm daraufhin, dass sie gelernte Steinmetzin und Steinbildhauerin sei und am Humboldtforum mitgewirkt hat und dass die eine oder andere Rosette oder ein Schlussstein von ihr gearbeitet sei. Wer es nicht glaubt: https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/80-millionen-fuer-das-berliner-schloss-karlsruhe-sammelt-mit-art-206201 So klein ist die Welt.