Veröffentlicht am Autor , Stefan Simonis

e-mails aus Mali

Bubu

22.11.2009 / 20.37 Uhr

Bonjour,

bin gut in Malis Hauptstadt angekommen, schön warm. Hatte eine Stunde Verspätung, weil die Afrikaner so viel Gepäck dabei hatten wie ich noch nie in einem Flieger gesehen habe. Die Crew hat über eine halbe Stunde gebraucht, um nur das Handgepäck zu verstauen! Meine Unterkunft ist recht sauber, die Bettwäsche zwar etwas löchrig, aber scheinbar kein Getier. Sie liegt direkt über einer Bar mit Livemusik, die letzte Nacht bis vier Uhr morgens Radau machte. Aber immerhin war die Musik ganz gut – Guantanamera in der Reggaeversion.

Heute war ich dann den ganzen Tag auf Stadterkundung. Überraschenderweise richtig afrikanisch hier. 🙂 Die Märkte sind der Hammer, vor allem für Zauberei und Medizin haben sie abgefahrene Sachen rumliegen. Ganze Affenleichen in diversen Verwesungsgraden z.B. Angeblich gibt es auf Nachfrage auch Menschenteile, ich habe aber verzichtet das zu verifizieren. Und ein Riesengedrängel herrscht, kunterbunt, viele Menschen in traditioneller Kleidung.

Im Nationalmuseum war ich auch, sehr gut. Alle zwei Jahre findet in Bamako ein großes internationales Fotofestival statt, die Ausstellung habe ich genau erwischt. War toll. Den Sonnenuntergang habe ich auf einer Hotelterrasse am Niger genossen, bei happigen Getränkepreisen. Aber man gönnt sich ja sonst nix. Zum Abendessen war dann weniger Exotik angesagt, ich bin sicherheitshalber zu einem Libanesen um die Ecke vom Hotel. Gerade sitze ich in der Hotelbar, hier steht der Computer mit kostenlosem Internet an der Wand, hinter mir betrinkt sich gerade eine gemischte Bande aus irischen Gastarbeitern und Einheimischen.

Die „Malien“ sind bisher sehr angenehm, sehr chaotisch, aber auch bei größerem Gedränge (z.B. beim Kampf um den Zugang zum einzigen Gepäckband im Flughafen von Bamako) kein bisschen aggressiv und sehr höflich. Man wird auch ständig gegrüßt und muss sich dann immer nach ihrem Wohlergehen erkundigen, bevor man irgendetwas anderes sagt – sonst übersehen sie einen im weiteren Gespräch wegen mangelndem Benehmen. Morgen breche ich auf Richtung Süden, mal gucken. Ob es da Internet gibt weiß ich aber nicht …

Gruß aus der Wärme (bei meiner Landung gestern Abend hat der Pilot eine Temperatur von 29 Grad durchgesagt – um 10 Uhr abends!)

26.11.2009 / 17.26 Uhr

So, wieder zurück aus dem wilden Süden – insgesamt etwa 800 km auf staubiger Piste. Bin mit zwei Jungs namens Sidi und Baba unterwegs. Das sind eigentlich Dogon (hier gibt es etwa 15 verschiedene Ethnien), aber die haben auch Familie da unten. Sidis Vater hat 4 Frauen, er hat 21 Geschwister. Auf der Runterfahrt haben wir sie besucht, vorher noch kurz als Mitbringsel einen frisch geschlachteten halben Hammel gekauft (Gruß an meine Frau: der war wirklich schon komplett ausgeblutet, bevor wir ihn auf deinen Koffer gelegt haben). Die 4 Mütter waren so richtige dicke Bilderbuch-Mamans, und nach dem Begrüßungsritual (man erkundigt sich gegenseitig nach dem Wohlergehen sämtlicher Angehöriger – viele Grüße an meine Familie übrigens) wurde eigentlich ausschließlich gelacht.

Wir sind entlang der Grenzen zu Guinea, Elfenbeinküste und Burkina Faso gereist. Eine Nacht waren wir an einem Stausee, da gab es Fisch zu essen! Das Fischervolk dort (Bozo) ist so schwarz, schwärzer geht nicht. Ich bin durch das Dorf flaniert und habe mir den frischen Fisch angeschaut, bevor ich ein Päuschen im Schatten am Seeufer gemacht habe. Da waren dann Mädels zum Waschen, erst Geschirr, dann Wäsche. Die haben auch das gewaschen was sie am Leib hatten, und standen plötzlich oben ohne da. Ich wusste nicht ob das ok ist wenn ich da einfach so sitze und gaffe und war etwas verlegen, das haben die Damen gemerkt und sich lustig über mich gemacht und noch aufreizend mit ihren Hintern gewackelt. Böse Welt. Ich bin dann geflüchtet (ich meine, das sind doch Moslems, die sind eigentlich nicht für Freizügigkeit bekannt) und habe mich fürchterlich an einem kleinen Jungen im Dorf gerächt, der schreiend davon gelaufen ist, als er mich Weißhaut gesehen hat. 🙂

In Sikasso war auch lustig, leider bin ich auf einer kleinen Exkursion ausgerutscht und in einen Bach gefallen. Anschließend viel Straßenstaub, und dann bin ich noch auf einen Geisterberg geklettert und musste mich dabei an Felsen vorbei drücken, die voller Federn und Hühnerblut waren. Ich sah aus wie geteert und gefedert. Abends war dann Fussball gucken angesagt, Champions League, mit 15 Kerlen auf der Straße vor einem winzigen TV. Gestern haben wir dann noch für den Familienbesuch auf der Rückfahrt auf dem Markt eingekauft, 20 Kohlköpfe, 40 Zwiebeln und 10 kg Kartoffeln (an meine Frau: riecht jetzt wieder besser, dein Koffer). War natürlich auch wieder ein großer Spaß für die einheimische Bevölkerung, als wir das Zeug vom Markt geschleppt haben. „Oh, gibt es jetzt endlich weiße Sklaven?“ und „Auf dem Kopf! Du musst es auf dem Kopf tragen!“ waren die größten Schenkelklopfer, soweit ich verstanden habe. Man kennt mich jetzt dort.

Einige Hotels habe ich natürlich auch besichtigt, akzeptabel, würde ich sagen. Instandhaltung ist halt nicht ihre Stärke, aber es ist bei weitem nicht so schlimm wie die Reiseführer verkünden – die Zimmer sind ordentlich und sauber, mit westlicher Toilette und Dusche (wobei der Wasserdruck erwartungsgemäß selten mit dem Gewohnten mithalten kann). Was die Einrichtung betrifft bemühen sie sich den europäischen Geschmack zu treffen, was mal besser und mal schlechter klappt – mal ganz abgesehen dass es nicht unbedingt die bessere Lösung sein muss. Kettenhotels wie Mercure o.ä. gibt es erfreulicherweise überhaupt nicht.

Jetzt bin ich wieder in Bamako, morgen geht es weiter Richtung Segou. Da ist dann großes Opferfest angesagt, d.h. Ruhe gibt es nicht, aber vielleicht Internet, dann melde ich mich wieder. Verstaubter und schwitziger Gruß!

30.11.2009 / 18.00 Uhr

Mittlerweile bin ich über Segou und Djenné nach Mopti gereist und versuche hier auf sandiger Tastatur zu schreiben. Alles bestens bisher. Das große Opferfest habe ich in Segou erlebt, war toll, von klein bis groß hatte jeder die allerbesten Klamotten an. Freitagabend habe ich in der dunkelsten Kaschemme meines Lebens einige 0,6 l (!) Bier bei Livemusik inmitten feiernder Einheimischer getrunken (wobei die e-Gitarre unter häufigem Stromausfall litt), Samstagmorgen war großes Gebet auf der Straße, dann gewaltiges Blutvergießen, weil jede Familie ein Tier auf der Straße geopfert hat. Den ganzen Tag und die Nacht wurde weitergefeiert. Sonntagmorgen war dann noch ein chaotisches Bootsrennen auf dem Niger, wobei ich nicht verstanden habe, wer gewonnen hat, da während des Rennens große Diskussionen begannen, wo denn eigentlich das Ziel sei.

Gewohnt habe ich in einer Galerie für moderne Kunst, ziemlich abgefahren, mit aus Müll gefertigten unheimlichen Fetischen an den Wänden. Wobei, schlafen tue ich mittlerweile gerne auf dem Dach unter freiem Himmel, da sind die Temperaturen wesentlich angenehmer, und man ist von freundlichen Geckos umgeben, die nervende Moskitos verspeisen. Die Zimmer in den Unterkünften gleichen (von der Galerie in Segou mal abgesehen) leider gelegentlich dunklen Gefängniszellen.

Djenné ist eine Stadt fast komplett aus Lehm (UNESCO-Weltkulturerbe), recht eindrucksvoll auf einer Insel. Sehr schön. Am eindrucksvollsten sind aber tatsächlich die Menschen, immer lustig und fröhlich. Irgendwie fehlt denen das in Europa so weit verbreitete Jammer-Gen. Das ist jeden Morgen eine besondere Atmosphäre, wenn bei Sonnenaufgang das ganze Dorf auf einen Schlag erwacht und jeder freundlich lachend dem anderen einen guten Morgen wünscht. So, es gäbe zwar noch vieles mehr zu berichten, aber diese Busch-Tastatur ist so versandet, dass das Schreiben recht mühsam ist. Morgen bin ich noch in Mopti, dann geht es auf ins Dogon-Land.

1.12.2009 / 13.56 Uhr

Schon wieder ich! Die haben hier kostenloses Internet, das nutze ich schamlos aus. Habe ich gestern noch über die Unterkünfte gespottet bin ich heute in einem sehr coolen Ding. Das Hotel besteht aus mehreren Bungalows im Dogon-Stil, kein Lehmdreck, sondern richtige Steinmauern, sehr schön eingerichtete Zimmer mit sauberster Toilette und perfekt funktionstüchtiger Dusche mit warmen Wasser – käme absolut für Hirsch in Frage. Es gibt sogar einen schönen Swimmingpool!

Die Preise sind hier übrigens beachtlich, für ein anständiges Hotel, d.h. mit Bad im Zimmer und ab und zu fließend Wasser und Strom muss man mind. 40 Euro hinblättern. Nur ein Platz auf dem Dach kostet schon über 10 Euro pro Person. Eine Flasche Mineralwasser oder eine Cola kosten 1 Euro, ein gutes Abendessen im Hotel kostet 6-8 Euro (ich habe auch schon fast 15 gezahlt, das war dann aber auch ein üppiges Menu). Außerdem sollte man überall die eine oder andere Münze als Geschenk springen lassen, das läppert sich. Das Geld geht weg wie nichts. Kein Wunder, dass bei den Einheimischen der Tauschhandel noch gang und gäbe ist. Gibst du mir ein Huhn, repariere ich dein Moped.

Trotzdem gefällt es mir ausnehmend gut, vor allem früh morgens, wenn noch kein Staub in der Luft ist und die Temperaturen schön frisch sind und sich alle Leute gegenseitig erkundigen, ob man gut geschlafen und geträumt habe. Und abends, wenn sich mit Sonnenuntergang die Hektik des Tages legt und man gemütlich gemeinsam auf der Straße sitzt, den traditionellen Tee trinkt (in 3 Aufgüssen, von bitter bis süß) und sich Geschichten erzählt.

Sowieso spielen Bücher hier fast keine Rolle. Fast alles erledigt man mündlich, die „Griots“ bewahren die Geschichte und geben sie weiter. Das führt zum einen dazu, dass es nicht die eine Wahrheit in Form von nachprüfbaren Fakten gibt, was mich dann und wann in Verwirrung stürzt, weil jeder was anderes erzählt (Einwände werden gerne lapidar mit „die Wahrheit kennt sowieso nur Gott“ gekontert). Zum anderen verfügen die Menschen über ein phänomenales Gedächtnis, weil sie sich immer alles merken müssen. Aufgrund der verschiedenen Ethnien, die räumlich alle durcheinander wohnen, spricht auch fast jeder mindestens 2-3 Sprachen. Neue Sprachen eignen sie sich im Handumdrehen durch einfaches Zuhören an. Sidi der Dogon spricht zum Bespiel 9 Sprachen, inklusive deutsch, englisch, französisch und spanisch. Beneidenswert. Tja, und so lerne ich jeden Tag ein Haufen neue Dinge und versuche sie mir zu merken. Damit mache ich jetzt aber erstmal Pause und setze mich unter einen schattigen Baum zum Dösen, denn es ist schon wieder sackheiss.

7.12.2009 / 16.46 Uhr

Sodele, bin wieder in der Zivilisation der Hauptstadt. Das Dogon-Land ist sehr sehenswert, und es spart ja auch einen Haufen Energie, wenn man auf Elektrizität verzichtet und das Wasser vom Brunnen holt. Abgesehen davon ist der nächtliche Himmel derart sternenübersät, dass es schon fast übertrieben ist. Hat ganz gut getan mal wieder auf unnötigen Schnickschnack zu verzichten – man wird sich bewusst dass schon ein Eimer Wasser und ein kühles Bier, genossen nach einem staubigen Wandertag auf der Piste, geradezu paradiesisch sein können.

Herausragendes Merkmal des Dogon-Landes ist die „Falaise“, so eine Art Felsklippe bzw. senkrechte Felswand, 200-400 m hoch, die sich 200 km durch die Gegend zieht. Oben auf dem Plateau gibt es Dörfer, unten in der Ebene, die sich bis Burkina Faso hinzieht, gibt es Dörfer, und in der Felswand selbst gibt es erstaunlicherweise auch Dörfer. Die datieren noch von den Vorgängern der Dogon (die wanderten wohl erst im 14 Jh. ein), die wiederum angeblich die Ahnen der Pygmäen sind und von den Dogon gen Süden vertrieben wurden. Einige Dörfer sind recht unzugänglich, weshalb ich einiges zu Fuß unterwegs war. Da knallt die Sonne, man schluckt Staub, und eine 1,5 l Flasche Wasser schüttet man sich in 2 Std. rein. Umso irritierender, wenn man einem Begleiter einen Schluck anbietet und der mit der Bemerkung ablehnt, es sei doch Winter, da müsse er nicht so viel trinken. Bei gefühlten 40 Grad! Die spinnen.

Die Felswand an sich ist toll, sieht eigentlich unbezwingbar aus, aber dann tun sich doch immer Felsspalten und abenteuerlich schmale Stiege auf, die nach oben (oder unten) führen. Wenn man sich gerade 200 m über dem Abgrund mit Händen und Füßen auf einem fußbreiten Steig entlang gehangelt hat, fühlt man sich wie der größte Kletterer aller Zeiten. Natürlich nur bis eine Dame mit einem Eimer auf dem Kopf auf dem Weg zum Markt locker an einem vorbei spaziert.

In den Dörfern muss man arg aufpassen, wo man hin tritt, denn da gibt es überall Geister oder Fetische, die für Laien wie mich nur schwer zu erkennen sind. Deshalb braucht man auch immer einen Einheimischen, der einen begleitet und sich anschließend über ein kleines „cadeau“ freut. Clevere Geschäftsstrategie, eigentlich. Einmal hatte ich (und ein Kind) großes Glück, denn just als ich ein Dorf betreten hatte ist so ein Knirps in den Brunnen gestürzt. Das ganze Volk ist angerannt, und Gott sei Dank haben sie ihn schnell unverletzt wieder rausgefischt, denn unter Umständen hätte mich sonst die Schuld als Unglücksbringer getroffen. Die denken hier so.

Morgen fahre ich nochmal für zwei Nächte ein paar Kilometer in einen Ort namens Siby, dort soll es auch schöne Gegend geben, und Goldminen. Dann noch 2 mal Bamako, und schon geht es wieder nach Hause. Bin auch schon etwas reif dafür, hab ganz schön viele Macken mittlerweile, weil überall gleich Dreck rein kommt und deshalb nichts richtig verheilt –  sieht wild aus. Halsweh hab ich auch, und bei jedem Husten oder Naseputzen kommt Staub und Dreck raus. Und einen dicken Ausschlag am Arm. Aber sonst alles gut. Glücklicherweise bin ich schon verheiratet, da ist wurscht wie ich aussehe. 🙂

10.12. / 21.20 Uhr

Ein letztes Mal zurück in Bamako – es ist Donnerstagabend, Samstagnacht geht mein Flug. Das wird wohl dann die letzte Härteprüfung, wenn ich an den Hinflug denke. Alleine die Gepäckmengen, die die Menschen hier ständig transportieren, dazu ihr Hang zu Chaos und einer gewissen Umständlichkeit …

Mein Ausflug nach Siby war nett, sehr schöne Landschaft da. Berge, Ebene voller Mangobäume, der Niger. Auch historisch interessant, hier wurde die erste „Verfassung“ von Mali geschrieben. Und das schon im Jahr 1236, inklusive Dingen wie Gleichberechtigung der Frau oder Abschaffung der Sklaverei – man höre und staune. Leider war die Stimmung etwas gedämpft, denn im nahen Guinea kracht es. Zum einen machen Gewalt und Aggression diese Menschen hier an sich schon verständnislos und traurig, zum anderen drohen die in solchen Fällen schnell folgenden Flüchtlingstrecks.

Meine Unterkunft war nochmals recht rustikal, eine Hütte mit Strohdach. Generell finde ich es eigentlich ganz gut in relativer Nähe zum Klo zu nächtigen, da man ja doch nie sicher ist wie der Magen mit einheimischen Essen und hygienischen Umständen umgeht, aber die 25 m da waren geruchstechnisch definitiv zu nah. Gott sei Dank gab es nach Einbruch der Dunkelheit beide Nächte einen ordentlichen Sturm, so dass der Gestank kein Problem mehr war. Dafür hatte ich Sorge dass es mir das Dach wegweht, und es hat den Staub durch jede Ritze gedrückt. Hinzu kam, dass mein „Bett“ aus 2 Holzbrettern mit einer durchgelegenen Matratze bestand, dazu eine Art Laken, wahlweise zum drauflegen oder zudecken. Und dann hat mich auch noch eine ordentliche Erkältung geplagt (musste ja sein) – viel Schlaf war also nicht. Morgens war dann überraschend frisch, so dass ich sogar einen Pulli angezogen habe. Auf der Suche nach einem Frühstück oder zumindest einem heißen Tee habe ich erstmal 40 Minuten weit und breit keinen wachen Menschen gefunden, nur ein paar eingemummelte Körper auf Pritschen. Da dachte ich schon die sind sicher alle erfroren, bei für sie unzumutbaren 18 Grad. Nach einer Weile haben sie sich aber dann doch bewegt. Sind aber sehr langsam in die Gänge gekommen und mit dicksten Wollmützen rumgelaufen, obwohl da die 20 Grad sicher schon lange wieder überschritten waren. Als ich mich dann gegen halb neun auf den Weg gemacht habe die umliegenden Berge zu erklimmen hat die Sonne jedenfalls schon wieder gebrüllt.

Hier in Bamako wirkt die Unterkunft luxuriös, mit eigener Dusche und WC (auch wenn ich zum Spülen mit der Hand in den Spülkasten greifen muss um das Ding zu öffnen). Die Luft ist allerdings kaum weniger staubig. Dafür hatte ich heute schon 2 x Live Musik, die Menge an guten Bands ist hier wirklich gewaltig. Die Tanzkünste der Menschen auch – als Weißer hat man da keine Chance, selbst wenn man Profitänzer wäre. Wir heißen hier übrigens nicht Weiße, sondern „Tubab“ (kommt aus dem arabischen) oder „Rotohren“. Im Radio kommt fast nur Reggae oder Blues oder Einheimisches (was meist eine Mischung aus beidem ist), ein Traum. Keine amerikanische Mainstreamkacke, kein Abba, kein Pur, kein Dancemist. Und wie gesagt, sehr viel Live. Morgen geh ich mal CDs kaufen. Ich hoffe das klappt, sowas wie CD-Läden gibt es natürlich nicht, aber auf der Straße wird einem viel Gebranntes angeboten, von häufig zweifelhafter Qualität.

Morgen Abend bin ich dann bei einem Bekannten zum Essen in der Familie eingeladen, das wird nochmal interessant. Er ist recht reich, glaube ich, und nachdem ich auf den Dörfern viele einfache Hütten und Innenhöfe gesehen habe bin ich mal gespannt wie so jemand hier lebt. Jetzt muss ich aber schlafen und versuchen die letzten beiden Nächte nachzuholen. Obwohl, direkt nebenan ist der „Pirates Club“, eine Mischung aus Kneipe, Bar und Nachtclub, mit überragender Livemusik. Problem ist, dass ich da ja schon gerne rübergehe (ich habe vorhin auch dort zu Abend gegessen), dass aber die Lautstärke der Band bei mir im Zimmer genau richtig ist – vor Ort eher nicht.

12.12. / 18.00 Uhr

… Warten auf den Abflug – wird erst gegen Mitternacht soweit sein. Gestern habe ich nochmal Hotels besichtigt. Das habe ich zwar unterwegs auch immer wieder, aber das Angebot in der Hauptstadt ist natürlich ungleich größer. Das beste Haus am Platze ist ein 5-Sterne-Hotel in lybischer Hand, mit großem Park und Swimmingpool. Die Zimmer sind guter internationaler Standard, aber sündhaft teuer – das geht bei 150 Euro los (und das sind nur die Veranstalter-Preise). Es gibt noch zwei 4-Sterne-Hotels, die wirklich sehr schön direkt am Niger liegen, aber die Zimmer waren leider relativ abgewohnt – wie gesagt, bei der Instandhaltung muss man hier immer einige Abstriche machen. Ein gutes Hotel habe ich dann noch nahe des Zentrums gefunden, das war toll – professioneller Empfang, gepflegte Zimmer, sogar mit Lärmschutzfenstern, gutes Frühstücksbuffet (jedenfalls äußerlich – probiert habe ich es nicht). Hoffen wir es schafft diesen Zustand zu erhalten. Ich hab noch ein kleineres Haus angeguckt namens Villa Soudan, das war sehr schön – nahe der Deutschen Botschaft, in einer Villa mit Blick auf den Niger, wirklich originell eingerichtete Zimmer und 2 schicke Suiten – hat leider aber nur 10 Zimmer.

Kontakt zu einigen örtlichen Agenturen hatte ich auch schon, einige arbeiten recht professionell, andere eher weniger. Aber das ist ja bei uns auch nicht anders.

Entwicklungshilfeprojekte habe ich auch angeschaut, mir war vorher nicht bewusst wie aktiv vor allem die Deutschen, z.B. die GTZ, hier sind. Staudämme, Schulen, etc., schon interessant und immer diskussionswürdig.

Naja, da gäbe es auch viel zu berichten. Das war es jetzt aber von Mali, Ende einer wunderbare Reise. Und ich muss tatsächlich gestehen, trotz einmaligem sudanesischen Baustil, trotz Weltkulturstätten wie Djenné, trotz wahnsinnig schöner Sonnenuntergänge über dem Niger, am meisten beeindruckt haben mich die Menschen. So höfliche, freundliche, fröhliche und ganz und gar unagressive (gibt es dieses Wort?) Leute habe ich noch nie getroffen. Während drei Wochen keinen missmutigen oder gewalttätigen Menschen! Bezeichnend dass ich außerhalb Bamakos keinen einzigen Polizisten oder Soldaten gesehen habe. In dem Zusammenhang sind auch die Palaverhäuser interessant, die in jedem Dorf stehen. Dort werden alle örtlichen Probleme einvernehmlich gelöst, und die Dächer sind so niedrig, dass jeder Teilnehmer nur sitzen kann. Es thront also keiner über dem anderen, und es kann auch keiner erregt aufspringen. Clever, was? Wie dem auch sei, mehr dann zuhause, ab nächster Woche wieder im Büro … J

2011 bietet Hirsch Reisen eine Reise nach Mali an:

https://www.hirschreisen.de/reise-buchen/ziel/Mali

2 Gedanken zu „e-mails aus Mali“

  1. Ich habe heute erst ganz begeistert den Blog-Eintrag über die Mali-Reise gelesen und war gleich wieder mittendrin „vor Ort“. Mein Land war 3x Guinea, die Stadt Boké, habe dort jeweils ca. 2 Monate ganz privat auf einem Familien-Hof afrikanischen Alltag gelebt und genau die gleichen Beobachtungen und Empfindungen besonders bezüglich der Menschen gehabt, die Länderunterschiede sind ja nicht sehr gravierend. Mali steht bei mir für 2009/10 incl. Festival au desert auf der Reisewunschliste.Schön mal wieder einen durchweg positiven Erlebnisbericht gelesen zu haben. Das afrikanische Fieber wird man dann nicht mehr los, wetten! Beste Wünsche für ein tolles „Neues“ von Elke aus Berlin.

  2. bonjour stefan cet djibril je sui tre contan des information et le pohoto de la famill au mali keita et au paye dogon avec des tourist allmande a son retour il vous faira singne et merci pour tout salitation

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