Die Donaumetropole Wien

Zwei Gruppen, ein Bus, ein Ziel: Die Donaumetropole Wien. Während die große Gruppe Wien kulturell erkundet, machen sich fünf Damen und ihr Reiseleiter auf den Weg, die Stadt kulinarisch zu erobern. Die Hinfahrt versüßen wir uns mit einem Hefezopf von Lörz.

Endlich angekommen trotzen wir dem schwül-heißem Wetter, geben unserem Bewegungsdrang nach und spazieren zum Restaurant. Auf dem Weg begegnet uns Mozart.

Belohnt werden wir mit frischen Pfifferlingen, Beinschinken mit Kren und diversen anderen Leckereien. Die Dessert-Karte lockt mit Marillenknödel. Auf die Frage nach der Größe deutet unsere im Multitasking perfekt geschulte Wirtin im breitesten Wienerisch einen Golfball an. Serviert werden nach Butter duftende, etwa tennisballgroße Prachtexemplare von Marillenknödeln (man beachte den Plural). Wir kapitulieren, fast…

Der nächste Morgen empfängt uns mit Kaiserwetter. Leider ist die Schwüle nicht ganz gewichen. Beim Spaziergang durch die Stadt kommen wir an diversen Großkatzen vorbei, bestaunen die Hofburg und landen auf einen kleinen Braunen und einem großen Wasser in der Konditorei Demel.

Der Stephansdom liegt in der prallen Sonne und wir unterbrechen den Rundgang im Restaurant Plachutta zu Original Wiener Tafelspitz. Zuerst die Brühe, dann das Fleisch mit Kren, Spinat mit Knoblauch, Röstkartoffeln und diversen Saucen. Und da Marillenzeit ist, gönnt Frau sich noch ein erfrischendes Sorbet.

Nach dem Besuch der kaiserlichen Räume in der Hofburg und den Sisi-Appartements geht es zum „Kaffää“.

Wir meiden ob der langen Schlangen das Hotel Sacher und die berühmte Sachertorte und gehen lieber in das Luxushotel Imperial. Die Imperialtorte schmeckt mindestens genauso gut – eigentlich sogar besser – und die Mohntorte ist ein Gedicht.

Vorbei an der Karlskirche geht es zum Hotel.

Nach kurzem Verschnaufen fahren wir in die Weinberge und beschließen den Abend im Heurigen. Dort lernen wir eine neue Farbe für Sekt kennen: Biedermeier-Rosa. Der Kellner macht Stimmung, ist flink und freundlich. Das Essen ist gut und der Wein kühl. Und wir entdecken: man kann auch unterkapert sein, nicht nur unterzuckert.

Am Tag darauf lockt Schloss Schönbrunn mit Pracht, Gärten und – man mag es kaum glauben – Sisi. Es ist unbeschreiblich, auf was man alles das Gesicht der Kaiserin von Österreich drucken kann. Oder stand hier Romy Schneider Patin? Und manchmal würde man sie nicht erkennen, stünde es nicht drauf. Der Wettergott spielt auch dieses Jahr wieder mit und die Sommerresidenz funkelt mit dem Wasserspiel des Neptunbrunnens um die Wette. Nach einem zünftigen Gulasch geht es zur Strudel-Show. Eine hochkompetente asiatische Bäckerin erklärt uns tatkräftig und mit Humor, wie man einen klassischen Apfelstrudel zubereitet und lässt den Teig fliegen. Und probieren dürfen wir auch ein Stück.

Am Abend dann das kulinarische Highlight dieser Reise: Familie Reitbauer und ihr Team heißt uns im Steirereck willkommen. Das Restaurant hat die höchste Auszeichnung im Guide Michelin, drei Sterne, und ist laut der roten Gourmetbibel eine Reise wert. Wir gönnen uns Junge Karotten mit Samtfußrübling und Stör mit Gin Dirndl, Wachtel mit Mairüben und Herzkirschen mit Mohn und Milchstriezel.

Zwischendurch kommt immer mal wieder der Brotwagen vorbei, gesteuert durch seinen Chauffeur, den weltberühmten Brot-Andi. Und zwei Käse-Wägen machen auch noch Halt. Aus 70 (in worten siebzig!!!) internationalen Käsen kann man wählen. Und nach dem Dessert kommt die Hommage des Restaurants an Johann Strauß, der dieses Jahr 200 Jahre alt geworden wäre. Wir bekommen „An der schönen blauen Donau“ serviert, aber auch „Wiener Blut“ und „Wo die Citronen blüh‘n“.

Und wir sind erfüllt: Vom Essen, vom Wein, von der Perfektion, von herausragenden Gastgeber*innen und völlig verzaubert geht es zurück durch den Stadtpark ins Hotel.

Der nächste Tag startet im Regen. Doch schon auf dem Weg zur Straßenbahn hat der Wettergott ein Einsehen, und wir können den Schirm erstmal wieder zuklappen.

Im Oberen Belvedere bestaunen wir den Marmorsaal, die Charakterköpfe von Messerschmidt, den Kuss von Klimt und vieles mehr. Es ist unglaublich, auf was man alles Bilder von Klimt drucken kann (wo habe ich so etwas ähnliches doch gerade erst gelesen…). Weiter geht’s zum Prater, leider wieder im Regen. Im Riesenrad werden wir mit Häppchen und Sekt empfangen, und bei der dritten oder vierten Runde hört der Regen auf. Trocken Fußes geht es dann zurück in die Innenstadt. Kurz vor unserem Ziel – dem Café Central – begegnen uns dann nochmal Sisi, Franzl, Mozart, Beethoven, Freud und Strauß in leicht veränderter Form. Und im Kaffeehaus geben wir uns abermals ganz den Wiener Gaumenfreuden hin: Törtchen und Kaiserschmarrn, Einspännern, großen Schwarzen und kleinen Braunen. Am Abend dann und zum Abschluss serviert man im Schwarzen Kameel ein Wiener Schnitzel und es ist uns allen klar: Wir müssen nochmal wiederkommen, es gibt noch viel zu entdecken und zu probieren. Auf noch viele weitere Wiener Genüsse!